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Depression Archive - Mama hat AuDHS https://postnatalewelt.de/blog/tag/depression/ Mein Leben mit der Autismus & ADHS Kombi Fri, 21 Feb 2020 14:34:55 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.6.5 Was ist wenn ich nicht mehr leben will…!? https://postnatalewelt.de/blog/2019/08/24/was-ist-wenn-ich-nicht-mehr-leben-will/ https://postnatalewelt.de/blog/2019/08/24/was-ist-wenn-ich-nicht-mehr-leben-will/#comments Sat, 24 Aug 2019 09:53:15 +0000 http://grossekleinefuesse.de/?p=356 Manchmal ist das Leben unglaublich schwer und anstrengend – ich rede von einer Traurigkeit, die dich Tag und Nacht begleitet. Depressionen sind die Ansammlung von vielen Rückschlägen, schlimmen Momenten, Überlastung und Überforderung. Eben habe ich meinem Mann gebeichtet, dass ich nicht mehr leben will. Wie nimmt einer so eine Nachricht auf? Es hat ihn sicher überfordert, denn er sagte nach einer Weile: “Bitte geh zum Therapeuten!” Dabei war das für mich ein sehr wichtiger Schritt, denn ich habe diese Gedanken nicht zum ersten Mal. Und jedes Mal weiß ich ein Stückchen besser wie ich wieder glücklich werden kann. Das wird hier keine Anleitung von mir wie du Depressionen überwinden kannst. Nein… Ich möchte dich mitnehmen wie ich mich Schritt für Schritt und Träne für Träne wieder in’s Leben hole. Tief im Inneren weiß ich, dass ich das kann – denn wie gesagt, ich tu das nicht zum ersten Mal. Erster Schritt – Weine! Ich darf traurig sein,Ich darf weinen,Ich darf sein! Lass diese Gefühle zu, die Panik, die Traurigkeit, den Schmerz und lass es raus! Ich habe mich komplett darin versinken lassen; also alles hochkommen lassen was mich in den letzten Wochen verletzt hat. Immer öfter habe ich versucht darüber zu schreiben, aber es gelang mir nicht. Ich habe versucht darüber zu reden, aber ich hatte einen Knoten im Hals. Dafür war ich einfach noch nicht bereit gewesen. Erst mussten die Gefühle raus, musste mein Inneres ein wenig angesehen und der Schmerz zugelassen werden. Das wird bei jedem unterschiedlich sein. Bei mir hat es einige Wochen gedauert, denn es kommen immer wieder neue Probleme dazu, die sich anstellen und darauf warten – nicht behoben zu werden – einfach losgelassen zu werden. Zweiter Schritt – Reden und Schreiben Wenn ich Probleme habe versuche ich sie meistens alleine zu lösen. Dann ziehe ich mich zurück und grüble ewig darauf herum. In den letzten Wochen habe ich vieles durchgemacht und auch da wusste ich nicht wie ich oder jemand anderes mir direkt helfen konnte. Über die Probleme selbst habe ich geredet, aber was diese mit mir gemacht haben – das konnte ich nicht in Worte fassen. Daher ist es mir in der ersten Zeit oft nicht möglich mir Hilfe zu holen, weil ich nicht weiß was ich eigentlich brauche. Ich bin sehr dankbar für die vielen lieben Menschen – ja ich rede von euch Manuel, Sibylle, Verena, Isabel, Tabea und vielen mehr – die sofort für mich da waren. Nur konnte ich mich nicht öffnen, auch wenn ich es wollte. Heute beim Frühstück ist es dann endlich rausgekommen und ich habe meinem Mann alles erzählt was in mir vorgeht. Das ich eigentlich gerade nur leben will um für meine Tochter da zu sein, dass ich mich trotz allem (schöne Wohnung, nette Nachbarn usw.) unglücklich und schrecklich alleine fühle. Und jetzt… sitze ich auf dem Sofa, kuschel mit meiner Kleinen und schreibe diesen Blogartikel. Das tut verdammt gut. Ich weiß wie sensibel dieses Thema ist. Aber Tabu sollte es nicht sein! Vor zwei Tagen habe ich Google durchforstet. Wie bringe ich mich am einfachsten und schmerzlos um? Es ist nicht so einfach wie ich dachte… und sehr erstaunt war ich über die vielen Bücher die es dazu auf Amazon gibt. Früher habe ich nicht verstanden wie jemand nur darüber nachdenken kann!? Ich hatte regelrecht Angst vor dem Tod. Wie kann jemand das Leben nicht mehr für wertvoll erachten? Erklären kann ich dir das nicht, aber du weißt was ich meine, wenn du dich damit schon beschäftigt hast. Dritter Schritt – Hol dir Hilfe! Das ist genau das was ich jetzt machen werde – mir Hilfe holen. Bei einem Therapeuten, Coach, wen auch immer ich für vertrauenswürdig finde. Denn ich habe mich sehr weit von mir selbst entfernt. Seltsamerweise denke ich immer noch “Ich bin genauso richtig wie ich bin”, aber gleichzeitig bin ich völlig überlastet und depressiv. Dem werde ich noch auf den Grund gehen. Wenn ich eine Antwort für mich gefunden habe schreibe ich sie dir. Wichtig ist, dass ich mit meinen Gedanken nicht mehr alleine bin. Ich bin bereit mir den Schmerz anzusehen und loszulassen. Auch das wird seine Zeit benötigen. Meistens hilft es jemanden zu haben, der einfach nur zuhört. Hier und da einen Gedanken aufgreift und aus einem anderen Blickwinkel Dinge sieht, für die du gerade einfach blind bist. Das mag von außen manchmal sehr einfach aussehen, aber es lässt jedes Mal einen Knoten platzen – wieder ein Stückchen Schmerz verarbeitet. Vierter Schritt – Sei glücklich! Olga Homering hatte in einem ihrer Webinare davon gesprochen: “Glücklich sein ist eine Entscheidung!” Das ist zu meinem Motto geworden, auch wenn ich das während meiner Depressionen nicht verfolgen kann – oder nicht umsetzen will?Ich kann es dann wieder, wenn ich meinen Schmerz angenommen und losgelassen habe. Wenn ich Freude am Leben gefunden habe und wieder bei mir angekommen bin. Erst dann kann ich auch behaupten ich kann anderen Menschen helfen. Solange ich aber selbst Hilfe brauche bin ich niemandem ein Vorbild. Während der Depressionen habe ich oft diese traurige Vorstellung, dass ich nie wieder glücklich werden kann. Es ist wie ein Teufelskreis der mich immer tiefer runterzieht. Eher eine Teufelsspirale… Wie ich mich da wieder herausziehe hast du jetzt ja gelesen. Einfach ist das nicht, aber ich sage es mal so – was habe ich groß zu verlieren? Ich kann dabei doch nur Glück und Frieden gewinnen! Und genau das ist ja mein innerster Wunsch. Mit dieser Aussicht – das Leben wieder genießen können – werde ich es auch aus dieser Phase schaffen. Solltest du gerade in einer ähnlichen Situation stecken – vielleicht hilft dir mein Weg ein wenig? Du kannst übrigens Tag und Nacht bei der Telefonseelsorge anrufen oder dich dort per Chat und Mail melden: https://www.telefonseelsorge.de Ich wünsche Dir und mir Glück und Frieden Deine Julia Amelie

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Manchmal ist das Leben unglaublich schwer und anstrengend – ich rede von einer Traurigkeit, die dich Tag und Nacht begleitet.
Depressionen sind die Ansammlung von vielen Rückschlägen, schlimmen Momenten, Überlastung und Überforderung.

Eben habe ich meinem Mann gebeichtet, dass ich nicht mehr leben will. Wie nimmt einer so eine Nachricht auf? Es hat ihn sicher überfordert, denn er sagte nach einer Weile: “Bitte geh zum Therapeuten!”

Dabei war das für mich ein sehr wichtiger Schritt, denn ich habe diese Gedanken nicht zum ersten Mal. Und jedes Mal weiß ich ein Stückchen besser wie ich wieder glücklich werden kann. Das wird hier keine Anleitung von mir wie du Depressionen überwinden kannst. Nein…
Ich möchte dich mitnehmen wie ich mich Schritt für Schritt und Träne für Träne wieder in’s Leben hole. Tief im Inneren weiß ich, dass ich das kann – denn wie gesagt, ich tu das nicht zum ersten Mal.

Erster Schritt – Weine!

Ich darf traurig sein,
Ich darf weinen,
Ich darf sein!

