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Schwangerschaft Archive - Mama hat AuDHS https://postnatalewelt.de/blog/category/schwangerschaft/ Mein Leben mit der Autismus & ADHS Kombi Tue, 19 Jan 2021 16:31:50 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.6.5 Meine Traumgeburt zu Hause https://postnatalewelt.de/blog/2021/01/19/meine-traumgeburt-zu-hause/ https://postnatalewelt.de/blog/2021/01/19/meine-traumgeburt-zu-hause/#comments Tue, 19 Jan 2021 16:31:49 +0000 https://postnatalewelt.de/?p=656 Meine Hausgeburt war einfach nur der Wahnsinn!Jetzt liefere ich euch zwar bereits Teil 2 meiner Reihe Schwangerschaft – Hausgeburt – Wochenbett, aber mir ist gerade danach euch endlich von der wunderbaren Geburtsreise zu berichten. Los geht’s: Am 20. September 2020 war ich bereits 8 Tage überfällig und befand mich in einem Wechselbad der Gefühle: Resignation – pure Vorfreude – Aufregung – genervt sein – motiviert – unmotiviert – WANN GEHT ES DENN JETZT LOS?Meine wunderbare Hebamme Maria Huber kündigte sich für den nächsten Tag vormittags an zur Kontrolle und ich wünschte mir so so sehr, dass die Geburt endlich starten würde.Und das tat es, sozusagen:Morgens um 4:30 Uhr am 21. September wachte ich wie üblich mit leichten Übungswehen auf und ich dachte im ersten Moment es wäre etwas Urin ausgelaufen, weil ich zu lange gewartet hatte auf’s Klo zu gehen. Nope, als ich mich in eine stehende Position gehieft hatte lief munter das Fruchtwasser die Beine hinunter. Ich patschte etwas hilflos in der Pfütze umher und rief „WAH! WAH! DENNIS!“ Mein Mann hob verschlafen den Kopf und meinte: „Hm? Was ist denn?“ Ich schon völlig aufgeregt: „Die Fruchtblase ist geplatzt!!!“ Ab da war ich dann gefühlt ein Quellbrunnen; ich hatte aber auch mega viel Fruchtwasser. Dennis half mir die Pfütze aufzuwischen und ich wechselte Hose und Unterwäsche und packte mir eine der fetten Binden rein. Ich hatte übrigens immer noch etwa alle 10-15 Minuten leichte Kontraktionen, die aber nicht weh taten. Daher beschloss ich wieder schlafen zu gehen, auch wenn ich eigentlich zu aufgeregt war. Da ich niemanden wecken wollte und ich mich nicht in akuter Wehensituation befand schrieb ich schnell zwei Nachrichten über WhatsApp – eine an Maria und eine an meine Mama (ich wollte sie bei der Geburt dabei haben). Meine Hebamme befand sich bereits bei einer weiteren Hausgeburt und meinte sie würde dann etwas später am Vormittag kommen wenn es bei mir nicht schon früher „richtig“ losginge.Irgendwann gegen 7 Uhr konnte ich nicht mehr wirklich schlafen und verfrachtete mich mit einer frischen Einlage und Handtüchern auf’s Sofa. Meine Mutter schrieb mir kurze Zeit später aufgeregt, dass sie direkt Sonderurlaub eingereicht hatte und gegen Nachmittag kommen würde. (Die Fahrt zu uns dauert etwas länger, teilweise über 2 Stunden)Die Kontraktionen änderten sich nicht bis Maria ankam und mich untersuchte. Das Fruchtwasser war klar und ging immer wieder in regelmäßigen Abständen ab, die Herztöne des Babys waren super und meine Temperatur auch völlig in Ordnung. Ab der Untersuchung sollte ich etwa alle 2 Stunden messen, um zu prüfen, dass ich kein Fieber bekommen hatte. Das wäre ein Hinweis auf Keime im Bauch gewesen, aber zum Glück blieb die Temperatur bis 19:30 Uhr bei ca. 36,6 Grad. Den Tag über aß ich immer wieder