Gefühle

Warum auch die sogenannten negativen Gefühle unglaublich wichtig sind!

Ich bin zur Zeit unglaublich viel am reflektieren und arbeite an mir selbst und daher beschäftige ich mich – manchmal natürlich auch ungewollt – mit “negativen” Gefühlen.

Welche Gefühle werden als negativ betitelt und warum?

Scham 

Scham entsteht immer dann, wenn uns eine Situation unangenehm und peinlich ist. Manchmal entsteht sogar die sogenannte Fremdscham. Sehen wir andere Personen in peinlichen Situationen ruft es in uns ebenfalls Gefühle wie Scham hervor, andere fangen an zu lachen um das zu kompensieren. Betrachten wir uns das Gefühl genauer ist die Scham sehr sehr individuell und entwickelt sich oft noch weiter ins Negative. Mir persönlich wäre es unglaublich peinlich wenn ich nackt auf die Straße gehen würde. Warum? Ich habe Probleme mit meinem Körper und möchte mir nicht vorstellen was die Leute sagen würden, wie sie gucken – ich interpretiere einfach jetzt schon unglaublich viel rein. Daraus könnten weitere Gefühle wie Angst und Schuldgefühle entstehen, bis hin zu einer Depression. Würden wir uns allerdings nicht schämen, dann würde unser Miteinander nicht mehr funktionieren. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass im Sommer nicht alle Menschen nackt herumlaufen, in der Öffentlichkeit ihre Sexualität ausleben, ihre Ausscheidungen überall hinterlassen usw.. Ich denke solange die Scham vorhanden ist, aber nicht ins Extreme fällt, hilft sie uns in der Gesellschaft zu leben.

Schuld

Schuld möchte ich immer mit Verantwortung in Verbindung bringen. Schuld entsteht immer dann wenn ein Fehler passiert ist und dann die Frage aufkommt wer Schuld an dem Fehler trägt, also wer die Verantwortung dafür trägt. Ich habe vor Jahren auf meinen kleinen Bruder aufgepasst, als meine Eltern abends weg waren. Mir wurde also die Verantwortung übertragen ihn ins Bett zu bringen und dafür zu sorgen, dass er nicht alleine ist und ihm nichts passiert. Nun hatte ich vergessen vor sein Hochbett eine Klappmatratze und Kissen auszulegen, weil bekannt war, dass er sich im Schlaf ab und zu hingesetzt und danach zur Seite umgefallen ist. Bis dahin war er nie aus dem Bett gefallen; an diesem Abend schon. Er ist auf den Kopf gefallen und musste auf die Intensivstation. Ein Haarnadelriss wurde im Schädel entdeckt und ich habe mir jahrelang Schuldvorwürfe gemacht, dass ich diese blöde Matratze vergessen habe! Negativ wird die Schuld dann, wenn wir unseren Fehler selbst nicht eingestehen, wenn wir uns für Fehler nicht verzeihen und daraus lernen oder die Schuld und damit die Verantwortung auf andere Menschen abschieben. Dabei sind Fehler wirklich wichtig um Erfahrungen zu sammeln und uns weiterzuentwickeln! Ich habe aus der Geschichte mit meinem Bruder gelernt mit meiner Verantwortung umzugehen, wenn ich auf einen kleinen Menschen aufpasse und ich habe mir den Fehler verziehen. Es war schließlich nie meine Absicht ihn zu verletzen!

Angst

Angst ist etwas gemeines, aber hilfreiches und ist auch hier sehr individuell. Das Unbekannte ist das womit Horrorfilme zum Beispiel oft den Nervenkitzel hervorrufen. Die Musik, die Dunkelheit, alles macht uns weiß, dass etwas Gefährliches da ist, aber das Schlimme ist daran, dass wir nicht wissen was. Wir stellen uns in unserer Fantasie alles mögliche vor und am Ende wenn es sich endlich offenbart ist der Schreckmoment meist vorbei und es ist gar nicht mehr so schlimm. Angst vor dem Tod kommt auch oft daher, dass wir nicht wissen was passiert. Sind die Schmerzen schlimm? Müssen wir leiden? Verlustängste, dass ein geliebter Mensch nicht mehr bei uns ist. Dazu kommen viele Phobien, bei denen extreme Angst bis hin zur Panik eine Rolle spielen. Das positive an der Angst ist, dass sie uns davon abhält in dunkle Gassen zu gehen oder in einen Tigerkäfig zu klettern. Sie hilft uns ganz einfach zu überleben und vorsichtiger durch den Alltag zu gehen. Ich habe ziemlich Höhenangst und trotzdem fahre ich total gerne Achterbahnen, weil es Spaß macht und ich angeschnallt bin. Wenn die Sicherheit fehlt kommt die Angst.