Lass diese Gefühle zu, die Panik, die Traurigkeit, den Schmerz und lass es raus! Ich habe mich komplett darin versinken lassen; also alles hochkommen lassen was mich in den letzten Wochen verletzt hat. Immer öfter habe ich versucht darüber zu schreiben, aber es gelang mir nicht. Ich habe versucht darüber zu reden, aber ich hatte einen Knoten im Hals. Dafür war ich einfach noch nicht bereit gewesen. Erst mussten die Gefühle raus, musste mein Inneres ein wenig angesehen und der Schmerz zugelassen werden. Das wird bei jedem unterschiedlich sein. Bei mir hat es einige Wochen gedauert, denn es kommen immer wieder neue Probleme dazu, die sich anstellen und darauf warten – nicht behoben zu werden – einfach losgelassen zu werden.

Zweiter Schritt – Reden und Schreiben

Wenn ich Probleme habe versuche ich sie meistens alleine zu lösen. Dann ziehe ich mich zurück und grüble ewig darauf herum. In den letzten Wochen habe ich vieles durchgemacht und auch da wusste ich nicht wie ich oder jemand anderes mir direkt helfen konnte. Über die Probleme selbst habe ich geredet, aber was diese mit mir gemacht haben – das konnte ich nicht in Worte fassen. Daher ist es mir in der ersten Zeit oft nicht möglich mir Hilfe zu holen, weil ich nicht weiß was ich eigentlich brauche. Ich bin sehr dankbar für die vielen lieben Menschen – ja ich rede von euch Manuel, Sibylle, Verena, Isabel, Tabea und vielen mehr – die sofort für mich da waren. Nur konnte ich mich nicht öffnen, auch wenn ich es wollte.

Heute beim Frühstück ist es dann endlich rausgekommen und ich habe meinem Mann alles erzählt was in mir vorgeht. Das ich eigentlich gerade nur leben will um für meine Tochter da zu sein, dass ich mich trotz allem (schöne Wohnung, nette Nachbarn usw.) unglücklich und schrecklich alleine fühle.

Und jetzt… sitze ich auf dem Sofa, kuschel mit meiner Kleinen und schreibe diesen Blogartikel. Das tut verdammt gut. Ich weiß wie sensibel dieses Thema ist. Aber Tabu sollte es nicht sein!
Vor zwei Tagen habe ich Google durchforstet. Wie bringe ich mich am einfachsten und schmerzlos um? Es ist nicht so einfach wie ich dachte… und sehr erstaunt war ich über die vielen Bücher die es dazu auf Amazon gibt.
Früher habe ich nicht verstanden wie jemand nur darüber nachdenken kann!? Ich hatte regelrecht Angst vor dem Tod. Wie kann jemand das Leben nicht mehr für wertvoll erachten?
Erklären kann ich dir das nicht, aber du weißt was ich meine, wenn du dich damit schon beschäftigt hast.

Dritter Schritt – Hol dir Hilfe!

Das ist genau das was ich jetzt machen werde – mir Hilfe holen. Bei einem Therapeuten, Coach, wen auch immer ich für vertrauenswürdig finde. Denn ich habe mich sehr weit von mir selbst entfernt.

Seltsamerweise denke ich immer noch “Ich bin genauso richtig wie ich bin”, aber gleichzeitig bin ich völlig überlastet und depressiv. Dem werde ich noch auf den Grund gehen. Wenn ich eine Antwort für mich gefunden habe schreibe ich sie dir.

Wichtig ist, dass ich mit meinen Gedanken nicht mehr alleine bin. Ich bin bereit mir den Schmerz anzusehen und loszulassen. Auch das wird seine Zeit benötigen. Meistens hilft es jemanden zu haben, der einfach nur zuhört. Hier und da einen Gedanken aufgreift und aus einem anderen Blickwinkel Dinge sieht, für die du gerade einfach blind bist. Das mag von außen manchmal sehr einfach aussehen, aber es lässt jedes Mal einen Knoten platzen – wieder ein Stückchen Schmerz verarbeitet.

Vierter Schritt – Sei glücklich!

Olga Homering hatte in einem ihrer Webinare davon gesprochen: “Glücklich sein ist eine Entscheidung!”

Das ist zu meinem Motto geworden, auch wenn ich das während meiner Depressionen nicht verfolgen kann – oder nicht umsetzen will?
Ich kann es dann wieder, wenn ich meinen Schmerz angenommen und losgelassen habe. Wenn ich Freude am Leben gefunden habe und wieder bei mir angekommen bin.
Erst dann kann ich auch behaupten ich kann anderen Menschen helfen. Solange ich aber selbst Hilfe brauche bin ich niemandem ein Vorbild.

Während der Depressionen habe ich oft diese traurige Vorstellung, dass ich nie wieder glücklich werden kann. Es ist wie ein Teufelskreis der mich immer tiefer runterzieht. Eher eine Teufelsspirale…
Wie ich mich da wieder herausziehe hast du jetzt ja gelesen. Einfach ist das nicht, aber ich sage es mal so – was habe ich groß zu verlieren?

Ich kann dabei doch nur Glück und Frieden gewinnen! Und genau das ist ja mein innerster Wunsch. Mit dieser Aussicht – das Leben wieder genießen können – werde ich es auch aus dieser Phase schaffen.

Solltest du gerade in einer ähnlichen Situation stecken – vielleicht hilft dir mein Weg ein wenig?
Du kannst übrigens Tag und Nacht bei der Telefonseelsorge anrufen oder dich dort per Chat und Mail melden: https://www.telefonseelsorge.de

Ich wünsche Dir und mir Glück und Frieden
Deine Julia Amelie


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Selbsttest – “Stimmung nach der Geburt” (EPDS) https://postnatalewelt.de/blog/test/epds/ https://postnatalewelt.de/blog/test/epds/#comments Thu, 30 May 2019 14:12:39 +0000 http://grossekleinefuesse.de/?post_type=wpt_test&p=323 Die EPDS (Edinburgh Postnatal Depression Scale) ist für dich der beste und schnellste Selbsttest um festzustellen ob ein psychisches Problem vorliegt. Landest du über 12 Punkten suche dir bitte Hilfe bei deinem Hausarzt, einem Therapeuten oder schreib mir unter: info@postnatalewelt.de Der Test ist natürlich anonym und ich würde dich bitten ihn nach dem ersten Mal ausfüllen jede Woche zu wiederholen. Quelle: Bergant et al., Deutschsprachige Fassung und Validierung der >>Edinburgh postnatal depression scale<<, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 16. Januar 1998, 123(3), S. 35-40.   In den letzten 7 Tagen  (oder in den Tagen seit der Geburt, wenn diese weniger als 7 Tage her ist):

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Die EPDS (Edinburgh Postnatal Depression Scale) ist für dich der beste und schnellste Selbsttest um festzustellen ob ein psychisches Problem vorliegt. Landest du über 12 Punkten suche dir bitte Hilfe bei deinem Hausarzt, einem Therapeuten oder schreib mir unter: info@postnatalewelt.de

Der Test ist natürlich anonym und ich würde dich bitten ihn nach dem ersten Mal ausfüllen jede Woche zu wiederholen.

Quelle: Bergant et al., Deutschsprachige Fassung und Validierung der >>Edinburgh postnatal depression scale<<, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift, 16. Januar 1998, 123(3), S. 35-40.

 

In den letzten 7 Tagen 

(oder in den Tagen seit der Geburt, wenn diese weniger als 7 Tage her ist):

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Gedicht einer zerrissenen Mutter https://postnatalewelt.de/blog/2019/04/08/gedicht-einer-zerrissenen-mutter/ https://postnatalewelt.de/blog/2019/04/08/gedicht-einer-zerrissenen-mutter/#respond Mon, 08 Apr 2019 19:07:28 +0000 http://grossekleinefuesse.de/?p=273 Kleines, verletzliches Kind,
hast Schlimmes erleben müssen,
ob verbaler Gegenwind
oder ungewolltes Küssen.

Deine Stimme ist verklungen,
dein Widerstand niedergerungen.

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Kleines, verletzliches Kind,
hast Schlimmes erleben müssen,
ob verbaler Gegenwind
oder ungewolltes Küssen.

Deine Stimme ist verklungen,
dein Widerstand niedergerungen.

Dein Vertrauen in dich ist verloren,
nur mühsam findest du Halt,
ein Fünkchen Hoffnung wird geboren,
ist die Welt noch so kalt.

Deine Eltern verständnislos,
es war doch nicht deine Absicht,
sie sind doch schon groß,
und du gehst gerade erst los.

Du brauchst Geborgenheit,
suchst Nähe und Sicherheit,
doch Stück für Stück,
ziehst du dich zurück.

Dann bist du selbst erwachsen,
dein erstes Kind wird geboren,

und alles zerbricht...

Plötzlich ist da Wut,
du weißt nicht warum,
Verzweiflung schürt die Glut
und Angst treibt dich um.

Alter Schmerz kommt hoch,
kontrolliert dich,
du fällst in ein Loch,
die Depression greift um sich.