kleine Portionen, trank viel Wasser und entspannte mich in meiner Sofaecke – letztendlich wartete ich eben darauf ob es jetzt richtig losging. Ich wusste echt nicht ob die Kontraktionen jetzt bereits den Muttermund öffneten oder ob das weiterhin nur Übung war. Meine Mama traf im Laufe des Tages ein und kümmerte sich ganz toll um mich. Dennis füllte den bereits aufgestellten Geburtspool im Geburtsraum (unser Büro) mit kaltem Wasser. Wir mussten unsere Tochter dann nur davon abhalten nicht direkt ihre Kleidung auszuziehen und reinzuhüpfen. Bis etwa 17/18 Uhr genoss ich noch den Trubel um mich herum, aber dann merkte ich, dass ich mich doch in den Geburtsraum zurückziehen wollte. Die „Wehen“ kamen jetzt etwas regelmäßiger alle 10 Minuten und waren auch ein wenig stärker geworden, wenn auch immer noch schmerzfrei. Ich wuselte nun gemütlich im Raum herum, zündete Kerzen an und startete meinen Diffuser mit einer wunderbar Geborgenheit vermittelnden Duftmischung, die ich von Isabel Henseler empfohlen bekommen hatte.Während den Kontraktionen setzte ich übrigens eine ganz bestimmte Atemtechnik um, die ich von Stefanie Reimer im Audiotraining „Deine sanfte Geburt“ in den Wochen vor der Geburt gelernt hatte. Dadurch war ich völlig ruhig und entspannt und ließ alles gelassen auf mich zukommen. Maria kam um 19:11 Uhr und untersuchte mich im Geburtsraum. Alles top in Ordnung, aber die Geburtsreise ging eben noch nicht wirklich los. Seit etwa 17 Uhr ging weniger Fruchtwasser ab und das Baby war spürbar tiefer gerutscht. Ich war dann doch enttäuscht, dass meine Hebamme wieder nach Hause fuhr (sie benötigte aber auch dringend Schlaf durch die wache Nacht vorher) und war dann auch etwas demotiviert. Sie kündigte sich für den nächsten Tag wieder an, falls nichts vorher passieren würde.Also redete ich noch ein wenig mit meiner Mama, saß auf dem Peziball herum und trank verdünnten Traubensaft. Essen mochte ich nichts mehr. Ich fing an mit meinem Bauch zu reden und meinte zum Baby: „So Baby, du kannst jetzt loslegen! Es darf jetzt richtig weh tun, okay!?“Es änderte sich natürlich nichts…vorerst… und so beschloss ich mich im Geburtsraum im vorbereiteten Tagesbett schlafen zu legen. Von 22 bis 23 Uhr döste ich so vor mich hin, bis ich dann plötzlich eine schmerzhafte Wehe veratmen musste. Dann kam mit einem Schlag die Angst! Ich wollte auf keinen Fall alleine sein! Es war zu dunkel, ich war zu einsam, ich hatte Schmerzen!Kurze Zeit später noch zwei schmerzhafte Wehen und ich musste dringend auf die Toilette. Ich bugsierte mich, immer wieder atmend und Pause machend, die Treppe runter (wir haben eine Maisonette-Wohnung) zum Klo und erzählte meiner im Wohnzimmer sitzenden Mama was los war. Mein Mann brachte gerade unsere Tochter Emily ins Bett.Ich hatte ziemlich klar im Gefühl, dass es jetzt richtig losging. Denn diese Art von schmerzhaften Wehen kannte ich schon von der ersten Geburt. Sie kamen alle 4-5 Minuten und auch immer heftiger. Nix mit sanfter Geburt und „Wellen“!Zurück im Geburtszimmer tat es mir gut mit den Wehen auf dem Peziball mitzugehen. Ich war recht unsicher, aber ich hatte das dringende Bedürfnis in den Pool zu steigen und meine Hebamme anzurufen. Also bat ich Dennis heißes Wasser einzulassen, was er dann auch tat und rief Maria um 23:40 Uhr an. Ich zog alles bis auf