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25. Blogtober – Ich bin hochsensibel und das ist gut so

Das Thema Hochsensibilität kommt zum Glück immer mehr auf. Besonders wenn die Kinder damit anfangen fängt mensch doch irgendwann an sich damit zu beschäftigen.

Dadurch das ich meine Sensibilität zu schätzen gelernt habe konnte ich bei meiner Tochter sehr schnell feststellen wie ähnlich sie mir doch in dieser Hinsicht ist. Genauso meine Mutter und meine Oma. Wir sind alle auf unsere Art und Weise hochsensibel.

Wie ich der Sensibilität auf die Spur kam

Ich war 17 oder 18, da hat mir mein Exfreund vorgeworfen ich solle doch nicht immer so sensibel sein. Das Gleiche bekam ich öfter von meinem Vater zu hören. Es waren also hauptsächlich die Menschen den ich sehr nah stand. Sensibel hieß, dass ich schnell emotional wurde. Ich machte mir sehr schnell Sorgen, fing schnell an zu weinen (zumindest wenn ich alleine war, ich habe das normalerweise sehr stark kontrolliert), jammerte und reagierte pessimistisch auf Probleme. „Gib doch nicht immer gleich auf!“ hieß es dann. Ab da dachte ich immer ich sei schwach und falsch. Empfindsam, zu lieb, sensibel, schwach, unselbständig, kein Selbstvertrauen….  Das wurde alles in einen Topf geworfen und ins negative gedreht.

Dann lernte ich eine wundervolle Frau kennen; die Mutter meines Exfreundes. Sie sah etwas in dieser Sensibilität was ich lange nicht annehmen konnte. Mitgefühl, ein Leuchten in mir, Empathie, Menschenkenntnis, gute Selbsteinschätzung, Spiritualität, ein tiefes Vertrauen und Verbundenheit.

Ein gutes Gefühl dafür wie ich mit anderen Menschen umgehe und mit der Stimmung in der sie sich gerade befinden. Das sind Stärken, die ich mittlerweile beständig weiter ausbaue und auf sie vertraue. 

Die „negativen“ Seiten

Was ich nicht mag oder nicht gut mit kann? 

Ich bin sehr sehr schnell überreizt. In Menschenmengen (Weihnachtsmarkt zum Beispiel) kann ich mich nicht besonders lange aufhalten. Es ist total anstrengend, ich kann mich kaum auf eine Sache konzentrieren. Alleine mich mitten im Gewusel mit einer Person unterhalten macht mich völlig fertig. Es entzieht mir unglaublich viel Energie. Daher meide ich solche Situationen wo es nur geht. Im Studium haben mich sogar zu volle Vorlesungssäle abgeschreckt. Im Nachhinein konnte ich meistens kaum schlafen und musste mich regelrecht erholen. Mit sehr viel Ruhe und passiven Tätigkeiten. 

Meine Haut und mein Körper sind ebenfalls „empfindlich“. Ich mag nachts niemanden an mir dran haben. Allergien geben mir direkt Ausschläge, die so sehr jucken, dass ich mich im Schlaf blutig kratze. Mich braucht nur jemand leicht an einer falschen Stelle am Körper berühren und ich hab Schmerzen. Wenn ich auf dem Boden krabbel habe ich anschließende blaue Knie.

Ich habe mehr Online-Freunde als regelmäßig welche persönlich zu treffen. Nicht verwechseln, ich bin nicht unsozial, aber ich bin introvertiert. Probleme kann ich am besten schriftlich lösen, weil ich beim reden zu aufgeregt bin um wirklich das zu sagen was ich eigentlich denke.

Mehr Bedürfnisse

Damit habe ich sehr viele Bedürfnisse, zuvorderst das nach Ruhe. Ich war nie wirklich gerne ein Partygänger, auch wenn ich mal gerne auf ein Konzert gehe. Aber seit ich das entdeckt habe kann ich so viel besser darauf eingehen. Wenn ich mich gestresst und überfordert fühle schaffe ich es immer öfter mich einen Moment aus der Situation zu nehmen und zu gucken was ich gerade wirklich brauche. 

Ich sage Termine ab wenn ich merke, dass es mir zu viel wird und das war bis jetzt immer die richtige Entscheidung. 

Eigentlich wollte ich gestern bis morgen auf die SPIEL in Essen gehen. Es war alles geplant, von Hotel zu Auto und Tickets kaufen… Dann habe ich realisiert – ich krieg das derzeit nicht hin! Diese Menschenmassen, diese Unmengen an Reizen. Ein fremdes Bett, früh aufstehen, lange Autofahrten. Wahrscheinlich noch Lebensmittel konsumieren gegen die ich allergisch bin und dann geht es mir schlecht. Der Preis war mir zu groß und ich habe auf mich gehört. Ich bin natürlich traurig, weil ich die Messe verpasse, aber ich bin sehr froh, diese Bedürfnisse rechtzeitig erkannt zu haben und mir nicht die Schuld zu geben, dass ich eben zu „empfindlich“ bin.

Mein Kind gehört auch dazu

Genau aus diesem Grund leben wir derzeit Kitafrei, weil Emily sehr sensibel ist. Sie schnappt Stimmungen von meinem Mann und mir auf und spiegelt sie hemmungslos. Mit vielen Kindern und großen Menschenmengen ist sie schnell überfordert und als Baby hat sie wegen Bauchschmerzen und Überreizung sehr viel gebrüllt. Auch damit habe ich gelernt gut umzugehen. Zum Glück erkenne ich schnell wenn etwas zu viel für sie ist und ziehe sie aus der Situation raus. 

Ich bin so froh mich mit dieser „Gabe“ auszukennen und kann damit sehr gut auf sie eingehen. 

Hoffentlich kann sie so von mir lernen, dass es nicht negativ ist hochsensibel zu sein. Im Gegenteil, es liegt so viel Potenzial darin! 

So genieße ich mit meiner Tochter den Alltag und die Ruhe, sie nicht in den Kindergarten bringen zu müssen.

Bist du auch hochsensibel? Schreib mir gerne darüber!
Deine Julia Amelie

Photo by Oleg Ivanov on Unsplash

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