Blogtober,  Erziehung

23. Blogtober – Wenn du nicht lieb bist, dann….!

Es geht wieder auf Weihnachten zu – zumindest wenn wir nach den Supermärkten und dem Lebkuchenangebot gehen. Und wie jedes Jahr kommt früher oder später die Frage: „Was wünschst du dir denn vom Weihnachtsmann?“ 

Platzhalter für Machtmissbrauch

In vielen Familien ist es leider immer noch Brauch „Fantasiegestalten“ wie den Weihnachtsmann, Krampus, Osterhase auszunutzen um „liebe“ Kinder zu bekommen.

„Wenn du jetzt nicht sofort mit nach Hause gehst bekommst du nichts vom Weihnachtsmann!“
„Wenn du nicht lieb bist verbringst du Weihnachten auf deinem Zimmer!“

Was wissen die Kinder? Der Weihnachtsmann bringt Geschenke (oder auch das Christkind) und davon besonders viele. Aber laut der Eltern kriegen diese nur liebe Kinder. Also tut das Kind natürlich was die Eltern sagen, denn es will ja diese „Belohnung“ haben – fürs „lieb sein“. 

Merkst du schon worauf ich hinauswill?
Die Eltern geben die Verantwortung an diese Wesen ab, denn sie sind ja in diesem Fall dann nicht die „bösen“, die keine Geschenke bringen. 

Was wollen eigentlich die Erwachsenen? Erst mal: Diese Drohung funktioniert – meistens… Das Kind tut was der Erwachsene will! Es geht folgsam mit nach Hause, vielleicht muss es hin und wieder daran erinnert werden, was auf dem Spiel steht. 
Der Weihnachtsmann ist also nur eine Methode um das Kind zu etwas zu zwingen was es garantiert gerade nicht will. Der Gehorsam wird erfolgreich durchgesetzt. 

Warum diese gezielte Angst?

Nehmen wir den Krampus als Beispiel. Den Kindern wird ernsthaft erzählt, dass sie von einem furchteinflößenden Mann in einen Sack gesteckt werden, in den Wald verschleppt und aufgefressen werden! 
Ähm… bei sowas krieg ich selbst als Erwachsene Albträume, was macht das dann erst mit unserem Kind, bei dem die Fantasie noch so viel größer ist?Wir Eltern haben so viel Macht über unsere kleinen Kinder – natürlich glauben sie uns diese Geschichten! In ihren Augen wissen wir alles, können alles; zumindest bis zu einem gewissen Alter.

Warum nutzen wir das immer und immer wieder aus? 

Warum machen wir unseren Kindern bewusst Angst?

Erstens wurde das oft mit uns gemacht, als wir klein waren und sobald wir gelernt haben, dass uns durch diese erfundenen Wesen ja nichts passieren kann: Nicht so schlimm! Da musste ich ja auch durch!

Zweitens stecken wir oft in Situationen in denen wir total genervt sind und gerade einfach nur wollen, dass unser Kind: Ruhe gibt, mitkommt, mitmacht, ins Bett geht, Zähne putzt usw. Der Plan steckt in unserem Kopf fest und muss gerade um jeden Preis durchgesetzt werden. Also hält eben mal der Weihnachtsmann her.

Drittens gibt es oft noch diese Annahme, dass Angst überwinden stärker macht. Manche Erwachsene finden es regelrecht lustig wenn Kinder Panik vor etwas ausgedachtem haben. 

Aber zu welchem Preis? 

Für die Kinder bedeutet „keine Geschenke zu Weihnachten“ oder „Schimpfen“ übersetzt meistens: Mama und Papa haben mich nicht mehr lieb. Wenn ich jetzt nicht mit nach Hause gehe hat mich sogar der Weihnachtsmann nicht mehr lieb und bringt mir keine Geschenke. Schlimmer noch: Wenn ich jetzt nicht lieb bin werde ich bestraft, obwohl ich gar nicht weiß, was ich falsch gemacht habe!
Bin ich falsch? Warum liebt mich keiner mehr? 
Fühlst du dich bei diesen Sätzen wohl? Nein, ich mich auch nicht. Ich fühle mich alleine, traurig und bin verwirrt.

Mir wurde mal aus Spaß als Kind erzählt unter dem Bett wohnen Krokodile und beißen in die Zehen und in dunklen Hausfluren leben die „Wilden Kerle“. Ich hatte richtig schlimme Angst und Albträume davor. Bei meiner Oma habe ich mich nicht mehr alleine aufs Klo getraut. 

Das passiert verdammt schnell: Es setzt sich in das Unterbewusstsein und in die Träume. Und alles was das Kind möchte ist geliebt und angenommen werden, richtig sein und „Kind sein“ dürfen.

Der Preis ist psychischer Druck, Stress und je nachdem wie prägend das Erlebnis ist kann sich das bis ins Erwachsenenalter auswirken.

Weihnachten – Das Fest der Liebe

Das ist es doch eigentlich oder? An Weihnachten feiern wir doch die Liebe und die Geburt Christi oder nicht?

Für mich geht es um das Beisammensein, leckeres Essen und die Geschenke gibt es, weil ich etwas schenken möchte und gerne beschenkt werde. Ein Geschenk hat für mich keine Bedingung im Hintergrund. 

Ich sag zu meinem Mann ja auch nicht: Wenn du den Müll nicht rausbringst schenk ich dir nichts zu Weihnachten!
Klingt total absurd oder? Aber das ist genau das was wir mit den Kindern machen.

Die Geschenke gibt es nur unter Bedingungen; sie werden also zu Druckmitteln, zu Belohnungen für gutes Verhalten. Meiner Meinung nach hat das nichts mehr groß mit schenken zu tun.

Alternative

Anstatt mit „Wenn…, dann…!“ zu drohen, den Weihnachtsmann auszunutzen oder Geschenke unter Bedingung zu nutzen, frag dich doch mal was gerade wirklich in dieser Situation los ist!

Was brauchst du gerade? (Dein Bedürfnis!)

Was braucht dein Kind gerade? (Das Bedürfnis deines Kindes!)

Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was du gerade brauchst und dem, was du willst. Zwar kann das Verhalten des Kindes der Auslöser für deine Wut sein, aber niemals der Grund. Was liegt wirklich dahinter?Kommuniziere mit deinem Kind was du gerade brauchst (ohne Drohung) und lass dein Kind erzählen was es gerade möchte. 

Wo könnt ihr einen Kompromiss finden?

In diesem Sinne wünsche ich dir erst mal einen schönen Herbst, bevor es an Weihnachten geht 😉
Deine Julia Amelie

Photo by Ryan Franco on Unsplash

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