Dein inneres Kind weint,
es versucht dich zu erreichen,
dein verschlossenes Herz zu erweichen,
denn ihr seid immer vereint.

Eine Hand greift nach dir,
zieht dich aus der Dunkelheit
und schenkt dir Geborgenheit.

Du blickst in dein Herz,
denn du hast dich selbst gerettet,
und all' der vergangene Schmerz,
wird in die Vergangenheit gebettet.

Du schließt dich in die Arme,
und verzeihst dir für die Wut,
ein weiterer Schritt ins Warme,
in dir keimen Hoffnung und Mut.

Du kannst loslassen...

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Von der Geburt zur Depression https://postnatalewelt.de/blog/2019/02/25/von-der-geburt-zur-depression/ https://postnatalewelt.de/blog/2019/02/25/von-der-geburt-zur-depression/#comments Mon, 25 Feb 2019 16:33:45 +0000 http://grossekleinefuesse.blog/?p=116 Ich hatte bereits von meiner schlimmen Geburt erzählt und hier geht die Geschichte nun weiter. Die ersten beiden Jahre mit meiner Tochter – kurz angeschnitten; ich lege den Fokus auf mich und wie es mir dabei erging. Auf dem Bild ist meine Tochter Emily etwa einen halben Tag alt und ich durfte sie das erste Mal stillen. Ich hatte ein wenig Angst, dass sie nicht gestillt werden möchte, aber ihre erste Flaschenmahlzeit war zum Glück kein Hindernis. Das Foto hat meine Mutter mit dem Smartphone aufgenommen, die diesen Moment total süß fand – ich war einfach noch voller Glückshormone. Diese lassen allerdings nach etwa 2-4 Tagen nach. Bereits am 2. Tag brüllte meine Tochter gefühlt stundenlang und egal was wir taten (stillen, tragen, wickeln) – sie ließ sich nicht beruhigen. Nach etwa 2 Stunden kam endlich eine Krankenschwester ins Zimmer und half uns; wir waren bereits total aufgelöst. Sie zeigte uns den Fliegergriff und dieser Tipp war Gold wert. Anscheinend hatte Emily sehr oft Probleme bei der Verdauung und nur so konnte sie entspannen. Das Schreien wurde mit den Wochen immer mehr und somit haben wir sie fast nur noch getragen. In der Tragetasche, im Fliegergriff und später hat sie fast ausschließlich auf dem Bauch auf uns drauf geschlafen. Teilweise durften wir uns nicht mal hinsetzen sonst wachte sie sofort auf und beschwerte sich. Es war eine unglaublich anstrengende Zeit für uns, die sich bis zum 2. Lebensjahr zog. Direkt nach der Geburt erzählte ich natürlich meiner Familie von meinen schlimmen Erlebnissen, aber irgendwie wurde das Thema immer so umgelenkt, dass ja alles gut ausgegangen sei. Emily sei gesund und ich sei ja auch fast wieder fit. Jetzt müssten wir eben schauen, dass wir alles für das Baby tun, nur mein Mann darf natürlich nicht die Arbeit vernachlässigen. Viele Mütter reagierten schockiert, aber sie hatten auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen. In dieser Zeit fiel ich also in eine Art Verdrängung. Ich redete mir ein, dass die Geburt schon nicht so schlimm gewesen sei. Selbst eine Hebamme hatte mich schließlich als “Starke Frau” bezeichnet. Da ich die Zeit mit meiner Tochter unglaublich anstrengend empfand konzentrierte ich mich nur noch darauf. Meine eigenen Bedürfnisse wie Essen, Schlaf, Duschen, Entspannung usw. stellte ich hinten an. Und genau das brach irgendwann zusammen. Jeden Tag, wenn ich im Wohnzimmer mit Emily in der Tragetasche meine Kreise zog, blickte ich auf die Uhr und zählte die Minuten bis mein Mann nach Hause kommen würde und ich mich endlich hinsetzen konnte. Ich weiß nicht genau wann ich das erste Mal einen Wutanfall bekam. Jedenfalls wollte ich etwas erledigen und hatte Emily für 5 Minuten neben mir auf dem Sofa abgelegt und sie fing natürlich an zu brüllen. Ich rastete einfach aus und brüllte zurück bis ich nur noch weinend da saß. Von da an passierte mir das regelmäßig, ich hatte mich einfach nicht mehr unter Kontrolle. Ich war mit den Nerven am Ende und völlig überlastet. Ab und zu traute ich mich meine Mutter anzurufen und zum Glück kam sie dann für ein bis zwei Tage und half aus. Letztendlich ging es aber immer nur darum wie ich meine Tochter zufriedenstellen konnte; nicht mich. Sie akzeptierte keine abgepumpte Milch und damit war ich so sehr an zu Hause gebunden, dass ich nur mit ihr etwas unternehmen konnte, aber nie alleine. Draußen war sie schnell überreizt und meistens war ich die Mutter, die in irgendeiner Ecke mit der Tragetasche herumhüpfte, aber wirklich zum reden oder gemeinsam unternehmen bin ich selten gekommen. Ich vereinsamte sehr schnell und fing irgendwann an im Internet Blogs zu lesen und alles was ich zum Schlafen und Stillen von Babys in die Finger bekam. An sich habe ich einige wertvolle Informationen herausgefunden, aber letztendlich habe ich mich nie mit mir beschäftigt; dafür mit allem anderen, vorrangig mit Emily. Nach etwa einem halben Jahr erzählten mir die anderen Mütter aus meiner Gruppe, dass sie sich gar nicht mehr wirklich an die Geburtsschmerzen erinnern könnten. Ich wunderte mich darüber, weil ich alles haargenau nachempfinden konnte. Nach einem Jahr hatte sich das bei mir nicht geändert. Im Gegenteil; ich bekam Nervenzusammenbrüche und manchmal wünschte ich mir mein Kind wäre tot oder ich wäre tot. Das klingt schrecklich, ich weiß, aber in diesen Momenten war ich so am Ende, dass ich in meinem Kopf keine Lösungen mehr fand. Immer häufiger lag ich abends wach – obwohl ich den Schlaf dringend gebraucht hätte und die Erinnerungen an die Schmerzen bei der Geburt übermannten mich regelrecht. Teilweise weinte ich tagelang und hatte Alpträume. Nach 1 1/2 Jahren stand ich regelmäßig vor meinem Mann und war völlig verzweifelt. “Ich sehe keinen Sinn mehr in diesem Leben; ich habe keinen Bock mehr, ich will und kann nicht mehr!” So ungefähr waren meine Aussagen und ich begriff, dass ich mitten in den schlimmsten Depressionen steckte. Zum Glück bin ich ein Mensch der bei sowas irgendwann die Not erkennt und den Hebel zieht. So konnte und wollte ich nicht weitermachen! In meinem Umfeld bekamen das hauptsächlich nur mein Mann und sicher auch meine Tochter mit. Vor den anderen verschwieg ich das und zog mich sehr zurück oder wenn ich mal unterwegs war setzte ich ein Lächeln auf und behauptete krampfhaft es ginge schon irgendwie… Zum Glück hatte ich bereits einen Therapeuten, den ich erneut aufsuchen konnte und das nahm ich in Anspruch, auch wenn ich mich dafür erst überwinden musste. Immer noch versuchte ich mir einzureden, dass ich es nicht vielleicht doch alleine hinkriegen würde, weil es ja doch nicht so schlimm sei?! Darüber reden tat mir sehr gut und auch diesen Schmerz endlich mal zu verarbeiten. Über ein Jahr hatte ich nicht akzeptieren wollen was die Geburt mit mir angerichtet hat und die Verdrängung hat mir ein Trauma beschert. Richtig gelesen – Diagnose Trauma! Das hing erst mal wie ein riesiger Batzen über mir und ich wusste gar nichts damit anzufangen. Die Idee meines Therapeuten war eine Mutter-Kind-Kur oder auch ein spezieller Trauma-Therapeut. Ersteres wollte ich nicht in Anspruch nehmen, da ich las, dass bei einer Kur die Mütter von den Kindern getrennt werden. Das wollte ich nicht! Emily in einer Fremdbetreuung? Sie hat sich schon so unheimlich schwer getan, als ich anfing sie bei der Tagesmutter einzugewöhnen. Den Trauma-Therapeut behielt ich im Hinterkopf, aber erst wollte ich sehen wie weit ich durch reden kommen würde. Ich fing bewusst an hinzusehen, meine Geburt zu akzeptieren wie sie war und was mein Hauptproblem bei der Geburt war. Wo saß der eigentliche Schmerz? Ich erlaubte mir zu trauern und ich fand heraus, dass ich meine Tochter nach dem Kaiserschnitt einfach bei mir haben wollte. Diese 3 oder 4 Stunden, die ich von ihr getrennt wurde waren sehr schmerzhaft für mich. Es hat einige Monate gedauert bis ich zu dieser Erkenntnis kam, aber als ich sie hatte konnte ich sie endlich loslassen. Mittlerweile weiß ich zwar noch, dass ich schreckliche Schmerzen hatte, aber sie sind nicht mehr präsent. Ich muss zudem schreiben, dass eine Ärztin Gewalt an mir ausgeübt hat. Sie hat mich in die Einleitung reingeredet, hat mir bei den Muttermund-Untersuchungen mit den Fingern wehgetan und bei der Geburt hat sie mir die Entscheidung abgenommen mitzuhelfen. Sie hat mir ihren Arm in den Bauch gerammt und mir unvorstellbare Schmerzen zugefügt. Ich wollte das nicht! Im Nachhinein kann ich das ganz genau sagen, aber damals hat sie sich über mich hinweggesetzt. Ich weiß, dass ich kein Einzelfall bin. Vielen Frauen wird während und nach der Geburt Gewalt angetan und wenn sie sich beschweren, müssen sie sich zudem Sprüche anhören wie “Stellen Sie sich nicht so an! Hauptsache es geht dem Kind gut!”. Warum ist immer nur das Kind wichtig? Warum nicht auch wir Mütter? Wir müssen unsere Bedürfnisse nicht zurückstellen und alles über uns ergehen lassen! Wie viele von uns haben ein Trauma, weil sie ihre Erlebnisse verdrängen? Wie viele haben Depressionen und verstecken das vor anderen Menschen? Ich habe die Wende zum Glück geschafft! Letztes Jahr habe ich einen riesigen Schritt in Richtung Heilung unternommen, was ich ohne meinen Therapeuten und meinen Mann nie geschafft hätte. Ich weiß mittlerweile rechtzeitig wann ich Ruhe und eine Rückzugsmöglichkeit brauche, ich hole mir Unterstützung und Hilfe und ich achte viel mehr auf meine Bedürfnisse. Lange habe ich gebraucht, aber meine Wertschätzung für mich ist wieder da! Liebe Grüße Deine Julia Amelie

