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Trauer Archive - Mama hat AuDHS https://postnatalewelt.de/blog/tag/trauer/ Mein Leben mit der Autismus & ADHS Kombi Mon, 19 Apr 2021 16:52:06 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.6.5 Wie der Suizid meines Bruders alles änderte https://postnatalewelt.de/blog/2021/04/13/wie-der-suizid-meines-bruders-alles-aenderte/ https://postnatalewelt.de/blog/2021/04/13/wie-der-suizid-meines-bruders-alles-aenderte/#respond Tue, 13 Apr 2021 09:48:28 +0000 https://postnatalewelt.de/?p=670 TRIGGER-Warnung: Ich schreibe über Suizid, Trauer und Tod.
Das ist der schwierigste, traurigste und befreiendste Blogbeitrag den ich je geschrieben habe. Für mich ist das Schreiben über meine Gefühle eine Therapie. Aber dieser Blogbeitrag ist nicht nur für mich, er ist auch für Dich mein kleiner Bruder. Ich vermisse Dich so unglaublich!

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TRIGGER-Warnung: Ich schreibe über Suizid, Trauer und Tod.

Das ist der schwierigste, traurigste und befreiendste Blogbeitrag den ich je geschrieben habe. Für mich ist das Schreiben über meine Gefühle eine Therapie. Aber dieser Blogbeitrag ist nicht nur für mich, er ist auch für Dich mein kleiner Bruder. Ich vermisse Dich so unglaublich!

Gehen wir zurück zu dem Tag an dem ich die Nachricht bekam: der 16. Dezember 2020.
2020 war sowieso schon ein seltsames Jahr. Erst Corona (ja, ich weiß, das böse C-Wort!), dann starb meine geliebte Oma an ihrer dritten Krebserkrankung. Sie war so eine starke Frau! Mich wurmt es bis heute, dass ich mich über FaceTime verabschieden musste und meinen Bruder auf der Beerdigung nicht umarmt habe. Da hatte ich ihn das letzte Mal lebend gesehen. Am 22. September kam schließlich meine zweite Tochter auf die Welt in dieser wunderbar überwältigenden Hausgeburt. Das Wochenbett und die Zeit darüber hinaus waren sehr anstrengend und der Alltag teilweise kaum zu bewältigen. Aber das ist eine andere Geschichte – für diese ist eigentlich nur wichtig zu wissen, dass ich sowieso schon überlastet und überfordert war.

Die schreckliche Nachricht

Am 16. Dezember also sollte sich alles ändern. Ich hatte sowieso schon ein schlechtes Gewissen, weil meine (andere) Oma ihren 80. Geburtstag feierte und ich noch nicht angerufen hatte. Es kündigte sich mit einer WhatsApp-Nachricht von meinem Vater an: “Ist Dennis gerade bei dir?”
Irgendwie seltsam, kein Hallo und nix – hatte wer von uns beiden was angestellt und ich hatte es nicht mitbekommen? In mir machte sich ein seltsam flaues Gefühl in der Magengegend breit. Ich antwortete: “Ja der ist im Home-Office. Wieso?” Mein Vater: “Können wir telefonieren?” Ich: “Klar”
Ich war mir ziemlich sicher, dass irgendetwas nicht stimmte. Dann klingelte mein Handy und Papa hörte sich irgendwie leise und bedrückt an. Er bat mich darum mich hinzusetzen, also nahm ich am Wohnzimmertisch Platz und bestätigte dies. Dann erzählte er es mir: “Es ist etwas schreckliches passiert… Der Max hat sich umgebracht.” Stille. Ich starrte ins halbdunkle Wohnzimmer und versuchte in meinem Gehirn irgendwie einzuordnen was ich gerade gehört hatte. Meine Gedanken sprangen zu meinen beiden Brüdern Max und Felix, irgendwie brachte ich das Gesagte nicht mit meinem Bruder zusammen. Ich brachte nur ein ersticktes “Was?” heraus. Und ich glaube dann sickerte es langsam durch und ich fragte mehrmals nach, sagte immer wieder “Nicht mein Max!”. “Was hat er denn gemacht?” Er hatte sich ein Hotelzimmer genommen, sich seinen Anzug angezogen und mit Helium erstickt. Mein Vater weinte, ich weinte… es war ein einziger Schock. Ich lief mit dem Handy irgendwie im Wohnzimmer umher und konnte keinen klaren Gedanken fassen. Das konnte und wollte ich nicht glauben! Nachdem wir noch ein wenig geredet hatten kamen wir drauf: Mama weiß es noch nicht! Scheiße, sie feierte gerade bei meiner Oma den Geburtstag und hatte keine Ahnung. Felix hatte es durch die Polizei und einen Seelsorger erfahren, mein Vater genauso. Meine Mutter hatten sie noch nicht benachrichtigen können, da sie ja nicht zu Hause war. Von mir hatte die Polizei keine Adresse, daher übernahm mein Vater den Anruf. Dennis kam im Laufe des Gesprächs aus dem Büro runter und legte die Hände auf meine Schultern, später redete er noch mit Papa am Handy. Mein einziger Gedanke im Kopf war – was ist mit Mama? Was – wie machen wir das bloß? Außerdem erzählte Papa, dass es einen Abschiedsbrief gebe, aber da stehe nicht drin warum mein Bruder sich getötet hatte. Er sendete mir ein Foto davon. Ihn zu lesen war schrecklich, aber auch ich fand keinen Anhaltspunkt: Warum?

Zusammenhalt

Es war Abend und meine Mama wohnt 1 1/2 Stunden entfernt. Ich wollte nicht, dass sie alleine ist, wenn die Polizei und der Seelsorger sie besucht hatten. So beschlossen wir, dass Dennis mit Emily losfahren und sie zu uns holen würde. Ich kümmerte mich derweil um Feenja, lag einfach nur gelähmt und weinend im Bett neben ihr. Mit einem guten Freund konnte ich zum Glück direkt darüber schreiben, es half mir sehr die Zeit zu überbrücken. Dann beschloss ich meine Mama selbst anzurufen, bevor Dennis oder die Polizei kommen würden. Aber nicht solange sie noch bei meiner Oma feierte. Das Telefonat war schrecklich für uns beide, aber ich bin trotzdem froh, dass ich das übernommen hatte. Ich blieb so lange mit ihr am Hörer bis Dennis ankam – tatsächlich gleichzeitig mit der Polizei. Eigentlich wollte sie erst nicht mit zu uns, aber im Nachhinein war sie dann doch froh nicht alleine zu sein. Die nächsten Tage überlebten wir eigentlich alle nur irgendwie. Dennis, Mama und Papa nahmen sich Urlaub, wir telefonierten viel, schwiegen gemeinsam, weinten. Keiner von uns konnte oder wollte es glauben. Schon ab dem ersten Tag mussten meine Eltern vieles regeln. Der Körper meines Bruders wurde erst mal von der Staatsanwaltschaft übernommen, um zu untersuchen ob keine Straftat vorlag. Es ist so viel zu tun wenn ein Mensch stirbt… Überführung, willst du den Toten noch einmal sehen?, Sarg oder Urne?, Totenschein, Beerdigung – und die Trauer? Wo bleibe ich mit meinem Schock und meiner Trauer? Kann ich so schnell überhaupt schon trauern?
Ich versuchte viel zu reden, ich schlief schlecht, abends hatte ich teilweise einen Verwesungsgeruch in der Nase und anfangs weinte ich jeden Tag. Mein Bruder sollte nicht mehr da sein? Wieso? Das ergibt doch keinen Sinn? Warum? Wie hätten wir das verhindern können?
Plötzlich hielten wir alle ganz eng zusammen. Meine Eltern redeten wieder miteinander, meine Mutter konnte sogar mit meiner Bonusmama sprechen. Dennis war der Fels in der Brandung und das ist er immer noch. Ich bin so dankbar für die vielen liebevollen Menschen in meinem Leben, die sofort Unterstützung und Hilfe anboten und einfach da waren. Einige wenige haben sich zurückgezogen, was ich vollkommen verstehen kann. Leider gab es auch eine nahestehende Person, die damit gar nichts anfangen konnte; uns mit ihren Themen zusätzlich sehr belastete und kein Verständnis für die Situation aufbringen konnte. Das ist aber eine persönliche Geschichte, über die ich in diesem Beitrag nicht schreiben möchte.

Der Friedwald

Nicht mal einen Monat später, also fast zu schnell am 7. Januar, beerdigten wir meinen Bruder im engsten Familienkreis in einem wunderschönen Friedwald. Sein Baum ist ein wenig versteckt und sehr gerade; meine Eltern haben genau den richtigen Platz ausgesucht. Mein zweiter jüngerer Bruder hatte ein sehr schönes Bild gestaltet, welches wir am Andachtsplatz aufstellten. Die beiden standen sich sehr nahe, schon von kleinauf. Während der gesamten Beerdigung stand ich völlig neben mir und auch danach wollte ich einfach nicht wahr haben, dass das die Asche meines Bruders in der Urne ist. Trotzdem half uns dieser kleine Abschied in der Trauer ein Stückchen weiterzugehen. Wir durften eine Kleinigkeit mit ins Grab legen. Ich schrieb ihm einen Brief und faltete daraus eine Origami-Lilie, die er als Kind so oft bastelte und uns schenkte. Emily und mein kleinster Halbbruder spielten um uns herum im Wald und lockerten so die traurige Stimmung etwas auf. Das hat uns glaube ich allen gut getan.
Meine Mama brachte die Traumsteine meines Bruders mit, die früher immer unter seinem Kopfkissen lagen. Vor dem schlafen gehen sagte er immer seinen Spruch: “Ich wünsch’ Dir ganz viel Glück, damit Du ganz viele schöne Träume hast!” Das wünschte ich ihm nun ein letztes Mal.