meinen BH aus und bewegte mich ein wenig im Wasser bis ich meine Position gefunden hatte. Während der Wehen setze ich den Tipp von Steffi Reimer um, mit einer Hand einen Kamm zu umfassen und die Zinken zwischen Finger und Handfläche reinzudrücken. So kniete ich relativ bald am Poolrand, hatte die Augen fest geschlossen und konzentrierte mich nur noch auf das atmen. Es wurde ziemlich anstrengend und ich merkte immer mehr wie heftig der Muttermund „zog“.Am 22. September um 0:28 Uhr war Maria da. Ich freute mich zwar und registrierte, dass sie sich vor dem Pool hinsetzte, aber letztendlich habe ich sie glaube ich ziemlich ignoriert. Genauso wie meinen Mann, der sich auf die andere Seite des Pools setzte, mir die Hand hielt und mir gut zuredete. Meine Hebamme überprüfte den Herzschlag des Babys, es war alles in Ordnung. Dazu musste ich meine Position ändern, was sehr unangenehm, aber eben auch sehr wichtig war. Maria gab mir immer wieder den Tipp, dass ich mich bewegen konnte – wie könnte ich mich noch mehr öffnen, eine gute Position finden?Ich habe währenddessen glaube ich fast nichts gesagt und alles in mir selber ausgefochten. So auch die Position am Poolrand, ich hatte gar kein Bedürfnis danach mich zu bewegen. Mit jeder Wehe spürte ich wie der Muttermund heftiger zog und ich konnte die Atemtechnik, die ich mir angelernt hatte nicht mehr umsetzen.0:44 Uhr wurde mir plötzlich sehr übel – auch das kannte ich von der ersten Geburt. „Kannst du mir einen Eimer bringen? Mir ist übel!“ oder so ähnlich sagte ich zu Dennis. Letztendlich kam es dann nicht oben raus, sondern mit der vermutlich ersten Presswehe hinten. Was ja nicht so schlimm ist, der Körper macht während der Geburt eben Platz. Ab da konnte ich während der heftigen Schmerzen nicht mehr leise sein. Ich tönte mit, während diese enorme Urkraft mich einfach jedes Mal überrollte. Mein Mann (so kannte ich ihn noch gar nicht) machte mit. Im ersten Moment fand ich das total doof und dachte: „Boah ich hab hier diese schlimmen Schmerzen, die ich gar nicht haben will, mir geht es richtig schlecht und der tönt hier einfach mit rum!“Ich hatte sowas wie ein Engelchen und ein Teufelchen auf den Schultern sitzen. Das Engelchen redete mir so wie Maria und Dennis gut zu und das Teufelchen motzte herum.Ab 0:55 Uhr spürte ich das kleine Köpfchen und flauschige Haare während einer Wehenpause. Ich ließ auch meinen Mann nachfühlen. Mir war nicht wirklich bewusst, dass ich schon mitten in den Presswehen steckte, aber ich realisierte, dass mein Baby raus wollte. Zwischendurch trank ich von meinem verdünnten Saft und ansonsten presste ich bei jedem Drang mit was das Zeug hielt. Ich konnte richtig spüren wie das Köpfchen jedes Mal ein Stückchen weiter kam und dann wieder zurückrutschte. Die Herztöne blieben weiterhin super und ich merkte teilweise wie das Baby in den Presswehen mit den Füßen mitdrückte.Um 1:28 Uhr ging ich von den Knien in den sogenannten Hirtenstand und richtete mich Richtung Maria aus. Das heißt, ich kniete mit dem linken Bein und das rechte hatte ich angewinkelt. So lehnte ich mich aufrecht nach hinten, die Arme stützte ich auf dem Poolrand ab. Ich fühlte mich offen, weit und fast wie eine Göttin, wenn auch unter furchtbaren Schmerzen.Achja, meine Mama stand übrigens fasziniert im Zimmer und konnte gar nicht viel machen (sie hatte allerdings schon diverses vorbereitet, wie Handtücher im Ofen warm werden lassen usw.).Dann kam plötzlich eine Presswehe bei der ich spürte, dass das Köpfchen fast durch war. Ich sagte zu meiner Hebamme: „Es sind nur noch ein oder zwei Presswehen!