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Ich hatte bereits von meiner schlimmen Geburt erzählt und hier geht die Geschichte nun weiter. Die ersten beiden Jahre mit meiner Tochter – kurz angeschnitten; ich lege den Fokus auf mich und wie es mir dabei erging.

Auf dem Bild ist meine Tochter Emily etwa einen halben Tag alt und ich durfte sie das erste Mal stillen. Ich hatte ein wenig Angst, dass sie nicht gestillt werden möchte, aber ihre erste Flaschenmahlzeit war zum Glück kein Hindernis. Das Foto hat meine Mutter mit dem Smartphone aufgenommen, die diesen Moment total süß fand – ich war einfach noch voller Glückshormone.

Diese lassen allerdings nach etwa 2-4 Tagen nach. Bereits am 2. Tag brüllte meine Tochter gefühlt stundenlang und egal was wir taten (stillen, tragen, wickeln) – sie ließ sich nicht beruhigen. Nach etwa 2 Stunden kam endlich eine Krankenschwester ins Zimmer und half uns; wir waren bereits total aufgelöst. Sie zeigte uns den Fliegergriff und dieser Tipp war Gold wert. Anscheinend hatte Emily sehr oft Probleme bei der Verdauung und nur so konnte sie entspannen. Das Schreien wurde mit den Wochen immer mehr und somit haben wir sie fast nur noch getragen. In der Tragetasche, im Fliegergriff und später hat sie fast ausschließlich auf dem Bauch auf uns drauf geschlafen. Teilweise durften wir uns nicht mal hinsetzen sonst wachte sie sofort auf und beschwerte sich. Es war eine unglaublich anstrengende Zeit für uns, die sich bis zum 2. Lebensjahr zog.

Direkt nach der Geburt erzählte ich natürlich meiner Familie von meinen schlimmen Erlebnissen, aber irgendwie wurde das Thema immer so umgelenkt, dass ja alles gut ausgegangen sei. Emily sei gesund und ich sei ja auch fast wieder fit. Jetzt müssten wir eben schauen, dass wir alles für das Baby tun, nur mein Mann darf natürlich nicht die Arbeit vernachlässigen. Viele Mütter reagierten schockiert, aber sie hatten auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen. In dieser Zeit fiel ich also in eine Art Verdrängung. Ich redete mir ein, dass die Geburt schon nicht so schlimm gewesen sei. Selbst eine Hebamme hatte mich schließlich als “Starke Frau” bezeichnet. Da ich die Zeit mit meiner Tochter unglaublich anstrengend empfand konzentrierte ich mich nur noch darauf. Meine eigenen Bedürfnisse wie Essen, Schlaf, Duschen, Entspannung usw. stellte ich hinten an. Und genau das brach irgendwann zusammen. Jeden Tag, wenn ich im Wohnzimmer mit Emily in der Tragetasche meine Kreise zog, blickte ich auf die Uhr und zählte die Minuten bis mein Mann nach Hause kommen würde und ich mich endlich hinsetzen konnte. Ich weiß nicht genau wann ich das erste Mal einen Wutanfall bekam. Jedenfalls wollte ich etwas erledigen und hatte Emily für 5 Minuten neben mir auf dem Sofa abgelegt und sie fing natürlich an zu brüllen. Ich rastete einfach aus und brüllte zurück bis ich nur noch weinend da saß. Von da an passierte mir das regelmäßig, ich hatte mich einfach nicht mehr unter Kontrolle. Ich war mit den Nerven am Ende und völlig überlastet. Ab und zu traute ich mich meine Mutter anzurufen und zum Glück kam sie dann für ein bis zwei Tage und half aus. Letztendlich ging es aber immer nur darum wie ich meine Tochter zufriedenstellen konnte; nicht mich. Sie akzeptierte keine abgepumpte Milch und damit war ich so sehr an zu Hause gebunden, dass ich nur mit ihr etwas unternehmen konnte, aber nie alleine. Draußen war sie schnell überreizt und meistens war ich die Mutter, die in irgendeiner Ecke mit der Tragetasche herumhüpfte, aber wirklich zum reden oder gemeinsam unternehmen bin ich selten gekommen. Ich vereinsamte sehr schnell und fing irgendwann an im Internet Blogs zu lesen und alles was ich zum Schlafen und Stillen von Babys in die Finger bekam. An sich habe ich einige wertvolle Informationen herausgefunden, aber letztendlich habe ich mich nie mit mir beschäftigt; dafür mit allem anderen, vorrangig mit Emily. Nach etwa einem halben Jahr erzählten mir die anderen Mütter aus meiner Gruppe, dass sie sich gar nicht mehr wirklich an die Geburtsschmerzen erinnern könnten. Ich wunderte mich darüber, weil ich alles haargenau nachempfinden konnte. Nach einem Jahr hatte sich das bei mir nicht geändert. Im Gegenteil; ich bekam Nervenzusammenbrüche und manchmal wünschte ich mir mein Kind wäre tot oder ich wäre tot. Das klingt schrecklich, ich weiß, aber in diesen Momenten war ich so am Ende, dass ich in meinem Kopf keine Lösungen mehr fand. Immer häufiger lag ich abends wach – obwohl ich den Schlaf dringend gebraucht hätte und die Erinnerungen an die Schmerzen bei der Geburt übermannten mich regelrecht. Teilweise weinte ich tagelang und hatte Alpträume. Nach 1 1/2 Jahren stand ich regelmäßig vor meinem Mann und war völlig verzweifelt. “Ich sehe keinen Sinn mehr in diesem Leben; ich habe keinen Bock mehr, ich will und kann nicht mehr!” So ungefähr waren meine Aussagen und ich begriff, dass ich mitten in den schlimmsten Depressionen steckte. Zum Glück bin ich ein Mensch der bei sowas irgendwann die Not erkennt und den Hebel zieht. So konnte und wollte ich nicht weitermachen! In meinem Umfeld bekamen das hauptsächlich nur mein Mann und sicher auch meine Tochter mit. Vor den anderen verschwieg ich das und zog mich sehr zurück oder wenn ich mal unterwegs war setzte ich ein Lächeln auf und behauptete krampfhaft es ginge schon irgendwie…

Zum Glück hatte ich bereits einen Therapeuten, den ich erneut aufsuchen konnte und das nahm ich in Anspruch, auch wenn ich mich dafür erst überwinden musste. Immer noch versuchte ich mir einzureden, dass ich es nicht vielleicht doch alleine hinkriegen würde, weil es ja doch nicht so schlimm sei?! Darüber reden tat mir sehr gut und auch diesen Schmerz endlich mal zu verarbeiten. Über ein Jahr hatte ich nicht akzeptieren wollen was die Geburt mit mir angerichtet hat und die Verdrängung hat mir ein Trauma beschert. Richtig gelesen – Diagnose Trauma! Das hing erst mal wie ein riesiger Batzen über mir und ich wusste gar nichts damit anzufangen. Die Idee meines Therapeuten war eine Mutter-Kind-Kur oder auch ein spezieller Trauma-Therapeut. Ersteres wollte ich nicht in Anspruch nehmen, da ich las, dass bei einer Kur die Mütter von den Kindern getrennt werden. Das wollte ich nicht! Emily in einer Fremdbetreuung? Sie hat sich schon so unheimlich schwer getan, als ich anfing sie bei der Tagesmutter einzugewöhnen. Den Trauma-Therapeut behielt ich im Hinterkopf, aber erst wollte ich sehen wie weit ich durch reden kommen würde. Ich fing bewusst an hinzusehen, meine Geburt zu akzeptieren wie sie war und was mein Hauptproblem bei der Geburt war. Wo saß der eigentliche Schmerz? Ich erlaubte mir zu trauern und ich fand heraus, dass ich meine Tochter nach dem Kaiserschnitt einfach bei mir haben wollte. Diese 3 oder 4 Stunden, die ich von ihr getrennt wurde waren sehr schmerzhaft für mich. Es hat einige Monate gedauert bis ich zu dieser Erkenntnis kam, aber als ich sie hatte konnte ich sie endlich loslassen.