Ich hoffe da wo du jetzt bist hast Du schöne Träume und den Frieden, den Du Dir gewünscht hast kleiner Bruder!

Die Veränderung

Mit dem Ausräumen seines WG-Zimmer und dem Beginn des Frühlings kann ich nun irgendwie akzeptieren, dass er tot ist. Annehmen mag ich es noch nicht so recht. Der Suizid hat mich verändert. Die genauen Auswirkungen kenne ich noch nicht alle, aber ich denke nun anders über den Tod. Zum einen habe ich gesehen was ein unangekündigter Suizid mit den Hinterbliebenen macht – ich werde nie wieder darüber nachdenken mich selbst töten zu wollen! An dem Punkt stand ich schon einige Male, das könnt ihr sogar hier nachlesen. Zum anderen habe ich mich viel mit dem Thema beschäftigt und habe keine Angst mehr vor dem Tod. Im Gegenteil, ich kann das Leben viel mehr annehmen und leben, wenn ich weiß es ist irgendwann vorbei. Und das ist beruhigend und gut so. Ich will ja gar nicht ewig leben.
Was mich auch nicht mehr arg belastet ist Corona oder dass Feenja öfter anstrengend ist. All diese Probleme kommen mir jetzt oft klein und nichtig vor. Es sind trotzdem anstrengende Hindernisse im Alltag, aber ganz ehrlich – ich würde ein dauerhaftes Leben mit Pandemie und Maßnahmen und Schlafmangel sofort eintauschen, wenn dafür mein Bruder wieder leben würde. Ich bin teilweise schon wieder der fröhliche Mensch, der ich vor dem Suizid war, aber die Trauer wird für immer mein ständiger Begleiter sein und mich mal mehr, mal weniger einnehmen.
Es hat mir gezeigt auf wen aus meiner Familie und von meinen Freunden ich mich verlassen kann und wo ich Unterstützung bekomme. Mit vielen fühle ich mich jetzt enger verbunden als vorher.

Am Ende dieses Beitrages fehlen mir die Worte, so wie sie mir zu dem Suizid meines Bruders irgendwie fehlen. Aber ich möchte dieses wichtige Thema nicht unausgesprochen lassen. Solltest du also merken, dass es dir schlecht geht oder jemandem in deiner Familie/deinem Bekanntenkreis, dann wende dich an die Telefonseelsorge, die immer erreichbar ist:

Per Telefon 0800 / 111 0 111 , 0800 / 111 0 222 oder 116 123
per Mail und Chat unter online.telefonseelsorge.de

Die TelefonSeelsorge® ist für jeden da, für alte und junge Menschen, Berufstätige, Hausfrauen,  Auszubildende oder Rentner, für Menschen jeder Glaubensgemeinschaft und auch für Menschen ohne Kirchenzugehörigkeit. Rund eine Million Gespräche werden jedes Jahr geführt, kostenfrei und rund um die Uhr. Denn Sorgen wiegen schwer und sie richten sich nicht nach Tages- oder Öffnungszeiten. Dafür haben wir auch mitten in der Nacht ein offenes Ohr. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sich ihrer verantwortungsvollen Aufgabe bewusst und nehmen Ihren Anruf ernst – egal, ob um acht Uhr morgens oder um Mitternacht.

Fühl Dich lieb gedrückt und bleib gesund
Deine Julia Amelie

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Ungeschönte Bauchbilder – Wie ich lernte meinen Körper zu lieben https://postnatalewelt.de/blog/2019/03/14/ungeschoente-bauchbilder-wie-ich-lernte-meinen-koerper-zu-lieben/ https://postnatalewelt.de/blog/2019/03/14/ungeschoente-bauchbilder-wie-ich-lernte-meinen-koerper-zu-lieben/#respond Thu, 14 Mar 2019 10:50:14 +0000 http://grossekleinefuesse.blog/?p=186 Vor der Schwangerschaft war ich mir sehr unsicher und nie zufrieden mit meinem Körper – die Hüften zu breit, meine Oberarme zu schwabbelig, X-Beine die seltsam aussehen, zu viele Pickel im Gesicht und große Füße… Eigentlich habe ich immer die Bestätigung von anderen gebraucht, dass ich doch irgendwie gut aussehe, aber ich selbst konnte mich nie schön finden. Bis ich schwanger wurde! Da bekam ich plötzlich größere Brüste; das fand ich natürlich toll und mein Bauch spannte sich – wurde also straffer: Es machte mir Spaß enge Kleidung zu tragen und meinen Babybauch zu zeigen; mein Bauchnabelpiercing wollte ich nicht abnehmen. Irgendwie fand ich meinen Bauchnabel seltsam ohne. Ich rieb regelmäßig alle möglichen Cremes ein und versuchte Schwangerschaftsstreifen zu verhindern, was auch eine ganze Zeit lang gut ging: Von einem Tag auf den anderen riss der gesamte Bauch und ein dunkler Streifen bildete sich; ich war total traurig und fand ihn plötzlich gar nicht mehr schön: Zudem fühlte ich mich wie ein Wal – riesiger hässlicher Bauch und mein Piercing passte auch nicht mehr. Ich hoffte, dass er nach der Geburt wieder schöner aussehen würde. Mein Bindegewebe ist nicht besonders gut und überhaupt ist mein Körper sehr empfindlich. Hinzu kam Schwangerschaftsdiabetes, durch den ich meine Ernährung umstellen musste. Das war heftig für mich – morgens nichts Süßes frühstücken! Immerhin musste ich kein Insulin spritzen, aber das regelmäßige messen (in den Finger pieksen) hat genervt. Meine Tochter war groß und ich hatte sehr viel Fruchtwasser, also mein Bauch war wirklich riesig: Etwa ein Monat nach dem letzten Bild kam meine Tochter auf die Welt und mein Bauch sah aus wie von einer alten Oma, die sehr schnell abgenommen hat. Ich fand mich so hässlich, dass ich mich gar nicht wirklich mit mir beschäftigte. Priorität war mein Baby! Mein Wrack von Bauch störte mich trotzdem sehr und ich kaufte mir eine teure spezielle Creme um die Haut wieder straff und glatt zu bekommen. 1 1/2 Monate nach der Geburt traute ich mich doch ein Photo zu machen: Ich habe mein Piercing so schnell wie möglich wieder eingesetzt und zog mir nur noch zu große Kleidung an um meinen Körper zu verstecken. Zudem aß ich vor lauter Frust und Kummer (auch wegen der anstrengenden Babyzeit) sehr viel Schokolade und Fertiggerichte. Meine Kleidergröße stieg von M auf L/XL und mir passten meine Klamotten nicht mehr. Wie habe ich es nun geschafft meinen Bauch anzunehmen wie er ist und meinen Körper zu lieben? Tatsächlich war das ein langer Prozess und zwar ein Innerer. Ich musste zuerst lernen mich selbst zu lieben und anzunehmen wie ich bin. Mich wertschätzen und meine Bedürfnisse erfüllen. Auf diesem Weg befinde ich mich noch immer, aber ich bin viel selbstbewusster geworden und traue mich daher jetzt diese Bilder ins Internet zu stellen. Ich habe übrigens nicht aufgehört Süßigkeiten zu essen! 😉 Allerdings brauche ich sie nicht mehr in Massen und esse gesund zu Mittag. Das war mehr ein Nebeneffekt zu meiner inneren Arbeit. Ich mag mich wie ich bin, trage keine Schminke mehr und finde meinen Bauch toll: Übrigens tut Sport auch ganz gut! Ich fahre viel Fahrrad und mache zwischendurch immer mal wieder eine Kraftübung. Hihi, trotzdem sitzt mein Piercing jetzt schief, aber das stört mich gar nicht. Ich bin kein Model und das will ich auch gar nicht sein! Wer bist du und wer willst du sein? Magst du dich wie du bist? Vielleicht habe ich dich ein wenig zum nachdenken angeregt! Liebe Grüße Deine Julia

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Vor der Schwangerschaft war ich mir sehr unsicher und nie zufrieden mit meinem Körper – die Hüften zu breit, meine Oberarme zu schwabbelig, X-Beine die seltsam aussehen, zu viele Pickel im Gesicht und große Füße… Eigentlich habe ich immer die Bestätigung von anderen gebraucht, dass ich doch irgendwie gut aussehe, aber ich selbst konnte mich nie schön finden.

