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15. Blogtober – Vom Gefühl eine schlechte Mutter zu sein

Eines gleich zu Anfang: DU – ja genau DU – bist RICHTIG so wie DU bist!

Frisch geborene Mama

War ich aufgeregt, als ich Mama wurde. Mein Start war alles andere als schön: Nachzulesen im Beitrag Meine Traumgeburt, die zum Alptraum wurde

Aber egal wie du als Mama startest; niemand kann dich darauf vorbereiten, am allerwenigsten du selbst. 
Plötzlich ist da dieses kleine Würmchen, das Tag und Nacht körperliche Bedürfnisse hat und zusätzlich Geborgenheit, Sicherheit und Nähe braucht. 

Wir geraten da ziemlich schnell in der Schiene nicht mehr auf unsere Bedürfnisse zu achten, wenn wir nicht aufpassen. Auch dazu hatte ich bereits geschrieben: Warum Bedürfnisse missachten so eine schlechte Idee ist

Das gesamte Leben krempelt sich um. Unternehmungen werden anders, die Beziehung zum Partner ändert sich und am allerwichtigsten: Deine Persönlichkeit ändert sich mit. 

Denn du hast ein Neues Teil-Ich entwickelt: Mama sein!

Das kann wunderschön sein, aber auch sehr anstrengend und belastend.

Ich will eine perfekte Mama sein

Da geht es los! 

Jedes Schreien meines Kindes ist ja ein Hilferuf – natürlich muss ich irgendwie helfen. Wickeln, nachts da sein, am besten noch den Partner schonen, weil der geht ja arbeiten. Oder: Du bist alleinbegleitend und hast niemanden in der Nähe, der mal aushilft. Da fangen die ersten Stresssituationen an.

Bei den anderen sieht das doch so einfach aus. Die haben immer dieses perfekte niedliche Kind, das niemals schreit und bereits durchschläft! Dann mit dem Partner ins Kino und lecker essen, weil die Großeltern nichts lieber tun als mehrmals die Woche auf den Nachwuchs aufzupassen. Mit einem Jahr geht das Kind ohne Probleme in den Kindergarten und Mama wieder arbeiten. Der Haushalt sieht immer perfekt aus usw…

Ähm, ja irgendwie beschreibe ich grad so eine Barbie-Familie oder?

Wir neigen so schnell dazu uns mit anderen zu vergleichen und dann picken wir uns das raus was bei uns schief läuft und bei anderen anscheinend so perfekt. 

So, jetzt ist der Druck da! Warum krieg ich das nicht hin?
Warum sehe ich nicht perfekt aus, habe einen sauberen Haushalt, ein wohlerzogenes braves Kind, ein spannendes Sexualleben und eine Karriere in meinem Traumberuf? 

Ernsthaft? Wer hat das wirklich? 

Wie unsere Erziehung uns prägt

Woher kommt es, dass wir „perfekt“ sein wollen? 

Eigentlich – meine Meinung – wollen wir doch „glücklich“ sein oder?

Als Kind haben wir mindestens eine Bezugsperson. Wir sind abhängig von ihr, körperlich sowie psychisch. Sehr schnell fangen wir an eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, die Umgebung mit allen Sinnen zu erforschen und spielerisch zu lernen. 

Was die Bezugsperson sehr schnell tut: Grenzen und Regeln beibringen, oft leider willkürlich.

Viele unserer Eltern machen das auch nicht mit Absicht. Da schwingen die eigenen Ängste und Sorgen mit. Wir wollen alle nur das Beste für unsere Kinder!

Je nachdem wie wir erzogen wurden sagt uns unser „Bauchgefühl“ wie wir unsere Kinder erziehen. 

Als Kind und Jugendlicher wurden wir von den Menschen um uns herum bereits maßgeblich beeinflusst. Wir haben versucht nachzuahmen, irgendwann auch uns untereinander zu messen. Lob tut gut, gewinnen ist toll, der Beste in etwas zu sein machte mich kurzzeitig glücklich!

In meiner Familie schwang für mich immer mit, dass ich irgendwie falsch bin und gute Noten haben muss oder dünn sein muss um später/in der Zukunft etwas zu werden. Gesagt wurde mir nur letzteres mit den Noten und der Figur. 

Bestimmtes Verhalten oder Gefühle wurden nicht gerne gesehen. Wut sollte verdrängt werden indem ich auf mein Zimmer geschickt wurde (das kam mit der Zeit immer seltener vor)

Ich war ein sehr schüchternes und ruhiges Kind, achja und immer lieb… 

Aber als Jugendliche konnte ich keine Verantwortung übernehmen und war schlecht in der Schule. Ich konnte mir bestimmte Sachen nicht merken und war faul sowie chaotisch. 
Ich habe versucht mich anzupassen, mich immer weiter zurückgezogen, Gefühle verdrängt. 

Meine Eltern haben mich also tief geprägt und ich habe den Eindruck gewonnen falsch zu sein.

Das habe ich später als Mutter immer noch geglaubt.

Ich hatte also ständig das Gefühl ich sei eine schlechte Mutter – ich könne meinem Kind nicht helfen, obwohl ich mich schon aufopferte und immer mein Bestes gab. Ich dachte ich wäre ein Versager.

In Wirklichkeit kamen diese ganzen Annahmen aus meiner eigenen Erziehung. Weil ich nicht so angenommen wurde wie ich war. Der Frust war groß, weil ich es einfach nicht schaffte perfekt zu sein.

Und nein, ich bin immer noch nicht perfekt und vielleicht auch keine gute Mutter. Ist das wichtig?

Der Traum wird Realität

Bei mir sieht es immer aus wie bei Hempels unterm Sofa – stört übrigens keinen Besuch mehr seit ich das Thema losgelassen habe. (Oder sie sind so höflich und sagen nichts, hihi)

Meine Tochter ist hochsensibel – wie ich – und geht nicht in den Kindergarten, aber dadurch bekomme ich sämtliche Entwicklungsschritte zu Hause mit und sie ist durch diese Nähe gefühlt „braver“ als viele andere Kinder. 

Die Beziehung zu meinem Mann ist eher auf das Wochenende reduziert, aber durch Zeitfenster in denen wir ausführlich reden und wunderschöne Ausflüge zu dritt habe ich keine Defizite mehr. 

Mein Studium musste ich abbrechen, aber jetzt kann ich das tun was ich mich sonst nie getraut hätte: Ein eigenes Online-Business mit meinem Herzensthema aufbauen. 

Und ich mag meinen Körper wie er ist. Mag ich etwas nicht, dann stelle ich was um! Derzeit verzichte zum Beispiel auf Süßigkeiten und mache mehr Sport. Schon fühle ich mich besser. 

Mein Leben ist alles andere als perfekt, aber ich bin glücklich und ich bin richtig so wie ich bin!

Meine Tochter zeigt mir sehr deutlich wenn ich mich gerade daneben benommen habe – also in dem Moment eine doofe Mama war – aber so schnell sie sauer und frustriert ist, so schnell vergibt sie mir auch wieder. Und ich entschuldige mich für meine Wutausbrüche, die echt nie was mit meiner Tochter zu tun haben. 

Wir haben eine wunderbar starke Bindung aufgebaut in der wir doof sein dürfen, ja in der wir einfach sein dürfen. 

Keine perfekte Mama, keine perfekte Tochter, aber eine richtige und ehrliche Beziehung. 

Sei unperfekt mit mir 
Deine Julia Amelie

Photo by Jon Flobrant on Unsplash

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