“ Maria bat meine Mutter nun runter zu gehen und heißes Wasser zu holen, da es im Pool schon ziemlich kalt geworden war.In dem Moment, genau 1:47 Uhr passierte es, die letzte Presswehe war da! Ich schob kräftig mit und das Köpfchen war durch – aber die Wehe war noch nicht vorbei und ich wollte das Baby raushaben (ich glaube das Baby wollte das auch) und so presste ich nochmal voller Kraft mit und WOW – der kleine Körper rutschte so schnell hinterher, dass ich dem aufgeregten „Nimm dein Baby Julia!“ von Maria kaum folgen konnte. Ich glaube Dennis, Maria und ich fassten alle vorsichtig nach dem kleinen nackten Mensch, der da plötzlich vor mir im Pool schwamm und endlich durfte ich mein Baby im Arm halten!Es war ein wahnsinnig toller Moment; ich glaube der schönste Moment in meinem ganzen Leben!…und meine Mama hatte ihn verpasst!!!Maria lief in den Flur hinaus und rief runter, dass das Baby da wäre und sie schnell warme Handtücher bringen solle. Apropo, das kleine Menschlein testete schon ordentlich seine Lungen aus und brüllte kräftig, wenn auch etwas heiser. Meine Hebamme schaute nach dem Geschlecht (was wir bis dato ja noch nicht wussten) und wir hatten eine gesunde kleine Tochter! Wir waren doch ziemlich überrascht, weil ich fest davon ausging, dass es ein Junge werden würde.Ich weiß wirklich nicht mehr was ich gesagt habe, aber ich konnte mich nicht satt sehen an diesem kleinen rosa Wesen mit den wuscheligen, nassen Haaren. Kurz darauf kam auch schon meine Mama und das Baby und ich bekamen kuschelige warme Handtücher umgelegt. Ich war total kaputt, aber auch überglücklich – endlich war es geschafft!Und das letztendlich ja in unter drei Stunden!Nun war die Geburt ja noch gar nicht abgeschlossen, denn die Plazenta war noch nicht geboren. Ich durfte vom Pool ins Bett wechseln und zog den klitschnassen BH aus. Dort haben die Kleine, Dennis und ich erst mal gekuschelt und sind ein wenig angekommen. Die zweite Hebamme Nicole kam an und unterstützte Maria. Währenddessen durfte die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren und schon spürte ich die Nachwehen. Kurze Zeit später wurschtelte sich das Baby auch schon zu meiner Brust und fing direkt an zu saugen.Ich versuchte im liegen bei den Nachwehen mitzuschieben, aber es tat sich leider nichts, obwohl die Plazenta schon gelöst war, also schon von der Gebärmutter abgegangen war. Um 2:51 Uhr hatte ich meine Position gewechselt und gebar die Plazenta in einer tiefen Hocke vor dem Bett. Zwischendrin aß ich übrigens immer wieder Snacks und trank...

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Meine Hausgeburt war einfach nur der Wahnsinn!
Jetzt liefere ich euch zwar bereits Teil 2 meiner Reihe Schwangerschaft – Hausgeburt – Wochenbett, aber mir ist gerade danach euch endlich von der wunderbaren Geburtsreise zu berichten.

Los geht’s:

Am 20. September 2020 war ich bereits 8 Tage überfällig und befand mich in einem Wechselbad der Gefühle: Resignation – pure Vorfreude – Aufregung – genervt sein – motiviert – unmotiviert – WANN GEHT ES DENN JETZT LOS?