Bis ich schwanger wurde! Da bekam ich plötzlich größere Brüste; das fand ich natürlich toll und mein Bauch spannte sich – wurde also straffer:

thumb_IMG_2501_1024
5 Monate schwanger

Es machte mir Spaß enge Kleidung zu tragen und meinen Babybauch zu zeigen; mein Bauchnabelpiercing wollte ich nicht abnehmen. Irgendwie fand ich meinen Bauchnabel seltsam ohne. Ich rieb regelmäßig alle möglichen Cremes ein und versuchte Schwangerschaftsstreifen zu verhindern, was auch eine ganze Zeit lang gut ging:

thumb_IMG_2597_1024
6 Monate schwanger

Von einem Tag auf den anderen riss der gesamte Bauch und ein dunkler Streifen bildete sich; ich war total traurig und fand ihn plötzlich gar nicht mehr schön:

thumb_IMG_2792_1024
8 Monate schwanger

Zudem fühlte ich mich wie ein Wal – riesiger hässlicher Bauch und mein Piercing passte auch nicht mehr. Ich hoffte, dass er nach der Geburt wieder schöner aussehen würde. Mein Bindegewebe ist nicht besonders gut und überhaupt ist mein Körper sehr empfindlich. Hinzu kam Schwangerschaftsdiabetes, durch den ich meine Ernährung umstellen musste. Das war heftig für mich – morgens nichts Süßes frühstücken! Immerhin musste ich kein Insulin spritzen, aber das regelmäßige messen (in den Finger pieksen) hat genervt.

Meine Tochter war groß und ich hatte sehr viel Fruchtwasser, also mein Bauch war wirklich riesig:

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Etwa ein Monat nach dem letzten Bild kam meine Tochter auf die Welt und mein Bauch sah aus wie von einer alten Oma, die sehr schnell abgenommen hat. Ich fand mich so hässlich, dass ich mich gar nicht wirklich mit mir beschäftigte.

Priorität war mein Baby!

Mein Wrack von Bauch störte mich trotzdem sehr und ich kaufte mir eine teure spezielle Creme um die Haut wieder straff und glatt zu bekommen. 1 1/2 Monate nach der Geburt traute ich mich doch ein Photo zu machen:

thumb_IMG_3471_1024

Ich habe mein Piercing so schnell wie möglich wieder eingesetzt und zog mir nur noch zu große Kleidung an um meinen Körper zu verstecken. Zudem aß ich vor lauter Frust und Kummer (auch wegen der anstrengenden Babyzeit) sehr viel Schokolade und Fertiggerichte. Meine Kleidergröße stieg von M auf L/XL und mir passten meine Klamotten nicht mehr.

Wie habe ich es nun geschafft meinen Bauch anzunehmen wie er ist und meinen Körper zu lieben?

Tatsächlich war das ein langer Prozess und zwar ein Innerer. Ich musste zuerst lernen mich selbst zu lieben und anzunehmen wie ich bin. Mich wertschätzen und meine Bedürfnisse erfüllen. Auf diesem Weg befinde ich mich noch immer, aber ich bin viel selbstbewusster geworden und traue mich daher jetzt diese Bilder ins Internet zu stellen.

Ich habe übrigens nicht aufgehört Süßigkeiten zu essen! 😉 Allerdings brauche ich sie nicht mehr in Massen und esse gesund zu Mittag. Das war mehr ein Nebeneffekt zu meiner inneren Arbeit.

Ich mag mich wie ich bin, trage keine Schminke mehr und finde meinen Bauch toll:

thumb_IMG_0178_1024
2 Jahre 9 Monate nach der Geburt

Übrigens tut Sport auch ganz gut! Ich fahre viel Fahrrad und mache zwischendurch immer mal wieder eine Kraftübung. Hihi, trotzdem sitzt mein Piercing jetzt schief, aber das stört mich gar nicht.

Ich bin kein Model und das will ich auch gar nicht sein!

Wer bist du und wer willst du sein? Magst du dich wie du bist?

Vielleicht habe ich dich ein wenig zum nachdenken angeregt!

Liebe Grüße
Deine Julia

Der Beitrag Ungeschönte Bauchbilder – Wie ich lernte meinen Körper zu lieben erschien zuerst auf Mama hat AuDHS.

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Von der Geburt zur Depression https://postnatalewelt.de/blog/2019/02/25/von-der-geburt-zur-depression/ https://postnatalewelt.de/blog/2019/02/25/von-der-geburt-zur-depression/#comments Mon, 25 Feb 2019 16:33:45 +0000 http://grossekleinefuesse.blog/?p=116 Ich hatte bereits von meiner schlimmen Geburt erzählt und hier geht die Geschichte nun weiter. Die ersten beiden Jahre mit meiner Tochter – kurz angeschnitten; ich lege den Fokus auf mich und wie es mir dabei erging. Auf dem Bild ist meine Tochter Emily etwa einen halben Tag alt und ich durfte sie das erste Mal stillen. Ich hatte ein wenig Angst, dass sie nicht gestillt werden möchte, aber ihre erste Flaschenmahlzeit war zum Glück kein Hindernis. Das Foto hat meine Mutter mit dem Smartphone aufgenommen, die diesen Moment total süß fand – ich war einfach noch voller Glückshormone. Diese lassen allerdings nach etwa 2-4 Tagen nach. Bereits am 2. Tag brüllte meine Tochter gefühlt stundenlang und egal was wir taten (stillen, tragen, wickeln) – sie ließ sich nicht beruhigen. Nach etwa 2 Stunden kam endlich eine Krankenschwester ins Zimmer und half uns; wir waren bereits total aufgelöst. Sie zeigte uns den Fliegergriff und dieser Tipp war Gold wert. Anscheinend hatte Emily sehr oft Probleme bei der Verdauung und nur so konnte sie entspannen. Das Schreien wurde mit den Wochen immer mehr und somit haben wir sie fast nur noch getragen. In der Tragetasche, im Fliegergriff und später hat sie fast ausschließlich auf dem Bauch auf uns drauf geschlafen. Teilweise durften wir uns nicht mal hinsetzen sonst wachte sie sofort auf und beschwerte sich. Es war eine unglaublich anstrengende Zeit für uns, die sich bis zum 2. Lebensjahr zog. Direkt nach der Geburt erzählte ich natürlich meiner Familie von meinen schlimmen Erlebnissen, aber irgendwie wurde das Thema immer so umgelenkt, dass ja alles gut ausgegangen sei. Emily sei gesund und ich sei ja auch fast wieder fit. Jetzt müssten wir eben schauen, dass wir alles für das Baby tun, nur mein Mann darf natürlich nicht die Arbeit vernachlässigen. Viele Mütter reagierten schockiert, aber sie hatten auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen. In dieser Zeit fiel ich also in eine Art Verdrängung. Ich redete mir ein, dass die Geburt schon nicht so schlimm gewesen sei. Selbst eine Hebamme hatte mich schließlich als “Starke Frau” bezeichnet. Da ich die Zeit mit meiner Tochter unglaublich anstrengend empfand konzentrierte ich mich nur noch darauf. Meine eigenen Bedürfnisse wie Essen, Schlaf, Duschen, Entspannung usw. stellte ich hinten an. Und genau das brach irgendwann zusammen. Jeden Tag, wenn ich im Wohnzimmer mit Emily in der Tragetasche meine Kreise zog, blickte ich auf die Uhr und zählte die Minuten bis mein Mann nach Hause kommen würde und ich mich endlich hinsetzen konnte. Ich weiß nicht genau wann ich das erste Mal einen Wutanfall bekam. Jedenfalls wollte ich etwas erledigen und hatte Emily für 5 Minuten neben mir auf dem Sofa abgelegt und sie fing natürlich an zu brüllen. Ich rastete einfach aus und brüllte zurück bis ich nur noch weinend da saß. Von da an passierte mir das regelmäßig, ich hatte mich einfach nicht mehr unter Kontrolle. Ich war mit den Nerven am Ende und völlig überlastet. Ab und zu traute ich mich meine Mutter anzurufen und zum Glück kam sie dann für ein bis zwei Tage und half aus. Letztendlich ging es aber immer nur darum wie ich meine Tochter zufriedenstellen konnte; nicht mich. Sie akzeptierte keine abgepumpte Milch und damit war ich so sehr an zu Hause gebunden, dass ich nur mit ihr etwas unternehmen konnte, aber nie alleine. Draußen war sie schnell überreizt und meistens war ich die Mutter, die in irgendeiner Ecke mit der Tragetasche herumhüpfte, aber wirklich zum reden oder gemeinsam unternehmen bin ich selten gekommen. Ich vereinsamte sehr schnell und fing irgendwann an im Internet Blogs zu lesen und alles was ich zum Schlafen und Stillen von Babys in die Finger bekam. An sich habe ich einige wertvolle Informationen herausgefunden, aber letztendlich habe ich mich nie mit mir beschäftigt; dafür mit allem anderen, vorrangig mit Emily. Nach etwa einem halben Jahr erzählten mir die anderen Mütter aus meiner Gruppe, dass sie sich gar nicht mehr wirklich an die Geburtsschmerzen erinnern könnten. Ich wunderte mich darüber, weil ich alles haargenau nachempfinden konnte. Nach einem Jahr hatte sich das bei mir nicht geändert. Im Gegenteil; ich bekam Nervenzusammenbrüche und manchmal wünschte ich mir mein Kind wäre tot oder ich wäre tot. Das klingt schrecklich, ich weiß, aber in diesen Momenten war ich so am Ende, dass ich in meinem Kopf keine Lösungen mehr fand. Immer häufiger lag ich abends wach – obwohl ich den Schlaf dringend gebraucht hätte und die Erinnerungen an die Schmerzen bei der Geburt übermannten mich regelrecht. Teilweise weinte ich tagelang und hatte Alpträume. Nach 1 1/2 Jahren stand ich regelmäßig vor meinem Mann und war völlig verzweifelt. “Ich sehe keinen Sinn mehr in diesem Leben; ich habe keinen Bock mehr, ich will und kann nicht mehr!” So ungefähr waren meine Aussagen und ich begriff, dass ich mitten in den schlimmsten Depressionen steckte. Zum Glück bin ich ein Mensch der bei sowas irgendwann die Not erkennt und den Hebel zieht. So konnte und wollte ich nicht weitermachen! In meinem Umfeld bekamen das hauptsächlich nur mein Mann und sicher auch meine Tochter mit. Vor den anderen verschwieg ich das und zog mich sehr zurück oder wenn ich mal unterwegs war setzte ich ein Lächeln auf und behauptete krampfhaft es ginge schon irgendwie… Zum Glück hatte ich bereits einen Therapeuten, den ich erneut aufsuchen konnte und das nahm ich in Anspruch, auch wenn ich mich dafür erst überwinden musste. Immer noch versuchte ich mir einzureden, dass ich es nicht vielleicht doch alleine hinkriegen würde, weil es ja doch nicht so schlimm sei?! Darüber reden tat mir sehr gut und auch diesen Schmerz endlich mal zu verarbeiten. Über ein Jahr hatte ich nicht akzeptieren wollen was die Geburt mit mir angerichtet hat und die Verdrängung hat mir ein Trauma beschert. Richtig gelesen – Diagnose Trauma! Das hing erst mal wie ein riesiger Batzen über mir und ich wusste gar nichts damit anzufangen. Die Idee meines Therapeuten war eine Mutter-Kind-Kur oder auch ein spezieller Trauma-Therapeut. Ersteres wollte ich nicht in Anspruch nehmen, da ich las, dass bei einer Kur die Mütter von den Kindern getrennt werden. Das wollte ich nicht! Emily in einer Fremdbetreuung? Sie hat sich schon so unheimlich schwer getan, als ich anfing sie bei der Tagesmutter einzugewöhnen. Den Trauma-Therapeut behielt ich im Hinterkopf, aber erst wollte ich sehen wie weit ich durch reden kommen würde. Ich fing bewusst an hinzusehen, meine Geburt zu akzeptieren wie sie war und was mein Hauptproblem bei der Geburt war. Wo saß der eigentliche Schmerz? Ich erlaubte mir zu trauern und ich fand heraus, dass ich meine Tochter nach dem Kaiserschnitt einfach bei mir haben wollte. Diese 3 oder 4 Stunden, die ich von ihr getrennt wurde waren sehr schmerzhaft für mich. Es hat einige Monate gedauert bis ich zu dieser Erkenntnis kam, aber als ich sie hatte konnte ich sie endlich loslassen. Mittlerweile weiß ich zwar noch, dass ich schreckliche Schmerzen hatte, aber sie sind nicht mehr präsent. Ich muss zudem schreiben, dass eine Ärztin Gewalt an mir ausgeübt hat. Sie hat mich in die Einleitung reingeredet, hat mir bei den Muttermund-Untersuchungen mit den Fingern wehgetan und bei der Geburt hat sie mir die Entscheidung abgenommen mitzuhelfen. Sie hat mir ihren Arm in den Bauch gerammt und mir unvorstellbare Schmerzen zugefügt. Ich wollte das nicht! Im Nachhinein kann ich das ganz genau sagen, aber damals hat sie sich über mich hinweggesetzt. Ich weiß, dass ich kein Einzelfall bin. Vielen Frauen wird während und nach der Geburt Gewalt angetan und wenn sie sich beschweren, müssen sie sich zudem Sprüche anhören wie “Stellen Sie sich nicht so an! Hauptsache es geht dem Kind gut!”. Warum ist immer nur das Kind wichtig? Warum nicht auch wir Mütter? Wir müssen unsere Bedürfnisse nicht zurückstellen und alles über uns ergehen lassen! Wie viele von uns haben ein Trauma, weil sie ihre Erlebnisse verdrängen? Wie viele haben Depressionen und verstecken das vor anderen Menschen? Ich habe die Wende zum Glück geschafft! Letztes Jahr habe ich einen riesigen Schritt in Richtung Heilung unternommen, was ich ohne meinen Therapeuten und meinen Mann nie geschafft hätte. Ich weiß mittlerweile rechtzeitig wann ich Ruhe und eine Rückzugsmöglichkeit brauche, ich hole mir Unterstützung und Hilfe und ich achte viel mehr auf meine Bedürfnisse. Lange habe ich gebraucht, aber meine Wertschätzung für mich ist wieder da! Liebe Grüße Deine Julia Amelie