Trauer

Trauer und Enttäuschung kennt sicher jeder gut. Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren oder sich ein Traum nicht erfüllt. Ich trauere immer noch, weil ich meine kleine Tochter nicht selber gebären konnte, sondern ein Notfallkaiserschnitt durchgeführt werden musste. Ich hätte sie unheimlich gerne direkt nach der Geburt auf meiner Brust liegen gehabt und sie gestillt. Die dreistündige Trennung war unglaublich schwer für mich. Unverarbeitete Trauer kann zu einem Trauma und Depressionen führen, aber oft ist es die Angst vor dem Schmerz, die uns daran hindert das Gefühl der Trauer völlig frei zuzulassen. Sich zuzugestehen, dass es einem nicht gut geht, zu weinen und den Schmerz anzunehmen ist manchmal eine sehr große Überwindung. Oft wird in der Gesellschaft nicht anerkannt, wie schwer eine Situation für uns war und es wird nur erwartet, dass wir funktionieren. Der unverarbeitete Schmerz kann uns ganz schnell in Notsituationen bringen und uns überfordern. Dann entstehen die Wutausbrüche:

Wut

Wut ist der letzte Kanal den unser Gehirn verwendet um uns zu zeigen, dass etwas nicht in Ordnung ist und wir nicht mehr wissen, was wir tun sollen. Schreien, schlagen, Sachen zerstören, die Wut sucht sich in der Handlung ein Ventil. Leider wird die Wut dabei oft an anderen Menschen ausgelassen und am ehesten trifft es die, die uns am nächsten stehen. Besonders Kinder trifft es am meisten. Ich gebe zu, dass ich auch schon meine Tochter angebrüllt habe, weil ich einfach nicht wusste was sie mir mit ihrem stundenlangen Gebrüll sagen will. Dabei war sie sicher zu diesem Zeitpunkt selber in Not geraten. Anschließend entschuldige ich mich jedes Mal bei ihr und erkläre ihr warum ich das getan habe. Vor allem sage ich ihr, dass es mein Problem ist und sie nicht daran Schuld ist. Ich bin dabei meine Angst und meine Trauer genau zu reflektieren, um es überhaupt nicht mehr zu Situationen kommen zu lassen, in denen ich andere anbrülle. Wenn ich merke, dass mir gerade alles zu viel ist und nicht genügend Bedürfnisse meinerseits erfüllt sind, dann ziehe ich mich sofort zurück, schreie in mein Kissen oder schlage auf etwas weiches ein. Es gibt der Wut einen harmlosen Kanal und ich schade damit niemandem. Sport mache ich auch gerne um die Aggressionen rauszulassen, nur kann ich nicht einfach mit dem Fahrrad wegfahren wenn meine Tochter mich gerade braucht.

Alles in allem sind diese Emotionen eng miteinander verflochten und rufen mal mehr oder weniger Handlungen in uns hervor, die wir nachher so nicht haben wollten. Aber warum ist das eigentlich schlecht? Die negativen Gefühle lassen uns doch schreckliche Dinge verarbeiten und uns besser kennenlernen. Sofern wir die Emotionen zulassen, annehmen und uns nicht zusätzlich dafür fertigmachen oder anderen schaden haben sie ein riesiges Entwicklungspotenzial und es kann nur Gutes daraus entstehen. Ein bisschen stelle ich mir das wie ein Waldbrand vor. Mein Traum von der perfekten Geburt meiner Tochter ist verbrannt, aber die Erde für eine starke Bindung ist trotzdem vorhanden und die Pflanze wächst und gedeiht wie ich es vorher nicht für möglich gehalten habe.

Es ist völlig ok diese Emotionen zu haben: Nutze Deine “negativen” Gefühle und lass Schönes daraus entstehen – Du wirst sehen – es lohnt sich!

Deine Julia Amelie

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