Mittlerweile weiß ich zwar noch, dass ich schreckliche Schmerzen hatte, aber sie sind nicht mehr präsent. Ich muss zudem schreiben, dass eine Ärztin Gewalt an mir ausgeübt hat. Sie hat mich in die Einleitung reingeredet, hat mir bei den Muttermund-Untersuchungen mit den Fingern wehgetan und bei der Geburt hat sie mir die Entscheidung abgenommen mitzuhelfen. Sie hat mir ihren Arm in den Bauch gerammt und mir unvorstellbare Schmerzen zugefügt. Ich wollte das nicht! Im Nachhinein kann ich das ganz genau sagen, aber damals hat sie sich über mich hinweggesetzt. Ich weiß, dass ich kein Einzelfall bin. Vielen Frauen wird während und nach der Geburt Gewalt angetan und wenn sie sich beschweren, müssen sie sich zudem Sprüche anhören wie “Stellen Sie sich nicht so an! Hauptsache es geht dem Kind gut!”.

Warum ist immer nur das Kind wichtig? Warum nicht auch wir Mütter? Wir müssen unsere Bedürfnisse nicht zurückstellen und alles über uns ergehen lassen! Wie viele von uns haben ein Trauma, weil sie ihre Erlebnisse verdrängen? Wie viele haben Depressionen und verstecken das vor anderen Menschen?

Ich habe die Wende zum Glück geschafft! Letztes Jahr habe ich einen riesigen Schritt in Richtung Heilung unternommen, was ich ohne meinen Therapeuten und meinen Mann nie geschafft hätte. Ich weiß mittlerweile rechtzeitig wann ich Ruhe und eine Rückzugsmöglichkeit brauche, ich hole mir Unterstützung und Hilfe und ich achte viel mehr auf meine Bedürfnisse. Lange habe ich gebraucht, aber meine Wertschätzung für mich ist wieder da!