Der Beitrag Von der Geburt zur Depression erschien zuerst auf Mama hat AuDHS.

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Ich hatte bereits von meiner schlimmen Geburt erzählt und hier geht die Geschichte nun weiter. Die ersten beiden Jahre mit meiner Tochter – kurz angeschnitten; ich lege den Fokus auf mich und wie es mir dabei erging.

Auf dem Bild ist meine Tochter Emily etwa einen halben Tag alt und ich durfte sie das erste Mal stillen. Ich hatte ein wenig Angst, dass sie nicht gestillt werden möchte, aber ihre erste Flaschenmahlzeit war zum Glück kein Hindernis. Das Foto hat meine Mutter mit dem Smartphone aufgenommen, die diesen Moment total süß fand – ich war einfach noch voller Glückshormone.

Diese lassen allerdings nach etwa 2-4 Tagen nach. Bereits am 2. Tag brüllte meine Tochter gefühlt stundenlang und egal was wir taten (stillen, tragen, wickeln) – sie ließ sich nicht beruhigen. Nach etwa 2 Stunden kam endlich eine Krankenschwester ins Zimmer und half uns; wir waren bereits total aufgelöst. Sie zeigte uns den Fliegergriff und dieser Tipp war Gold wert. Anscheinend hatte Emily sehr oft Probleme bei der Verdauung und nur so konnte sie entspannen. Das Schreien wurde mit den Wochen immer mehr und somit haben wir sie fast nur noch getragen. In der Tragetasche, im Fliegergriff und später hat sie fast ausschließlich auf dem Bauch auf uns drauf geschlafen. Teilweise durften wir uns nicht mal hinsetzen sonst wachte sie sofort auf und beschwerte sich. Es war eine unglaublich anstrengende Zeit für uns, die sich bis zum 2. Lebensjahr zog.

Direkt nach der Geburt erzählte ich natürlich meiner Familie von meinen schlimmen Erlebnissen, aber irgendwie wurde das Thema immer so umgelenkt, dass ja alles gut ausgegangen sei. Emily sei gesund und ich sei ja auch fast wieder fit. Jetzt müssten wir eben schauen, dass wir alles für das Baby tun, nur mein Mann darf natürlich nicht die Arbeit vernachlässigen. Viele Mütter reagierten schockiert, aber sie hatten auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen. In dieser Zeit fiel ich also in eine Art Verdrängung. Ich redete mir ein, dass die Geburt schon nicht so schlimm gewesen sei. Selbst eine Hebamme hatte mich schließlich als “Starke Frau” bezeichnet. Da ich die Zeit mit meiner Tochter unglaublich anstrengend empfand konzentrierte ich mich nur noch darauf. Meine eigenen Bedürfnisse wie Essen, Schlaf, Duschen, Entspannung usw. stellte ich hinten an. Und genau das brach irgendwann zusammen. Jeden Tag, wenn ich im Wohnzimmer mit Emily in der Tragetasche meine Kreise zog, blickte ich auf die Uhr und zählte die Minuten bis mein Mann nach Hause kommen würde und ich mich endlich hinsetzen konnte. Ich weiß nicht genau wann ich das erste Mal einen Wutanfall bekam. Jedenfalls wollte ich etwas erledigen und hatte Emily für 5 Minuten neben mir auf dem Sofa abgelegt und sie fing natürlich an zu brüllen. Ich rastete einfach aus und brüllte zurück bis ich nur noch weinend da saß. Von da an passierte mir das regelmäßig, ich hatte mich einfach nicht mehr unter Kontrolle. Ich war mit den Nerven am Ende und völlig überlastet. Ab und zu traute ich mich meine Mutter anzurufen und zum Glück kam sie dann für ein bis zwei Tage und half aus. Letztendlich ging es aber immer nur darum wie ich meine Tochter zufriedenstellen konnte; nicht mich. Sie akzeptierte keine abgepumpte Milch und damit war ich so sehr an zu Hause gebunden, dass ich nur mit ihr etwas unternehmen konnte, aber nie alleine. Draußen war sie schnell überreizt und meistens war ich die Mutter, die in irgendeiner Ecke mit der Tragetasche herumhüpfte, aber wirklich zum reden oder gemeinsam unternehmen bin ich selten gekommen. Ich vereinsamte sehr schnell und fing irgendwann an im Internet Blogs zu lesen und alles was ich zum Schlafen und Stillen von Babys in die Finger bekam. An sich habe ich einige wertvolle Informationen herausgefunden, aber letztendlich habe ich mich nie mit mir beschäftigt; dafür mit allem anderen, vorrangig mit Emily. Nach etwa einem halben Jahr erzählten mir die anderen Mütter aus meiner Gruppe, dass sie sich gar nicht mehr wirklich an die Geburtsschmerzen erinnern könnten. Ich wunderte mich darüber, weil ich alles haargenau nachempfinden konnte. Nach einem Jahr hatte sich das bei mir nicht geändert. Im Gegenteil; ich bekam Nervenzusammenbrüche und manchmal wünschte ich mir mein Kind wäre tot oder ich wäre tot. Das klingt schrecklich, ich weiß, aber in diesen Momenten war ich so am Ende, dass ich in meinem Kopf keine Lösungen mehr fand. Immer häufiger lag ich abends wach – obwohl ich den Schlaf dringend gebraucht hätte und die Erinnerungen an die Schmerzen bei der Geburt übermannten mich regelrecht. Teilweise weinte ich tagelang und hatte Alpträume. Nach 1 1/2 Jahren stand ich regelmäßig vor meinem Mann und war völlig verzweifelt. “Ich sehe keinen Sinn mehr in diesem Leben; ich habe keinen Bock mehr, ich will und kann nicht mehr!” So ungefähr waren meine Aussagen und ich begriff, dass ich mitten in den schlimmsten Depressionen steckte. Zum Glück bin ich ein Mensch der bei sowas irgendwann die Not erkennt und den Hebel zieht. So konnte und wollte ich nicht weitermachen! In meinem Umfeld bekamen das hauptsächlich nur mein Mann und sicher auch meine Tochter mit. Vor den anderen verschwieg ich das und zog mich sehr zurück oder wenn ich mal unterwegs war setzte ich ein Lächeln auf und behauptete krampfhaft es ginge schon irgendwie…