Meine wunderbare Hebamme Maria Huber kündigte sich für den nächsten Tag vormittags an zur Kontrolle und ich wünschte mir so so sehr, dass die Geburt endlich starten würde.
Und das tat es, sozusagen:
Morgens um 4:30 Uhr am 21. September wachte ich wie üblich mit leichten Übungswehen auf und ich dachte im ersten Moment es wäre etwas Urin ausgelaufen, weil ich zu lange gewartet hatte auf’s Klo zu gehen. Nope, als ich mich in eine stehende Position gehieft hatte lief munter das Fruchtwasser die Beine hinunter. Ich patschte etwas hilflos in der Pfütze umher und rief „WAH! WAH! DENNIS!“ Mein Mann hob verschlafen den Kopf und meinte: „Hm? Was ist denn?“ Ich schon völlig aufgeregt: „Die Fruchtblase ist geplatzt!!!“ Ab da war ich dann gefühlt ein Quellbrunnen; ich hatte aber auch mega viel Fruchtwasser. Dennis half mir die Pfütze aufzuwischen und ich wechselte Hose und Unterwäsche und packte mir eine der fetten Binden rein. Ich hatte übrigens immer noch etwa alle 10-15 Minuten leichte Kontraktionen, die aber nicht weh taten. Daher beschloss ich wieder schlafen zu gehen, auch wenn ich eigentlich zu aufgeregt war. Da ich niemanden wecken wollte und ich mich nicht in akuter Wehensituation befand schrieb ich schnell zwei Nachrichten über WhatsApp – eine an Maria und eine an meine Mama (ich wollte sie bei der Geburt dabei haben). Meine Hebamme befand sich bereits bei einer weiteren Hausgeburt und meinte sie würde dann etwas später am Vormittag kommen wenn es bei mir nicht schon früher „richtig“ losginge.
Irgendwann gegen 7 Uhr konnte ich nicht mehr wirklich schlafen und verfrachtete mich mit einer frischen Einlage und Handtüchern auf’s Sofa. Meine Mutter schrieb mir kurze Zeit später aufgeregt, dass sie direkt Sonderurlaub eingereicht hatte und gegen Nachmittag kommen würde. (Die Fahrt zu uns dauert etwas länger, teilweise über 2 Stunden)
Die Kontraktionen änderten sich nicht bis Maria ankam und mich untersuchte. Das Fruchtwasser war klar und ging immer wieder in regelmäßigen Abständen ab, die Herztöne des Babys waren super und meine Temperatur auch völlig in Ordnung. Ab der Untersuchung sollte ich etwa alle 2 Stunden messen, um zu prüfen, dass ich kein Fieber bekommen hatte. Das wäre ein Hinweis auf Keime im Bauch gewesen, aber zum Glück blieb die Temperatur bis 19:30 Uhr bei ca. 36,6 Grad. Den Tag über aß ich immer wieder kleine Portionen, trank viel Wasser und entspannte mich in meiner Sofaecke – letztendlich wartete ich eben darauf ob es jetzt richtig losging. Ich wusste echt nicht ob die Kontraktionen jetzt bereits den Muttermund öffneten oder ob das weiterhin nur Übung war.

Meine Mama traf im Laufe des Tages ein und kümmerte sich ganz toll um mich. Dennis füllte den bereits aufgestellten Geburtspool im Geburtsraum (unser Büro) mit kaltem Wasser. Wir mussten unsere Tochter dann nur davon abhalten nicht direkt ihre Kleidung auszuziehen und reinzuhüpfen. Bis etwa 17/18 Uhr genoss ich noch den Trubel um mich herum, aber dann merkte ich, dass ich mich doch in den Geburtsraum zurückziehen wollte. Die „Wehen“ kamen jetzt etwas regelmäßiger alle 10 Minuten und waren auch ein wenig stärker geworden, wenn auch immer noch schmerzfrei. Ich wuselte nun gemütlich im Raum herum, zündete Kerzen an und startete meinen Diffuser mit einer wunderbar Geborgenheit vermittelnden Duftmischung, die ich von Isabel Henseler empfohlen bekommen hatte.