Liebe Grüße
Deine Julia Amelie

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Meine Traumgeburt, die zum Alptraum wurde https://postnatalewelt.de/blog/2018/09/18/meine-traumgeburt-die-zum-alptraum-wurde/ https://postnatalewelt.de/blog/2018/09/18/meine-traumgeburt-die-zum-alptraum-wurde/#comments Tue, 18 Sep 2018 16:32:31 +0000 https://grossekleinefuesse.wordpress.com/?p=107 Triggerwarnung: Ich schreibe nachfolgend über meine ganz persönlichen und schmerzhaften Erfahrungen, die ein Trauma und schwere Depressionen in mir ausgelöst haben. Wenn du selbst schlimme Erfahrungen hattest und mit diesen noch nicht so gut klar kommst – lies bitte nicht weiter! Vorab kann ich sagen, dass ich mich immer noch in einem Prozess befinde. Ich weine bei jedem Satz den ich jetzt schreiben werde, aber das ist gut so. Ich kann den Schmerz jetzt annehmen und die Tränen als Befreiung annehmen. Ich will und muss über die Erlebnisse schreiben, denn schreiben hat mir schon immer geholfen. Einmal niedergeschrieben muss ich die Erlebnisse nicht ständig in meinem Geist wiederholen. Auch wenn sie nie in Vergessenheit geraten werden sind sie nicht permanent präsent und schmuggeln sich in meinen Alltag. Alles begann fast genau vor drei Jahren. Ich wurde ungewollt schwanger und war am Boden zerstört. Im ersten Moment konnte ich die Situation nicht fassen und nicht annehmen; ich dachte nur daran wie ein Baby meine Zukunft kaputt macht. Und das schlimmste: Wie sage ich es meinem damals noch Freund und meiner Familie. In meinen Gedanken hörte ich sie alle schimpfen und mich verurteilen. Es kam ganz anders und es gab auch nur einen Menschen, der sich nicht freute. Kurz nach dem Ergebnis des Schwangerschaftstests stand ich unter der Dusche und legte die Hände auf meinen Bauch – mir wurde plötzlich bewusst, dass da ein kleines Wesen beginnt zu leben. In mir! Bei meiner wunderbaren Frauenärztin sah ich den Herzschlag und ich war kurz vor den Tränen. Ich wollte das kleine Knöpfchen um jeden Preis behalten! Meine Schwangerschaft war nicht ganz so schön. Die ersten Wochen war mir von morgens bis abends übel, inklusive übergeben wenn ich nicht rechtzeitig nach dem aufstehen einen Kräcker aß. Dann kamen fiese Migräneschübe und ständige Müdigkeit. Teilweise schlief ich nachts 12 Stunden und mittags nochmal 1-2 Stunden. Beim Arzt wurde festgestellt, dass ich Gestationsdiabetes hatte und ich musste vier Mal am Tag meine Finger zerstechen um den Blutzuckerwert zu messen. Der Wert war eigentlich nur morgens zu hoch und das konnte ich regeln, indem ich auf Zucker zum Frühstück verzichtete. Das war hart, mir schmeckt kein herzhaftes Essen morgens, aber ich habe es überlebt. Zum Ende der Schwangerschaft wurde mein Bauch riesig, also wirklich gigantisch. Meine Frauenärztin meinte nur ich hätte eben viel Fruchtwasser und meine kleine Tochter hätte schon lange Beine – kein kleines Baby. Vier Tage war ich über dem errechneten Termin und musste zur regelmäßigen Untersuchung in’s Krankenhaus, da meine Ärztin leider nicht da war. Dort bekam ich einen gefühlt halbstündigen Vortrag wie gefährlich es sei noch keine Einleitung bekommen zu haben, das Baby würde viel zu groß werden wegen des Diabetes und es käme zu Komplikationen bei der Geburt. Ich solle sofort entscheiden, ob ich jetzt im Krankenhaus bleiben würde, spätestens am nächsten Tag, ansonsten müsste ich schriftlich Widerspruch einlegen usw. usf… Natürlich wuchs meine Panik und ich wollte meine Tochter endlich zur Welt bringen. Also lieferte ich mich am selben Tag (ein Freitag) ein und ließ die Einleitung zu. Die Schmerzen waren schlimm und anstrengend, ich konnte nur mit Schlaftabletten schlafen. Den Samstag über verbrachte ich mit Schmerzen, aber es tat sich nichts am Muttermund. Mein Mann konnte ab dieser Nacht zum Glück bei mir Zimmer schlafen. Am nächsten Morgen (Sonntag) begannen gegen 7 Uhr die Wehen in ungefähr 15 Minuten Abstand und ich hatte gar keine Einleitung bekommen. Endlich ein gutes Zeichen! Trotzdem bekam ich morgens die Einleitungstablette auf den Muttermund. Den Eingriff empfand ich jedes Mal als sehr schmerzhaft. Die Wehen wurden tatsächlich stärker und traten in kürzeren Abständen ein. Der Muttermund öffnete sich ein klein wenig, aber nicht viel. Mittags bekam ich statt einer Tablette nur noch Gel draufgestrichen und ich durfte ein wenig in der Badewanne entspannen. Unzählige Male kam ich gefühlt an’s CTG und wurde untersucht. Es ging nur müßig voran. Ich atmete jede Wehe so gut ich konnte weg und dachte dabei immer nur daran, dass meine Tochter bald da ist, dass die Geburt bald richtig los geht. Im Kreissaal hatte ich eine tolle Hebamme, die ich bereits aus dem Geburtsvorbereitungskurs kannte. Ich begann auf dem Peziball rumzuhängen, natürlich mit dem Tuch, das von der Decke hing. Trotzdem tat sich am Muttermund kaum etwas. Kurze Zeit später wurde mir plötzlich schlecht und ich übergab mich zum ersten Mal in den Mülleimer. Die Schmerzen durch die Wehen wurden schlimmer. Bei der nächsten Untersuchung auf dem Kreisbett platzte die Fruchtblase und ein ganzer See breitete sich aus. Mein Mann saß verdutzt mittendrin und musste erst mal auf Station zurück und sich eine neue Hose anziehen. Ich war voller Hoffnung, dass es jetzt endlich losgehen würde mit der Geburt. Mittlerweile hatten wir späten Abend. Der Muttermund war wohl etwa zur Hälfte offen, immer noch nicht genug. Meine Hebamme schlug mir homöopathische Schmerzmittel vor und ich nahm sie dankbar an. Sie machten die Wehen tatsächlich erträglicher. Ich weiß nicht mehr genau wann ich anfing zu zittern, aber es müsste in dem Zeitraum gewesen sein. Mein Körper war bereits ausgelaugt von der Einleitung, der fehlenden Nahrung und den ständigen Muskelkontraktionen. Wieder musste ich mich übergeben. Ich konnte meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle bringen und das zittern nervte mich sehr. Schließlich half das Schmerzmittel nicht mehr und ich bekam eine PDA. Es dauerte etwas bis der Arzt mit Assistentin kam, ich die Formulare unterschrieben hatte und die Nadel in den Rücken bekam. Er bat mich kurz vor dem stechen darum mit dem zittern aufzuhören. Ich weiß im nachhinein nicht mehr wie ich dazu fähig war, aber für eine halbe Minute oder so gewann ich die Kontrolle zurück und dann waren die Schmerzen weg. Mittlerweile waren wir schon in den frühen Morgenstunden und ich konnte tatsächlich neben meinem Mann ein wenig dösen, der trotz zwei Kannen Kaffee schlief. Ich bin so unendlich dankbar, dass er fast die gesamte Zeit an meiner Seite war. Meine Hebamme hatte Schichtwechsel und musste vor der Tür die Ablöse einweisen. Gefühlt dauerte es Stunden und die Schmerzen kehrten zurück. Schlimmer denn je und kurze Zeit später hatte ich nicht mehr nur Wehen sondern es gab einfach nur einen Wechsel zwischen Schmerz und noch schlimmerem Schmerz. Ich zerquetschte die Hand meines Mannes und ich hörte nicht mehr auf die Wehen durchzuatmen. Durch die Nase einatmen. Durch den Mund nicht zu schnell wieder ausatmen. Zittern, atmen, stöhnen – dann fing ich an zu schreien. Mir kam nicht mal mehr in den Sinn nach der Hebamme zu rufen oder einen Knopf zu drücken. Ich glaube eine halbe Stunde ging es so bis sich der Raum plötzlich mit Menschen füllte. Anästhesist und Assistentin, Oberarzt und Ärztin, zwei Hebammen, dazwischen irgendwo mein Mann. Die Hebamme untersuchte den Muttermund, er war komplett offen und ich sollte versuchen zu pressen. Es tat unglaublich weh und ich presste meine Zähne zusammen. Nichts passierte. Nur zittern und Schmerzen. Die Ärztin brachte ein Ultraschallgerät herein und sah das Problem. Meine Tochter (Sternenguckerin) arbeitete gegen mich. Sie hatte sich so weit ausgestreckt wie möglich und sperrte sich gegen die Geburt. Das Fruchtwasser war zum Teil bereits grün. Der Arzt stellte mich vor drei Optionen: Weitermachen und auf eine normale Geburt hoffen, die Ärzte nachhelfen lassen oder ein Kaiserschnitt. Ich war schon völlig fertig und hätte vor lauter Schmerzen zu allem Ja und Amen gesagt, aber da kam bereits die nächste heftige Wehe und ich versuchte unter Anleitung zu pressen. Die Ärztin warf sich plötzlich mit ihrem Arm auf meinen Bauch und drückte mit. Es war übrigens immer die gleiche von Anfang an. Ich glaube in dem Moment habe ich nur noch gebrüllt. Genau weiß ich nicht mehr wie oft ich dann noch versucht habe die Geburt in Gang zu kriegen, aber der Arzt blickte auf die Uhr und fragte ob ich einen Kaiserschnitt möchte. Ich stimmte direkt zu. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nur noch schmerzfrei sein und ich hatte riesige Angst um meine Tochter. Dann ging alles recht schnell, mir nicht schnell genug. Ich unterschrieb die Einwilligung für den Kaiserschnitt und die Hebamme versuchte mir aus dem Kreisbett auf das Transportbett zum OP-Raum zu helfen. Ein weiteres Mal musste ich mich übergeben und schließlich rüberhieven lassen, da mich meine Beine nicht mehr hielten. Im OP-Saal waren gefühlt 20 Menschen die hektisch um mich herumwuselten und der Anästhesist verstärkte die PDA. Mit einem Kühlakku prüfte er regelmäßig wie viel ich noch fühlte. Mir ging es viel zu langsam. Trotzdem erinnere ich mich an die unglaubliche Erleichterung, als die Betäubung endlich meinen Bauch erreichte und die Schmerzen weg waren. Das zittern stellte sich leider nicht ein. Kurze Zeit später durfte mein Mann zu mir und ich hörte und spürte wie die Ärztin meinem Bauch herumzerrte. Sie sagte sowas in der Art: “Reißen wir hier auf?” Daher meinte ich nur schnell: “Kannst du mich ablenken?” Mein Mann nur: “Öh, ähm… Deutschland hat gegen Ukraine zwei zu null gewonnen!” Ich war völlig perplex, jedenfalls hat die Aussage gut gewirkt. 2016 fand gerade die EM statt und das war das erste Deutschland-Spiel. Er hatte den Artikel im Caféraum gesehen. Kurze Zeit später brüllte meine kleine Tochter und ich war nur noch glücklich. Ich wollte wissen ob sie gesund ist. Während ich wartete beglückwünschten mich die Umstehenden. Ich weiß nicht genau wer da alles war, aber sie waren sehr nett. Dann kam mein Mann und legte mir meine schreiende Tochter auf die Brust. Ich war so verkabelt an den Händen, dass ich sie nur mit einer stützen konnte. Leider sah ich durch den Mundschutz nur ihr Gesicht und eine kleine Hand. Sie hatte dunkle Haare und noch ein wenig Blut im Gesicht, ihre Finger gingen auf und zu. Dabei brüllte sie mich an. Ich weiß nicht mehr was ich zu ihr gesagt habe, aber ich habe fast geweint. Es war übrigens Montagmorgen – meine Tochter wurde um 7:34 Uhr zur Welt gebracht. Dann wurde sie mir wieder weggenommen und nachdem ich zusammengeflickt war kam ich in den Aufwachraum. Mir war kalt und ich zitterte und ich war irgendwie glücklich, aber ich wollte nur noch zu meiner Tochter. Um mich herum wurden ständig Leute reingeschoben, andere wieder hinaus. Nach drei Stunden schoben sie mich endlich zurück auf Station und ich konnte mich an meinem Baby nicht satt sehen. Das zittern hörte auf und als ich meine Füße wieder bewegen konnte durfte ich auch endlich etwas trinken. Ich durfte meine Kleine sogar stillen als sie Hunger bekam und es klappte auf Anhieb. Die Schmerzen des Kaiserschnitts waren nachher nichts im Gegensatz zu den Schmerzen der Wehen. Ich war sehr froh, als ich wieder nach Hause durfte, aber es störte mich sehr, dass ich mich anfangs kaum um meine Tochter kümmern konnte. Durch den Kaiserschnitt konnte ich sie nicht wickeln oder umziehen, sie nicht tragen. Zum Glück funktionierte das stillen, auch wenn meine Brustwarzen schon nach kürzester Zeit total wund waren. Meine Geburtsgeschichte erzählte ich natürlich meiner Familie, aber ich bekam meist die gleiche Reaktion. Sie guckten mitleidig, wussten nicht was sie dazu sagen sollen und meinten schlussendlich: “Hauptsache die Kleine ist gesund!” Meine Mama nahm mich zwar in den Arm und war auch eine riesige Hilfe in den ersten Monaten, aber ich fühlte mich mit meinem Schmerz alleingelassen. Da meine Tochter sich zu einem Schreibaby entwickelte und mein Mann und ich im ersten Jahr kaum Schlaf bekamen, hatte ich keine Zeit um das Erlebnis zu verarbeiten. Es holte mich nach und nach immer mehr ein. Wutausbrüche, weinen, Suizidvorstellungen, völliges aufgeben. Ich befand mich in einem Loch und fand nicht mehr alleine hinaus. Es kam mir immer so vor, als hätten die anderen zwar auch nicht unbedingt schöne Geburten gehabt, aber keine war so schlimm wie meine. Sie schrieben darüber wie sie die Schmerzen bereits vergessen hatten und ich saß da und konnte jeden Moment der Tortur nachfühlen. Dann machte meine gute Freundin mich auf eine Gruppe aufmerksam, die offen und ehrlich in Facebook über Unerzogen schrieb. Ich fing eine Therapie an und lernte gleichzeitig, dass ich nicht alleine bin. So viele Frauen, die traumatische...