Zum Glück hatte ich bereits einen Therapeuten, den ich erneut aufsuchen konnte und das nahm ich in Anspruch, auch wenn ich mich dafür erst überwinden musste. Immer noch versuchte ich mir einzureden, dass ich es nicht vielleicht doch alleine hinkriegen würde, weil es ja doch nicht so schlimm sei?! Darüber reden tat mir sehr gut und auch diesen Schmerz endlich mal zu verarbeiten. Über ein Jahr hatte ich nicht akzeptieren wollen was die Geburt mit mir angerichtet hat und die Verdrängung hat mir ein Trauma beschert. Richtig gelesen – Diagnose Trauma! Das hing erst mal wie ein riesiger Batzen über mir und ich wusste gar nichts damit anzufangen. Die Idee meines Therapeuten war eine Mutter-Kind-Kur oder auch ein spezieller Trauma-Therapeut. Ersteres wollte ich nicht in Anspruch nehmen, da ich las, dass bei einer Kur die Mütter von den Kindern getrennt werden. Das wollte ich nicht! Emily in einer Fremdbetreuung? Sie hat sich schon so unheimlich schwer getan, als ich anfing sie bei der Tagesmutter einzugewöhnen. Den Trauma-Therapeut behielt ich im Hinterkopf, aber erst wollte ich sehen wie weit ich durch reden kommen würde. Ich fing bewusst an hinzusehen, meine Geburt zu akzeptieren wie sie war und was mein Hauptproblem bei der Geburt war. Wo saß der eigentliche Schmerz? Ich erlaubte mir zu trauern und ich fand heraus, dass ich meine Tochter nach dem Kaiserschnitt einfach bei mir haben wollte. Diese 3 oder 4 Stunden, die ich von ihr getrennt wurde waren sehr schmerzhaft für mich. Es hat einige Monate gedauert bis ich zu dieser Erkenntnis kam, aber als ich sie hatte konnte ich sie endlich loslassen.

Mittlerweile weiß ich zwar noch, dass ich schreckliche Schmerzen hatte, aber sie sind nicht mehr präsent. Ich muss zudem schreiben, dass eine Ärztin Gewalt an mir ausgeübt hat. Sie hat mich in die Einleitung reingeredet, hat mir bei den Muttermund-Untersuchungen mit den Fingern wehgetan und bei der Geburt hat sie mir die Entscheidung abgenommen mitzuhelfen. Sie hat mir ihren Arm in den Bauch gerammt und mir unvorstellbare Schmerzen zugefügt. Ich wollte das nicht! Im Nachhinein kann ich das ganz genau sagen, aber damals hat sie sich über mich hinweggesetzt. Ich weiß, dass ich kein Einzelfall bin. Vielen Frauen wird während und nach der Geburt Gewalt angetan und wenn sie sich beschweren, müssen sie sich zudem Sprüche anhören wie “Stellen Sie sich nicht so an! Hauptsache es geht dem Kind gut!”.

Warum ist immer nur das Kind wichtig? Warum nicht auch wir Mütter? Wir müssen unsere Bedürfnisse nicht zurückstellen und alles über uns ergehen lassen! Wie viele von uns haben ein Trauma, weil sie ihre Erlebnisse verdrängen? Wie viele haben Depressionen und verstecken das vor anderen Menschen?

Ich habe die Wende zum Glück geschafft! Letztes Jahr habe ich einen riesigen Schritt in Richtung Heilung unternommen, was ich ohne meinen Therapeuten und meinen Mann nie geschafft hätte. Ich weiß mittlerweile rechtzeitig wann ich Ruhe und eine Rückzugsmöglichkeit brauche, ich hole mir Unterstützung und Hilfe und ich achte viel mehr auf meine Bedürfnisse. Lange habe ich gebraucht, aber meine Wertschätzung für mich ist wieder da!