Während den Kontraktionen setzte ich übrigens eine ganz bestimmte Atemtechnik um, die ich von Stefanie Reimer im Audiotraining „Deine sanfte Geburt“ in den Wochen vor der Geburt gelernt hatte. Dadurch war ich völlig ruhig und entspannt und ließ alles gelassen auf mich zukommen.

Maria kam um 19:11 Uhr und untersuchte mich im Geburtsraum. Alles top in Ordnung, aber die Geburtsreise ging eben noch nicht wirklich los. Seit etwa 17 Uhr ging weniger Fruchtwasser ab und das Baby war spürbar tiefer gerutscht. Ich war dann doch enttäuscht, dass meine Hebamme wieder nach Hause fuhr (sie benötigte aber auch dringend Schlaf durch die wache Nacht vorher) und war dann auch etwas demotiviert. Sie kündigte sich für den nächsten Tag wieder an, falls nichts vorher passieren würde.
Also redete ich noch ein wenig mit meiner Mama, saß auf dem Peziball herum und trank verdünnten Traubensaft. Essen mochte ich nichts mehr. Ich fing an mit meinem Bauch zu reden und meinte zum Baby: „So Baby, du kannst jetzt loslegen! Es darf jetzt richtig weh tun, okay!?“
Es änderte sich natürlich nichts…vorerst… und so beschloss ich mich im Geburtsraum im vorbereiteten Tagesbett schlafen zu legen. Von 22 bis 23 Uhr döste ich so vor mich hin, bis ich dann plötzlich eine schmerzhafte Wehe veratmen musste. Dann kam mit einem Schlag die Angst! Ich wollte auf keinen Fall alleine sein! Es war zu dunkel, ich war zu einsam, ich hatte Schmerzen!
Kurze Zeit später noch zwei schmerzhafte Wehen und ich musste dringend auf die Toilette. Ich bugsierte mich, immer wieder atmend und Pause machend, die Treppe runter (wir haben eine Maisonette-Wohnung) zum Klo und erzählte meiner im Wohnzimmer sitzenden Mama was los war. Mein Mann brachte gerade unsere Tochter Emily ins Bett.
Ich hatte ziemlich klar im Gefühl, dass es jetzt richtig losging. Denn diese Art von schmerzhaften Wehen kannte ich schon von der ersten Geburt. Sie kamen alle 4-5 Minuten und auch immer heftiger. Nix mit sanfter Geburt und „Wellen“!
Zurück im Geburtszimmer tat es mir gut mit den Wehen auf dem Peziball mitzugehen. Ich war recht unsicher, aber ich hatte das dringende Bedürfnis in den Pool zu steigen und meine Hebamme anzurufen. Also bat ich Dennis heißes Wasser einzulassen, was er dann auch tat und rief Maria um 23:40 Uhr an. Ich zog alles bis auf meinen BH aus und bewegte mich ein wenig im Wasser bis ich meine Position gefunden hatte. Während der Wehen setze ich den Tipp von Steffi Reimer um, mit einer Hand einen Kamm zu umfassen und die Zinken zwischen Finger und Handfläche reinzudrücken. So kniete ich relativ bald am Poolrand, hatte die Augen fest geschlossen und konzentrierte mich nur noch auf das atmen. Es wurde ziemlich anstrengend und ich merkte immer mehr wie heftig der Muttermund „zog“.
Am 22. September um 0:28 Uhr war Maria da. Ich freute mich zwar und registrierte, dass sie sich vor dem Pool hinsetzte, aber letztendlich habe ich sie glaube ich ziemlich ignoriert. Genauso wie meinen Mann, der sich auf die andere Seite des Pools setzte, mir die Hand hielt und mir gut zuredete. Meine Hebamme überprüfte den Herzschlag des Babys, es war alles in Ordnung. Dazu musste ich meine Position ändern, was sehr unangenehm, aber eben auch sehr wichtig war. Maria gab mir immer wieder den Tipp, dass ich mich bewegen konnte – wie könnte ich mich noch mehr öffnen, eine gute Position finden?