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Triggerwarnung:

Ich schreibe nachfolgend über meine ganz persönlichen und schmerzhaften Erfahrungen, die ein Trauma und schwere Depressionen in mir ausgelöst haben. Wenn du selbst schlimme Erfahrungen hattest und mit diesen noch nicht so gut klar kommst – lies bitte nicht weiter!

Vorab kann ich sagen, dass ich mich immer noch in einem Prozess befinde. Ich weine bei jedem Satz den ich jetzt schreiben werde, aber das ist gut so. Ich kann den Schmerz jetzt annehmen und die Tränen als Befreiung annehmen. Ich will und muss über die Erlebnisse schreiben, denn schreiben hat mir schon immer geholfen. Einmal niedergeschrieben muss ich die Erlebnisse nicht ständig in meinem Geist wiederholen. Auch wenn sie nie in Vergessenheit geraten werden sind sie nicht permanent präsent und schmuggeln sich in meinen Alltag.

Alles begann fast genau vor drei Jahren. Ich wurde ungewollt schwanger und war am Boden zerstört. Im ersten Moment konnte ich die Situation nicht fassen und nicht annehmen; ich dachte nur daran wie ein Baby meine Zukunft kaputt macht. Und das schlimmste: Wie sage ich es meinem damals noch Freund und meiner Familie. In meinen Gedanken hörte ich sie alle schimpfen und mich verurteilen. Es kam ganz anders und es gab auch nur einen Menschen, der sich nicht freute. Kurz nach dem Ergebnis des Schwangerschaftstests stand ich unter der Dusche und legte die Hände auf meinen Bauch – mir wurde plötzlich bewusst, dass da ein kleines Wesen beginnt zu leben. In mir! Bei meiner wunderbaren Frauenärztin sah ich den Herzschlag und ich war kurz vor den Tränen. Ich wollte das kleine Knöpfchen um jeden Preis behalten!

Meine Schwangerschaft war nicht ganz so schön. Die ersten Wochen war mir von morgens bis abends übel, inklusive übergeben wenn ich nicht rechtzeitig nach dem aufstehen einen Kräcker aß. Dann kamen fiese Migräneschübe und ständige Müdigkeit. Teilweise schlief ich nachts 12 Stunden und mittags nochmal 1-2 Stunden. Beim Arzt wurde festgestellt, dass ich Gestationsdiabetes hatte und ich musste vier Mal am Tag meine Finger zerstechen um den Blutzuckerwert zu messen. Der Wert war eigentlich nur morgens zu hoch und das konnte ich regeln, indem ich auf Zucker zum Frühstück verzichtete. Das war hart, mir schmeckt kein herzhaftes Essen morgens, aber ich habe es überlebt. Zum Ende der Schwangerschaft wurde mein Bauch riesig, also wirklich gigantisch. Meine Frauenärztin meinte nur ich hätte eben viel Fruchtwasser und meine kleine Tochter hätte schon lange Beine – kein kleines Baby. Vier Tage war ich über dem errechneten Termin und musste zur regelmäßigen Untersuchung in’s Krankenhaus, da meine Ärztin leider nicht da war. Dort bekam ich einen gefühlt halbstündigen Vortrag wie gefährlich es sei noch keine Einleitung bekommen zu haben, das Baby würde viel zu groß werden wegen des Diabetes und es käme zu Komplikationen bei der Geburt. Ich solle sofort entscheiden, ob ich jetzt im Krankenhaus bleiben würde, spätestens am nächsten Tag, ansonsten müsste ich schriftlich Widerspruch einlegen usw. usf… Natürlich wuchs meine Panik und ich wollte meine Tochter endlich zur Welt bringen.

Also lieferte ich mich am selben Tag (ein Freitag) ein und ließ die Einleitung zu. Die Schmerzen waren schlimm und anstrengend, ich konnte nur mit Schlaftabletten schlafen. Den Samstag über verbrachte ich mit Schmerzen, aber es tat sich nichts am Muttermund. Mein Mann konnte ab dieser Nacht zum Glück bei mir Zimmer schlafen. Am nächsten Morgen (Sonntag) begannen gegen 7 Uhr die Wehen in ungefähr 15 Minuten Abstand und ich hatte gar keine Einleitung bekommen. Endlich ein gutes Zeichen! Trotzdem bekam ich morgens die Einleitungstablette auf den Muttermund. Den Eingriff empfand ich jedes Mal als sehr schmerzhaft. Die Wehen wurden tatsächlich stärker und traten in kürzeren Abständen ein. Der Muttermund öffnete sich ein klein wenig, aber nicht viel. Mittags bekam ich statt einer Tablette nur noch Gel draufgestrichen und ich durfte ein wenig in der Badewanne entspannen. Unzählige Male kam ich gefühlt an’s CTG und wurde untersucht. Es ging nur müßig voran. Ich atmete jede Wehe so gut ich konnte weg und dachte dabei immer nur daran, dass meine Tochter bald da ist, dass die Geburt bald richtig los geht. Im Kreissaal hatte ich eine tolle Hebamme, die ich bereits aus dem Geburtsvorbereitungskurs kannte. Ich begann auf dem Peziball rumzuhängen, natürlich mit dem Tuch, das von der Decke hing. Trotzdem tat sich am Muttermund kaum etwas. Kurze Zeit später wurde mir plötzlich schlecht und ich übergab mich zum ersten Mal in den Mülleimer. Die Schmerzen durch die Wehen wurden schlimmer. Bei der nächsten Untersuchung auf dem Kreisbett platzte die Fruchtblase und ein ganzer See breitete sich aus. Mein Mann saß verdutzt mittendrin und musste erst mal auf Station zurück und sich eine neue Hose anziehen. Ich war voller Hoffnung, dass es jetzt endlich losgehen würde mit der Geburt. Mittlerweile hatten wir späten Abend. Der Muttermund war wohl etwa zur Hälfte offen, immer noch nicht genug. Meine Hebamme schlug mir homöopathische Schmerzmittel vor und ich nahm sie dankbar an. Sie machten die Wehen tatsächlich erträglicher. Ich weiß nicht mehr genau wann ich anfing zu zittern, aber es müsste in dem Zeitraum gewesen sein. Mein Körper war bereits ausgelaugt von der Einleitung, der fehlenden Nahrung und den ständigen Muskelkontraktionen. Wieder musste ich mich übergeben. Ich konnte meinen Körper nicht mehr unter Kontrolle bringen und das zittern nervte mich sehr. Schließlich half das Schmerzmittel nicht mehr und ich bekam eine PDA. Es dauerte etwas bis der Arzt mit Assistentin kam, ich die Formulare unterschrieben hatte und die Nadel in den Rücken bekam. Er bat mich kurz vor dem stechen darum mit dem zittern aufzuhören. Ich weiß im nachhinein nicht mehr wie ich dazu fähig war, aber für eine halbe Minute oder so gewann ich die Kontrolle zurück und dann waren die Schmerzen weg. Mittlerweile waren wir schon in den frühen Morgenstunden und ich konnte tatsächlich neben meinem Mann ein wenig dösen, der trotz zwei Kannen Kaffee schlief. Ich bin so unendlich dankbar, dass er fast die gesamte Zeit an meiner Seite war. Meine Hebamme hatte Schichtwechsel und musste vor der Tür die Ablöse einweisen. Gefühlt dauerte es Stunden und die Schmerzen kehrten zurück. Schlimmer denn je und kurze Zeit später hatte ich nicht mehr nur Wehen sondern es gab einfach nur einen Wechsel zwischen Schmerz und noch schlimmerem Schmerz. Ich zerquetschte die Hand meines Mannes und ich hörte nicht mehr auf die Wehen durchzuatmen. Durch die Nase einatmen. Durch den Mund nicht zu schnell wieder ausatmen. Zittern, atmen, stöhnen – dann fing ich an zu schreien. Mir kam nicht mal mehr in den Sinn nach der Hebamme zu rufen oder einen Knopf zu drücken. Ich glaube eine halbe Stunde ging es so bis sich der Raum plötzlich mit Menschen füllte. Anästhesist und Assistentin, Oberarzt und Ärztin, zwei Hebammen, dazwischen irgendwo mein Mann. Die Hebamme untersuchte den Muttermund, er war komplett offen und ich sollte versuchen zu pressen. Es tat unglaublich weh und ich presste meine Zähne zusammen. Nichts passierte. Nur zittern und Schmerzen. Die Ärztin brachte ein Ultraschallgerät herein und sah das Problem. Meine Tochter (Sternenguckerin) arbeitete gegen mich. Sie hatte sich so weit ausgestreckt wie möglich und sperrte sich gegen die Geburt. Das Fruchtwasser war zum Teil bereits grün. Der Arzt stellte mich vor drei Optionen: Weitermachen und auf eine normale Geburt hoffen, die Ärzte nachhelfen lassen oder ein Kaiserschnitt. Ich war schon völlig fertig und hätte vor lauter Schmerzen zu allem Ja und Amen gesagt, aber da kam bereits die nächste heftige Wehe und ich versuchte unter Anleitung zu pressen. Die Ärztin warf sich plötzlich mit ihrem Arm auf meinen Bauch und drückte mit. Es war übrigens immer die gleiche von Anfang an. Ich glaube in dem Moment habe ich nur noch gebrüllt. Genau weiß ich nicht mehr wie oft ich dann noch versucht habe die Geburt in Gang zu kriegen, aber der Arzt blickte auf die Uhr und fragte ob ich einen Kaiserschnitt möchte. Ich stimmte direkt zu. Ich konnte nicht mehr, ich wollte nur noch schmerzfrei sein und ich hatte riesige Angst um meine Tochter. Dann ging alles recht schnell, mir nicht schnell genug. Ich unterschrieb die Einwilligung für den Kaiserschnitt und die Hebamme versuchte mir aus dem Kreisbett auf das Transportbett zum OP-Raum zu helfen. Ein weiteres Mal musste ich mich übergeben und schließlich rüberhieven lassen, da mich meine Beine nicht mehr hielten. Im OP-Saal waren gefühlt 20 Menschen die hektisch um mich herumwuselten und der Anästhesist verstärkte die PDA. Mit einem Kühlakku prüfte er regelmäßig wie viel ich noch fühlte. Mir ging es viel zu langsam. Trotzdem erinnere ich mich an die unglaubliche Erleichterung, als die Betäubung endlich meinen Bauch erreichte und die Schmerzen weg waren. Das zittern stellte sich leider nicht ein. Kurze Zeit später durfte mein Mann zu mir und ich hörte und spürte wie die Ärztin meinem Bauch herumzerrte. Sie sagte sowas in der Art: “Reißen wir hier auf?” Daher meinte ich nur schnell: “Kannst du mich ablenken?” Mein Mann nur: “Öh, ähm… Deutschland hat gegen Ukraine zwei zu null gewonnen!” Ich war völlig perplex, jedenfalls hat die Aussage gut gewirkt. 2016 fand gerade die EM statt und das war das erste Deutschland-Spiel. Er hatte den Artikel im Caféraum gesehen. Kurze Zeit später brüllte meine kleine Tochter und ich war nur noch glücklich. Ich wollte wissen ob sie gesund ist. Während ich wartete beglückwünschten mich die Umstehenden. Ich weiß nicht genau wer da alles war, aber sie waren sehr nett. Dann kam mein Mann und legte mir meine schreiende Tochter auf die Brust. Ich war so verkabelt an den Händen, dass ich sie nur mit einer stützen konnte. Leider sah ich durch den Mundschutz nur ihr Gesicht und eine kleine Hand. Sie hatte dunkle Haare und noch ein wenig Blut im Gesicht, ihre Finger gingen auf und zu. Dabei brüllte sie mich an. Ich weiß nicht mehr was ich zu ihr gesagt habe, aber ich habe fast geweint. Es war übrigens Montagmorgen – meine Tochter wurde um 7:34 Uhr zur Welt gebracht.