Liebe Grüße
Deine Julia Amelie

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Meine Traumgeburt, die zum Alptraum wurde https://postnatalewelt.de/blog/2018/09/18/meine-traumgeburt-die-zum-alptraum-wurde/ https://postnatalewelt.de/blog/2018/09/18/meine-traumgeburt-die-zum-alptraum-wurde/#comments Tue, 18 Sep 2018 16:32:31 +0000 https://grossekleinefuesse.wordpress.com/?p=107 Triggerwarnung: Ich schreibe nachfolgend über meine ganz persönlichen und schmerzhaften Erfahrungen, die ein Trauma und schwere Depressionen in mir ausgelöst haben. Wenn du selbst schlimme Erfahrungen hattest und mit diesen noch nicht so gut klar kommst – lies bitte nicht weiter! Vorab kann ich sagen, dass ich mich immer noch in einem Prozess befinde. Ich weine bei jedem Satz den ich jetzt schreiben werde, aber das ist gut so. Ich kann den Schmerz jetzt annehmen und die Tränen als Befreiung annehmen. Ich will und muss über die Erlebnisse schreiben, denn schreiben hat mir schon immer geholfen. Einmal niedergeschrieben muss ich die Erlebnisse nicht ständig in meinem Geist wiederholen. Auch wenn sie nie in Vergessenheit geraten werden sind sie nicht permanent präsent und schmuggeln sich in meinen Alltag. Alles begann fast genau vor drei Jahren. Ich wurde ungewollt schwanger und war am Boden zerstört. Im ersten Moment konnte ich die Situation nicht fassen und nicht annehmen; ich dachte nur daran wie ein Baby meine Zukunft kaputt macht. Und das schlimmste: Wie sage ich es meinem damals noch Freund und meiner Familie. In meinen Gedanken hörte ich sie alle schimpfen und mich verurteilen. Es kam ganz anders und es gab auch nur einen Menschen, der sich nicht freute. Kurz nach dem Ergebnis des Schwangerschaftstests stand ich unter der Dusche und legte die Hände auf meinen Bauch – mir wurde plötzlich bewusst, dass da ein kleines Wesen beginnt zu leben. In mir! Bei meiner wunderbaren Frauenärztin sah ich den Herzschlag und ich war kurz vor den Tränen. Ich wollte das kleine Knöpfchen um jeden Preis behalten! Meine Schwangerschaft war nicht ganz so schön. Die ersten Wochen war mir von morgens bis abends übel, inklusive übergeben wenn ich nicht rechtzeitig nach dem aufstehen einen Kräcker aß. Dann kamen fiese Migräneschübe und ständige Müdigkeit. Teilweise schlief ich nachts 12 Stunden und mittags nochmal 1-2 Stunden. Beim Arzt wurde festgestellt, dass ich Gestationsdiabetes hatte und ich musste vier Mal am Tag meine Finger zerstechen um den Blutzuckerwert zu messen. Der Wert war eigentlich nur morgens zu hoch und das konnte ich regeln, indem ich auf Zucker zum Frühstück verzichtete. Das war hart, mir schmeckt kein herzhaftes Essen morgens, aber ich habe es überlebt. Zum Ende der Schwangerschaft wurde mein Bauch riesig, also wirklich gigantisch. Meine Frauenärztin meinte nur ich hätte eben viel Fruchtwasser und meine kleine Tochter hätte schon lange Beine – kein kleines Baby. Vier Tage war ich über dem errechneten Termin und musste zur regelmäßigen Untersuchung in’s Krankenhaus, da meine Ärztin leider nicht da war. Dort bekam ich einen gefühlt halbstündigen Vortrag wie gefährlich es sei noch keine Einleitung bekommen zu haben, das Baby würde viel zu groß werden wegen des Diabetes und es käme zu Komplikationen bei der Geburt. Ich solle sofort entscheiden, ob ich jetzt im Krankenhaus bleiben würde, spätestens am nächsten Tag, ansonsten müsste ich schriftlich Widerspruch einlegen usw. usf… Natürlich wuchs meine Panik und ich wollte meine Tochter endlich zur Welt bringen. Also lieferte ich mich am selben Tag (ein Freitag) ein und ließ die Einleitung zu. Die Schmerzen waren schlimm und anstrengend, ich konnte nur mit Schlaftabletten schlafen. Den Samstag über verbrachte ich mit Schmerzen, aber es tat sich nichts am Muttermund. Mein Mann konnte ab dieser Nacht zum Glück bei mir Zimmer schlafen. Am nächsten Morgen (Sonntag) begannen gegen 7 Uhr die Wehen in ungefähr 15 Minuten Abstand und ich hatte gar keine Einleitung bekommen. Endlich ein gutes Zeichen! Trotzdem bekam ich morgens die Einleitungstablette auf den Muttermund. Den Eingriff empfand ich jedes Mal als sehr schmerzhaft. Die Wehen wurden tatsächlich stärker und traten in kürzeren Abständen ein. Der Muttermund öffnete sich ein klein wenig, aber nicht viel. Mittags bekam ich statt einer Tablette nur noch Gel draufgestrichen und ich durfte ein wenig in der Badewanne entspannen. Unzählige Male kam ich gefühlt an’s CTG und wurde untersucht. Es ging nur müßig voran. Ich atmete jede Wehe so gut ich konnte weg und dachte dabei immer nur daran, dass meine Tochter bald da ist, dass die Geburt bald richtig los geht. Im Kreissaal hatte ich eine tolle Hebamme, die ich bereits aus dem Geburtsvorbereitungskurs kannte. Ich begann auf dem Peziball rumzuhängen, natürlich mit dem Tuch, das von der Decke hing. Trotzdem tat sich am Muttermund kaum etwas. Kurze Zeit später wurde mir plötzlich schlecht und ich übergab mich zum ersten Mal in den Mülleimer. Die Schmerzen durch die Wehen wurden schlimmer. Bei der nächsten Untersuchung auf dem Kreisbett platzte die Fruchtblase und ein ganzer See breitete sich aus. Mein Mann saß verdutzt mittendrin und musste erst mal auf Station zurück und sich eine neue Hose anziehen. Ich war voller Hoffnung, dass es jetzt endlich losgehen würde mit der Geburt. Mittlerweile hatten wir späten Abend. Der Muttermund war wohl etwa zur Hälfte offen, immer noch nicht genug. Meine Hebamme schlug mir homöopathische Schmerzmittel vor und ich nahm sie dankbar an. Sie machten die Wehen tatsächlich erträglicher. Ich weiß nicht mehr genau wann ich anfing zu zittern, aber es müsste in dem Zeitraum gewesen sein. Mein Körper war bereits ausgelaugt von der Einleitung, der fehlenden Nahrung und den ständigen Muskelkontraktionen. Wieder musste ich mich übergeben. Ich konnte meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle bringen und das zittern nervte mich sehr. Schließlich half das Schmerzmittel nicht mehr und ich bekam eine PDA. Es dauerte etwas bis der Arzt mit Assistentin kam, ich die Formulare unterschrieben hatte und die Nadel in den Rücken bekam. Er bat mich kurz vor dem stechen darum mit dem zittern aufzuhören. Ich weiß im nachhinein nicht mehr wie ich dazu fähig war, aber für eine halbe Minute oder so gewann ich die Kontrolle zurück und dann waren die Schmerzen weg. Mittlerweile waren wir schon in den frühen Morgenstunden und ich konnte tatsächlich neben meinem Mann ein wenig dösen, der trotz zwei Kannen Kaffee schlief. Ich bin so unendlich dankbar, dass er fast die gesamte Zeit an meiner Seite war. Meine Hebamme hatte Schichtwechsel und musste vor der Tür die Ablöse einweisen. Gefühlt dauerte es Stunden und die Schmerzen kehrten zurück. Schlimmer denn je und kurze Zeit später hatte ich nicht mehr nur Wehen sondern es gab einfach nur einen Wechsel zwischen Schmerz und noch schlimmerem Schmerz. Ich zerquetschte die Hand meines Mannes und ich hörte nicht mehr auf die Wehen durchzuatmen. Durch die Nase einatmen. Durch den Mund nicht zu schnell wieder ausatmen. Zittern, atmen, stöhnen – dann fing ich an zu schreien. Mir kam nicht mal mehr in den Sinn nach der Hebamme zu rufen oder einen Knopf zu drücken. Ich glaube eine halbe Stunde ging es so bis sich der Raum plötzlich mit Menschen füllte. Anästhesist und Assistentin, Oberarzt und Ärztin, zwei Hebammen, dazwischen irgendwo mein Mann. Die Hebamme untersuchte den Muttermund, er war komplett offen und ich sollte versuchen zu pressen. Es tat unglaublich weh und ich presste meine Zähne zusammen. Nichts passierte. Nur zittern und Schmerzen. Die Ärztin brachte ein Ultraschallgerät herein und sah das Problem. Meine Tochter (Sternenguckerin) arbeitete gegen mich. Sie hatte sich so weit ausgestreckt wie möglich und sperrte sich gegen die Geburt. Das Fruchtwasser war zum Teil bereits grün. Der Arzt stellte mich vor drei Optionen: Weitermachen und auf eine normale Geburt hoffen, die Ärzte nachhelfen lassen oder ein Kaiserschnitt. Ich war schon völlig fertig und hätte vor lauter Schmerzen zu allem Ja und Amen gesagt, aber da kam bereits die nächste heftige Wehe und ich versuchte unter Anleitung zu pressen. Die Ärztin warf sich plötzlich mit ihrem Arm auf meinen Bauch und drückte mit. Es war übrigens immer die gleiche von Anfang an. Ich glaube in dem Moment habe ich nur noch gebrüllt. Genau weiß ich nicht mehr wie oft ich dann noch versucht habe die Geburt in Gang zu kriegen, aber der Arzt blickte auf die Uhr und fragte ob ich einen Kaiserschnitt möchte. Ich stimmte direkt zu. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nur noch schmerzfrei sein und ich hatte riesige Angst um meine Tochter. Dann ging alles recht schnell, mir nicht schnell genug. Ich unterschrieb die Einwilligung für den Kaiserschnitt und die Hebamme versuchte mir aus dem Kreisbett auf das Transportbett zum OP-Raum zu helfen. Ein weiteres Mal musste ich mich übergeben und schließlich rüberhieven lassen, da mich meine Beine nicht mehr hielten. Im OP-Saal waren gefühlt 20 Menschen die hektisch um mich herumwuselten und der Anästhesist verstärkte die PDA. Mit einem Kühlakku prüfte er regelmäßig wie viel ich noch fühlte. Mir ging es viel zu langsam. Trotzdem erinnere ich mich an die unglaubliche Erleichterung, als die Betäubung endlich meinen Bauch erreichte und die Schmerzen weg waren. Das zittern stellte sich leider nicht ein. Kurze Zeit später durfte mein Mann zu mir und ich hörte und spürte wie die Ärztin meinem Bauch herumzerrte. Sie sagte sowas in der Art: “Reißen wir hier auf?” Daher meinte ich nur schnell: “Kannst du mich ablenken?” Mein Mann nur: “Öh, ähm… Deutschland hat gegen Ukraine zwei zu null gewonnen!” Ich war völlig perplex, jedenfalls hat die Aussage gut gewirkt. 2016 fand gerade die EM statt und das war das erste Deutschland-Spiel. Er hatte den Artikel im Caféraum gesehen. Kurze Zeit später brüllte meine kleine Tochter und ich war nur noch glücklich. Ich wollte wissen ob sie gesund ist. Während ich wartete beglückwünschten mich die Umstehenden. Ich weiß nicht genau wer da alles war, aber sie waren sehr nett. Dann kam mein Mann und legte mir meine schreiende Tochter auf die Brust. Ich war so verkabelt an den Händen, dass ich sie nur mit einer stützen konnte. Leider sah ich durch den Mundschutz nur ihr Gesicht und eine kleine Hand. Sie hatte dunkle Haare und noch ein wenig Blut im Gesicht, ihre Finger gingen auf und zu. Dabei brüllte sie mich an. Ich weiß nicht mehr was ich zu ihr gesagt habe, aber ich habe fast geweint. Es war übrigens Montagmorgen – meine Tochter wurde um 7:34 Uhr zur Welt gebracht. Dann wurde sie mir wieder weggenommen und nachdem ich zusammengeflickt war kam ich in den Aufwachraum. Mir war kalt und ich zitterte und ich war irgendwie glücklich, aber ich wollte nur noch zu meiner Tochter. Um mich herum wurden ständig Leute reingeschoben, andere wieder hinaus. Nach drei Stunden schoben sie mich endlich zurück auf Station und ich konnte mich an meinem Baby nicht satt sehen. Das zittern hörte auf und als ich meine Füße wieder bewegen konnte durfte ich auch endlich etwas trinken. Ich durfte meine Kleine sogar stillen als sie Hunger bekam und es klappte auf Anhieb. Die Schmerzen des Kaiserschnitts waren nachher nichts im Gegensatz zu den Schmerzen der Wehen. Ich war sehr froh, als ich wieder nach Hause durfte, aber es störte mich sehr, dass ich mich anfangs kaum um meine Tochter kümmern konnte. Durch den Kaiserschnitt konnte ich sie nicht wickeln oder umziehen, sie nicht tragen. Zum Glück funktionierte das stillen, auch wenn meine Brustwarzen schon nach kürzester Zeit total wund waren. Meine Geburtsgeschichte erzählte ich natürlich meiner Familie, aber ich bekam meist die gleiche Reaktion. Sie guckten mitleidig, wussten nicht was sie dazu sagen sollen und meinten schlussendlich: “Hauptsache die Kleine ist gesund!” Meine Mama nahm mich zwar in den Arm und war auch eine riesige Hilfe in den ersten Monaten, aber ich fühlte mich mit meinem Schmerz alleingelassen. Da meine Tochter sich zu einem Schreibaby entwickelte und mein Mann und ich im ersten Jahr kaum Schlaf bekamen, hatte ich keine Zeit um das Erlebnis zu verarbeiten. Es holte mich nach und nach immer mehr ein. Wutausbrüche, weinen, Suizidvorstellungen, völliges aufgeben. Ich befand mich in einem Loch und fand nicht mehr alleine hinaus. Es kam mir immer so vor, als hätten die anderen zwar auch nicht unbedingt schöne Geburten gehabt, aber keine war so schlimm wie meine. Sie schrieben darüber wie sie die Schmerzen bereits vergessen hatten und ich saß da und konnte jeden Moment der Tortur nachfühlen. Dann machte meine gute Freundin mich auf eine Gruppe aufmerksam, die offen und ehrlich in Facebook über Unerzogen schrieb. Ich fing eine Therapie an und lernte gleichzeitig, dass ich nicht alleine bin. So viele Frauen, die traumatische...