Ich habe währenddessen glaube ich fast nichts gesagt und alles in mir selber ausgefochten. So auch die Position am Poolrand, ich hatte gar kein Bedürfnis danach mich zu bewegen. Mit jeder Wehe spürte ich wie der Muttermund heftiger zog und ich konnte die Atemtechnik, die ich mir angelernt hatte nicht mehr umsetzen.
0:44 Uhr wurde mir plötzlich sehr übel – auch das kannte ich von der ersten Geburt. „Kannst du mir einen Eimer bringen? Mir ist übel!“ oder so ähnlich sagte ich zu Dennis. Letztendlich kam es dann nicht oben raus, sondern mit der vermutlich ersten Presswehe hinten. Was ja nicht so schlimm ist, der Körper macht während der Geburt eben Platz. Ab da konnte ich während der heftigen Schmerzen nicht mehr leise sein. Ich tönte mit, während diese enorme Urkraft mich einfach jedes Mal überrollte. Mein Mann (so kannte ich ihn noch gar nicht) machte mit. Im ersten Moment fand ich das total doof und dachte: „Boah ich hab hier diese schlimmen Schmerzen, die ich gar nicht haben will, mir geht es richtig schlecht und der tönt hier einfach mit rum!“
Ich hatte sowas wie ein Engelchen und ein Teufelchen auf den Schultern sitzen. Das Engelchen redete mir so wie Maria und Dennis gut zu und das Teufelchen motzte herum.
Ab 0:55 Uhr spürte ich das kleine Köpfchen und flauschige Haare während einer Wehenpause. Ich ließ auch meinen Mann nachfühlen. Mir war nicht wirklich bewusst, dass ich schon mitten in den Presswehen steckte, aber ich realisierte, dass mein Baby raus wollte. Zwischendurch trank ich von meinem verdünnten Saft und ansonsten presste ich bei jedem Drang mit was das Zeug hielt. Ich konnte richtig spüren wie das Köpfchen jedes Mal ein Stückchen weiter kam und dann wieder zurückrutschte. Die Herztöne blieben weiterhin super und ich merkte teilweise wie das Baby in den Presswehen mit den Füßen mitdrückte.
Um 1:28 Uhr ging ich von den Knien in den sogenannten Hirtenstand und richtete mich Richtung Maria aus. Das heißt, ich kniete mit dem linken Bein und das rechte hatte ich angewinkelt. So lehnte ich mich aufrecht nach hinten, die Arme stützte ich auf dem Poolrand ab. Ich fühlte mich offen, weit und fast wie eine Göttin, wenn auch unter furchtbaren Schmerzen.
Achja, meine Mama stand übrigens fasziniert im Zimmer und konnte gar nicht viel machen (sie hatte allerdings schon diverses vorbereitet, wie Handtücher im Ofen warm werden lassen usw.).
Dann kam plötzlich eine Presswehe bei der ich spürte, dass das Köpfchen fast durch war. Ich sagte zu meiner Hebamme: „Es sind nur noch ein oder zwei Presswehen!“ Maria bat meine Mutter nun runter zu gehen und heißes Wasser zu holen, da es im Pool schon ziemlich kalt geworden war.
In dem Moment, genau 1:47 Uhr passierte es, die letzte Presswehe war da! Ich schob kräftig mit und das Köpfchen war durch – aber die Wehe war noch nicht vorbei und ich wollte das Baby raushaben (ich glaube das Baby wollte das auch) und so presste ich nochmal voller Kraft mit und WOW – der kleine Körper rutschte so schnell hinterher, dass ich dem aufgeregten „Nimm dein Baby Julia!“ von Maria kaum folgen konnte. Ich glaube Dennis, Maria und ich fassten alle vorsichtig nach dem kleinen nackten Mensch, der da plötzlich vor mir im Pool schwamm und endlich durfte ich mein Baby im Arm halten!