Dann wurde sie mir wieder weggenommen und nachdem ich zusammengeflickt war kam ich in den Aufwachraum. Mir war kalt und ich zitterte und ich war irgendwie glücklich, aber ich wollte nur noch zu meiner Tochter. Um mich herum wurden ständig Leute reingeschoben, andere wieder hinaus. Nach drei Stunden schoben sie mich endlich zurück auf Station und ich konnte mich an meinem Baby nicht satt sehen. Das zittern hörte auf und als ich meine Füße wieder bewegen konnte durfte ich auch endlich etwas trinken. Ich durfte meine Kleine sogar stillen als sie Hunger bekam und es klappte auf Anhieb. Die Schmerzen des Kaiserschnitts waren nachher nichts im Gegensatz zu den Schmerzen der Wehen.

Ich war sehr froh, als ich wieder nach Hause durfte, aber es störte mich sehr, dass ich mich anfangs kaum um meine Tochter kümmern konnte. Durch den Kaiserschnitt konnte ich sie nicht wickeln oder umziehen, sie nicht tragen. Zum Glück funktionierte das stillen, auch wenn meine Brustwarzen schon nach kürzester Zeit total wund waren. Meine Geburtsgeschichte erzählte ich natürlich meiner Familie, aber ich bekam meist die gleiche Reaktion. Sie guckten mitleidig, wussten nicht was sie dazu sagen sollen und meinten schlussendlich: “Hauptsache die Kleine ist gesund!” Meine Mama nahm mich zwar in den Arm und war auch eine riesige Hilfe in den ersten Monaten, aber ich fühlte mich mit meinem Schmerz alleingelassen.

Da meine Tochter sich zu einem Schreibaby entwickelte und mein Mann und ich im ersten Jahr kaum Schlaf bekamen, hatte ich keine Zeit um das Erlebnis zu verarbeiten. Es holte mich nach und nach immer mehr ein. Wutausbrüche, weinen, Suizidvorstellungen, völliges aufgeben. Ich befand mich in einem Loch und fand nicht mehr alleine hinaus. Es kam mir immer so vor, als hätten die anderen zwar auch nicht unbedingt schöne Geburten gehabt, aber keine war so schlimm wie meine. Sie schrieben darüber wie sie die Schmerzen bereits vergessen hatten und ich saß da und konnte jeden Moment der Tortur nachfühlen. Dann machte meine gute Freundin mich auf eine Gruppe aufmerksam, die offen und ehrlich in Facebook über Unerzogen schrieb. Ich fing eine Therapie an und lernte gleichzeitig, dass ich nicht alleine bin. So viele Frauen, die traumatische Geburtserlebnisse haben und so viele, die nicht darüber reden!

Seit einem Jahr nun bin ich am reflektieren und ich machte mir besonders Gedanken darüber was ich an der Geburt so schlimm fand. Es fühlt sich nicht an wie eine Geburt, da meine Tochter nicht rauswollte und ich eigentlich gerne gewartet hätte, bis sie von alleine rauswill. Das ist der Fehler den ich gemacht habe. Ich habe meiner Tochter und mir aus Panik nicht die nötige Zeit gegeben. Schuldgefühle habe ich keine mehr; ich habe Mitgefühl für mich – denn ich wollte damals auch nur das Beste für mein Baby. Mir hat es außerdem gefehlt meine Tochter nach der Geburt bei mir und auf mir liegen zu haben. Sie mein Herz und meine Haut spüren zu lassen, Nähe zu geben und sie nach Bedarf zu stillen. Das war ein inniger Wunsch von mir. Und ich hätte mir mehr Mitgefühl von meiner Familie und meinem Mann gewünscht. Einfach eine Umarmung und das es ok ist zu weinen, das es ok ist das es mir schlecht geht. Letztendlich habe ich mir das jetzt selbst geben müssen.

Viele Bedürfnisse wurden nicht erfüllt; ich hatte schlimme Schmerzen und es war fast durchgehend ein Alptraum. Die Monate danach wurden nicht einfacher. Zu dem Satz “Es wird besser!” schreibe ich ein anderes mal… ich hasse ihn! Die letzten Monate waren eine tiefgehende Reise zu mir selbst, die ich noch lange nicht beendet habe.

Damit möchte ich auch dir einen Rat mitgeben: Schweig nicht über deine Erlebnisse! Schreib sie auf, erzähl sie jemanden, der dich akzeptiert wie du bist und gib dir keine Schuld an dem was passiert ist! Wir wollen alle das Beste für unsere Kinder und in diesen Momenten sind wir leicht zu beeinflussen – von Ärzten, von der Familie. Entscheide selbst was du willst, wäge ab und lass dir keine Angst einreden!

Meine nächste Geburt wird eine richtige, vielleicht sogar eine Hausgeburt. Und ich weiß, dass ich eine haben kann. Ich lasse mir keine Einleitung mehr aufquatschen, das habe ich gelernt! Und das wichtigste: Meine Tochter, die ich lange nicht lieben konnte, und ich haben eine sehr tiefe und innige Beziehung zueinander aufgebaut.

Der Alptraum hat uns nicht kaputt gemacht, er hat uns stärker gemacht!

Liebe Grüße
Deine Julia Amelie

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