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Triggerwarnung:

Ich schreibe nachfolgend über meine ganz persönlichen und schmerzhaften Erfahrungen, die ein Trauma und schwere Depressionen in mir ausgelöst haben. Wenn du selbst schlimme Erfahrungen hattest und mit diesen noch nicht so gut klar kommst – lies bitte nicht weiter!

Vorab kann ich sagen, dass ich mich immer noch in einem Prozess befinde. Ich weine bei jedem Satz den ich jetzt schreiben werde, aber das ist gut so. Ich kann den Schmerz jetzt annehmen und die Tränen als Befreiung annehmen. Ich will und muss über die Erlebnisse schreiben, denn schreiben hat mir schon immer geholfen. Einmal niedergeschrieben muss ich die Erlebnisse nicht ständig in meinem Geist wiederholen. Auch wenn sie nie in Vergessenheit geraten werden sind sie nicht permanent präsent und schmuggeln sich in meinen Alltag.

Alles begann fast genau vor drei Jahren. Ich wurde ungewollt schwanger und war am Boden zerstört. Im ersten Moment konnte ich die Situation nicht fassen und nicht annehmen; ich dachte nur daran wie ein Baby meine Zukunft kaputt macht. Und das schlimmste: Wie sage ich es meinem damals noch Freund und meiner Familie. In meinen Gedanken hörte ich sie alle schimpfen und mich verurteilen. Es kam ganz anders und es gab auch nur einen Menschen, der sich nicht freute. Kurz nach dem Ergebnis des Schwangerschaftstests stand ich unter der Dusche und legte die Hände auf meinen Bauch – mir wurde plötzlich bewusst, dass da ein kleines Wesen beginnt zu leben. In mir! Bei meiner wunderbaren Frauenärztin sah ich den Herzschlag und ich war kurz vor den Tränen. Ich wollte das kleine Knöpfchen um jeden Preis behalten!

Meine Schwangerschaft war nicht ganz so schön. Die ersten Wochen war mir von morgens bis abends übel, inklusive übergeben wenn ich nicht rechtzeitig nach dem aufstehen einen Kräcker aß. Dann kamen fiese Migräneschübe und ständige Müdigkeit. Teilweise schlief ich nachts 12 Stunden und mittags nochmal 1-2 Stunden. Beim Arzt wurde festgestellt, dass ich Gestationsdiabetes hatte und ich musste vier Mal am Tag meine Finger zerstechen um den Blutzuckerwert zu messen. Der Wert war eigentlich nur morgens zu hoch und das konnte ich regeln, indem ich auf Zucker zum Frühstück verzichtete. Das war hart, mir schmeckt kein herzhaftes Essen morgens, aber ich habe es überlebt. Zum Ende der Schwangerschaft wurde mein Bauch riesig, also wirklich gigantisch. Meine Frauenärztin meinte nur ich hätte eben viel Fruchtwasser und meine kleine Tochter hätte schon lange Beine – kein kleines Baby. Vier Tage war ich über dem errechneten Termin und musste zur regelmäßigen Untersuchung in’s Krankenhaus, da meine Ärztin leider nicht da war. Dort bekam ich einen gefühlt halbstündigen Vortrag wie gefährlich es sei noch keine Einleitung bekommen zu haben, das Baby würde viel zu groß werden wegen des Diabetes und es käme zu Komplikationen bei der Geburt. Ich solle sofort entscheiden, ob ich jetzt im Krankenhaus bleiben würde, spätestens am nächsten Tag, ansonsten müsste ich schriftlich Widerspruch einlegen usw. usf… Natürlich wuchs meine Panik und ich wollte meine Tochter endlich zur Welt bringen.

Also lieferte ich mich am selben Tag (ein Freitag) ein und ließ die Einleitung zu. Die Schmerzen waren schlimm und anstrengend, ich konnte nur mit Schlaftabletten schlafen. Den Samstag über verbrachte ich mit Schmerzen, aber es tat sich nichts am Muttermund. Mein Mann konnte ab dieser Nacht zum Glück bei mir Zimmer schlafen. Am nächsten Morgen (Sonntag) begannen gegen 7 Uhr die Wehen in ungefähr 15 Minuten Abstand und ich hatte gar keine Einleitung bekommen. Endlich ein gutes Zeichen! Trotzdem bekam ich morgens die Einleitungstablette auf den Muttermund. Den Eingriff empfand ich jedes Mal als sehr schmerzhaft. Die Wehen wurden tatsächlich stärker und traten in kürzeren Abständen ein. Der Muttermund öffnete sich ein klein wenig, aber nicht viel. Mittags bekam ich statt einer Tablette nur noch Gel draufgestrichen und ich durfte ein wenig in der Badewanne entspannen. Unzählige Male kam ich gefühlt an’s CTG und wurde untersucht. Es ging nur müßig voran. Ich atmete jede Wehe so gut ich konnte weg und dachte dabei immer nur daran, dass meine Tochter bald da ist, dass die Geburt bald richtig los geht. Im Kreissaal hatte ich eine tolle Hebamme, die ich bereits aus dem Geburtsvorbereitungskurs kannte. Ich begann auf dem Peziball rumzuhängen, natürlich mit dem Tuch, das von der Decke hing. Trotzdem tat sich am Muttermund kaum etwas. Kurze Zeit später wurde mir plötzlich schlecht und ich übergab mich zum ersten Mal in den Mülleimer. Die Schmerzen durch die Wehen wurden schlimmer. Bei der nächsten Untersuchung auf dem Kreisbett platzte die Fruchtblase und ein ganzer See breitete sich aus. Mein Mann saß verdutzt mittendrin und musste erst mal auf Station zurück und sich eine neue Hose anziehen. Ich war voller Hoffnung, dass es jetzt endlich losgehen würde mit der Geburt. Mittlerweile hatten wir späten Abend. Der Muttermund war wohl etwa zur Hälfte offen, immer noch nicht genug. Meine Hebamme schlug mir homöopathische Schmerzmittel vor und ich nahm sie dankbar an. Sie machten die Wehen tatsächlich erträglicher. Ich weiß nicht mehr genau wann ich anfing zu zittern, aber es müsste in dem Zeitraum gewesen sein. Mein Körper war bereits ausgelaugt von der Einleitung, der fehlenden Nahrung und den ständigen Muskelkontraktionen. Wieder musste ich mich übergeben. Ich konnte meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle bringen und das zittern nervte mich sehr. Schließlich half das Schmerzmittel nicht mehr und ich bekam eine PDA. Es dauerte etwas bis der Arzt mit Assistentin kam, ich die Formulare unterschrieben hatte und die Nadel in den Rücken bekam. Er bat mich kurz vor dem stechen darum mit dem zittern aufzuhören. Ich weiß im nachhinein nicht mehr wie ich dazu fähig war, aber für eine halbe Minute oder so gewann ich die Kontrolle zurück und dann waren die Schmerzen weg. Mittlerweile waren wir schon in den frühen Morgenstunden und ich konnte tatsächlich neben meinem Mann ein wenig dösen, der trotz zwei Kannen Kaffee schlief. Ich bin so unendlich dankbar, dass er fast die gesamte Zeit an meiner Seite war. Meine Hebamme hatte Schichtwechsel und musste vor der Tür die Ablöse einweisen. Gefühlt dauerte es Stunden und die Schmerzen kehrten zurück. Schlimmer denn je und kurze Zeit später hatte ich nicht mehr nur Wehen sondern es gab einfach nur einen Wechsel zwischen Schmerz und noch schlimmerem Schmerz. Ich zerquetschte die Hand meines Mannes und ich hörte nicht mehr auf die Wehen durchzuatmen. Durch die Nase einatmen. Durch den Mund nicht zu schnell wieder ausatmen. Zittern, atmen, stöhnen – dann fing ich an zu schreien. Mir kam nicht mal mehr in den Sinn nach der Hebamme zu rufen oder einen Knopf zu drücken. Ich glaube eine halbe Stunde ging es so bis sich der Raum plötzlich mit Menschen füllte. Anästhesist und Assistentin, Oberarzt und Ärztin, zwei Hebammen, dazwischen irgendwo mein Mann. Die Hebamme untersuchte den Muttermund, er war komplett offen und ich sollte versuchen zu pressen. Es tat unglaublich weh und ich presste meine Zähne zusammen. Nichts passierte. Nur zittern und Schmerzen. Die Ärztin brachte ein Ultraschallgerät herein und sah das Problem. Meine Tochter (Sternenguckerin) arbeitete gegen mich. Sie hatte sich so weit ausgestreckt wie möglich und sperrte sich gegen die Geburt. Das Fruchtwasser war zum Teil bereits grün. Der Arzt stellte mich vor drei Optionen: Weitermachen und auf eine normale Geburt hoffen, die Ärzte nachhelfen lassen oder ein Kaiserschnitt. Ich war schon völlig fertig und hätte vor lauter Schmerzen zu allem Ja und Amen gesagt, aber da kam bereits die nächste heftige Wehe und ich versuchte unter Anleitung zu pressen. Die Ärztin warf sich plötzlich mit ihrem Arm auf meinen Bauch und drückte mit. Es war übrigens immer die gleiche von Anfang an. Ich glaube in dem Moment habe ich nur noch gebrüllt. Genau weiß ich nicht mehr wie oft ich dann noch versucht habe die Geburt in Gang zu kriegen, aber der Arzt blickte auf die Uhr und fragte ob ich einen Kaiserschnitt möchte. Ich stimmte direkt zu. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nur noch schmerzfrei sein und ich hatte riesige Angst um meine Tochter. Dann ging alles recht schnell, mir nicht schnell genug. Ich unterschrieb die Einwilligung für den Kaiserschnitt und die Hebamme versuchte mir aus dem Kreisbett auf das Transportbett zum OP-Raum zu helfen. Ein weiteres Mal musste ich mich übergeben und schließlich rüberhieven lassen, da mich meine Beine nicht mehr hielten. Im OP-Saal waren gefühlt 20 Menschen die hektisch um mich herumwuselten und der Anästhesist verstärkte die PDA. Mit einem Kühlakku prüfte er regelmäßig wie viel ich noch fühlte. Mir ging es viel zu langsam. Trotzdem erinnere ich mich an die unglaubliche Erleichterung, als die Betäubung endlich meinen Bauch erreichte und die Schmerzen weg waren. Das zittern stellte sich leider nicht ein. Kurze Zeit später durfte mein Mann zu mir und ich hörte und spürte wie die Ärztin meinem Bauch herumzerrte. Sie sagte sowas in der Art: “Reißen wir hier auf?” Daher meinte ich nur schnell: “Kannst du mich ablenken?” Mein Mann nur: “Öh, ähm… Deutschland hat gegen Ukraine zwei zu null gewonnen!” Ich war völlig perplex, jedenfalls hat die Aussage gut gewirkt. 2016 fand gerade die EM statt und das war das erste Deutschland-Spiel. Er hatte den Artikel im Caféraum gesehen. Kurze Zeit später brüllte meine kleine Tochter und ich war nur noch glücklich. Ich wollte wissen ob sie gesund ist. Während ich wartete beglückwünschten mich die Umstehenden. Ich weiß nicht genau wer da alles war, aber sie waren sehr nett. Dann kam mein Mann und legte mir meine schreiende Tochter auf die Brust. Ich war so verkabelt an den Händen, dass ich sie nur mit einer stützen konnte. Leider sah ich durch den Mundschutz nur ihr Gesicht und eine kleine Hand. Sie hatte dunkle Haare und noch ein wenig Blut im Gesicht, ihre Finger gingen auf und zu. Dabei brüllte sie mich an. Ich weiß nicht mehr was ich zu ihr gesagt habe, aber ich habe fast geweint. Es war übrigens Montagmorgen – meine Tochter wurde um 7:34 Uhr zur Welt gebracht.

Dann wurde sie mir wieder weggenommen und nachdem ich zusammengeflickt war kam ich in den Aufwachraum. Mir war kalt und ich zitterte und ich war irgendwie glücklich, aber ich wollte nur noch zu meiner Tochter. Um mich herum wurden ständig Leute reingeschoben, andere wieder hinaus. Nach drei Stunden schoben sie mich endlich zurück auf Station und ich konnte mich an meinem Baby nicht satt sehen. Das zittern hörte auf und als ich meine Füße wieder bewegen konnte durfte ich auch endlich etwas trinken. Ich durfte meine Kleine sogar stillen als sie Hunger bekam und es klappte auf Anhieb. Die Schmerzen des Kaiserschnitts waren nachher nichts im Gegensatz zu den Schmerzen der Wehen.

Ich war sehr froh, als ich wieder nach Hause durfte, aber es störte mich sehr, dass ich mich anfangs kaum um meine Tochter kümmern konnte. Durch den Kaiserschnitt konnte ich sie nicht wickeln oder umziehen, sie nicht tragen. Zum Glück funktionierte das stillen, auch wenn meine Brustwarzen schon nach kürzester Zeit total wund waren. Meine Geburtsgeschichte erzählte ich natürlich meiner Familie, aber ich bekam meist die gleiche Reaktion. Sie guckten mitleidig, wussten nicht was sie dazu sagen sollen und meinten schlussendlich: “Hauptsache die Kleine ist gesund!” Meine Mama nahm mich zwar in den Arm und war auch eine riesige Hilfe in den ersten Monaten, aber ich fühlte mich mit meinem Schmerz alleingelassen.

Da meine Tochter sich zu einem Schreibaby entwickelte und mein Mann und ich im ersten Jahr kaum Schlaf bekamen, hatte ich keine Zeit um das Erlebnis zu verarbeiten. Es holte mich nach und nach immer mehr ein. Wutausbrüche, weinen, Suizidvorstellungen, völliges aufgeben. Ich befand mich in einem Loch und fand nicht mehr alleine hinaus. Es kam mir immer so vor, als hätten die anderen zwar auch nicht unbedingt schöne Geburten gehabt, aber keine war so schlimm wie meine. Sie schrieben darüber wie sie die Schmerzen bereits vergessen hatten und ich saß da und konnte jeden Moment der Tortur nachfühlen. Dann machte meine gute Freundin mich auf eine Gruppe aufmerksam, die offen und ehrlich in Facebook über Unerzogen schrieb. Ich fing eine Therapie an und lernte gleichzeitig, dass ich nicht alleine bin. So viele Frauen, die traumatische Geburtserlebnisse haben und so viele, die nicht darüber reden!

Seit einem Jahr nun bin ich am reflektieren und ich machte mir besonders Gedanken darüber was ich an der Geburt so schlimm fand. Es fühlt sich nicht an wie eine Geburt, da meine Tochter nicht rauswollte und ich eigentlich gerne gewartet hätte, bis sie von alleine rauswill. Das ist der Fehler den ich gemacht habe. Ich habe meiner Tochter und mir aus Panik nicht die nötige Zeit gegeben. Schuldgefühle habe ich keine mehr; ich habe Mitgefühl für mich – denn ich wollte damals auch nur das Beste für mein Baby. Mir hat es außerdem gefehlt meine Tochter nach der Geburt bei mir und auf mir liegen zu haben. Sie mein Herz und meine Haut spüren zu lassen, Nähe zu geben und sie nach Bedarf zu stillen. Das war ein inniger Wunsch von mir. Und ich hätte mir mehr Mitgefühl von meiner Familie und meinem Mann gewünscht. Einfach eine Umarmung und das es ok ist zu weinen, das es ok ist das es mir schlecht geht. Letztendlich habe ich mir das jetzt selbst geben müssen.

Viele Bedürfnisse wurden nicht erfüllt; ich hatte schlimme Schmerzen und es war fast durchgehend ein Alptraum. Die Monate danach wurden nicht einfacher. Zu dem Satz “Es wird besser!” schreibe ich ein anderes mal… ich hasse ihn! Die letzten Monate waren eine tiefgehende Reise zu mir selbst, die ich noch lange nicht beendet habe.

Damit möchte ich auch dir einen Rat mitgeben: Schweig nicht über deine Erlebnisse! Schreib sie auf, erzähl sie jemanden, der dich akzeptiert wie du bist und gib dir keine Schuld an dem was passiert ist! Wir wollen alle das Beste für unsere Kinder und in diesen Momenten sind wir leicht zu beeinflussen – von Ärzten, von der Familie. Entscheide selbst was du willst, wäge ab und lass dir keine Angst einreden!

Meine nächste Geburt wird eine richtige, vielleicht sogar eine Hausgeburt. Und ich weiß, dass ich eine haben kann. Ich lasse mir keine Einleitung mehr aufquatschen, das habe ich gelernt! Und das wichtigste: Meine Tochter, die ich lange nicht lieben konnte, und ich haben eine sehr tiefe und innige Beziehung zueinander aufgebaut.

Der Alptraum hat uns nicht kaputt gemacht, er hat uns stärker gemacht!

Liebe Grüße
Deine Julia Amelie

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