Es war ein wahnsinnig toller Moment; ich glaube der schönste Moment in meinem ganzen Leben!
…und meine Mama hatte ihn verpasst!!!
Maria lief in den Flur hinaus und rief runter, dass das Baby da wäre und sie schnell warme Handtücher bringen solle. Apropo, das kleine Menschlein testete schon ordentlich seine Lungen aus und brüllte kräftig, wenn auch etwas heiser. Meine Hebamme schaute nach dem Geschlecht (was wir bis dato ja noch nicht wussten) und wir hatten eine gesunde kleine Tochter! Wir waren doch ziemlich überrascht, weil ich fest davon ausging, dass es ein Junge werden würde.
Ich weiß wirklich nicht mehr was ich gesagt habe, aber ich konnte mich nicht satt sehen an diesem kleinen rosa Wesen mit den wuscheligen, nassen Haaren. Kurz darauf kam auch schon meine Mama und das Baby und ich bekamen kuschelige warme Handtücher umgelegt. Ich war total kaputt, aber auch überglücklich – endlich war es geschafft!
Und das letztendlich ja in unter drei Stunden!
Nun war die Geburt ja noch gar nicht abgeschlossen, denn die Plazenta war noch nicht geboren. Ich durfte vom Pool ins Bett wechseln und zog den klitschnassen BH aus. Dort haben die Kleine, Dennis und ich erst mal gekuschelt und sind ein wenig angekommen.

Die zweite Hebamme Nicole kam an und unterstützte Maria. Währenddessen durfte die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren und schon spürte ich die Nachwehen. Kurze Zeit später wurschtelte sich das Baby auch schon zu meiner Brust und fing direkt an zu saugen.
Ich versuchte im liegen bei den Nachwehen mitzuschieben, aber es tat sich leider nichts, obwohl die Plazenta schon gelöst war, also schon von der Gebärmutter abgegangen war. Um 2:51 Uhr hatte ich meine Position gewechselt und gebar die Plazenta in einer tiefen Hocke vor dem Bett. Zwischendrin aß ich übrigens immer wieder Snacks und trank ordentlich. Dadurch war ich zwar recht zittrig auf den Beinen, aber stabil und auch der Kreislauf hielt gut durch.
Die Kleine saugte nun bereits an der anderen Brust, als ich mich wieder ins Bett legte und Maria prüfte, ob ich mir Geburtsverletzungen zugezogen hatte. Ja hatte ich und wie! Dabei hatte ich unter der Geburt wirklich nichts davon mitbekommen!
Letztendlich kam ich mit einem Dammriss 2. Grades, einem Scheidenriss, zwei Schürfwunden und einem Bluterguss davon, aber ich musste definitiv genäht werden.
Zuerst einmal durfte aber die Nabelschnur durchgeschnitten werden. Nur war Dennis gerade unten, weil Emily aufgewacht war! Na dann durfte eben Oma, also meine Mama, ran! Das war glaube ich ein ganz besonderer, toller Moment für sie.
Kurz danach wurde auch schon die U1 durchgeführt. Das mochte die Kleine nun nicht so besonders, aber es war natürlich wichtig. Was ein Wonneproppen! 4070g schwer, 53cm lang und einen Kopfumfang von 36,3cm – kein Wunder, dass ich solche Geburtsverletzungen davon hatte!
Ab 3:29 Uhr vernähte mich Maria eine Stunde lang super genau und fast schmerzfrei. Dann durfte Dennis mit der Kleinen bonden und legte sie sich auf die nackte Brust. Ich versuchte das erste Mal Urin abzugeben und ging dazu wieder vor dem Bett in die Hocke. Das ist gar nicht so einfach nach einer Geburt, da der Harndrang ausbleibt. Mit einigen Positionswechseln und versuchter Entspannung gelang es mir dann auch endlich. Ich war allerdings nicht die einzige die sich erleichtern konnte. Das Baby beschloss auch gleich mal, dass es entspannt genug war um seinen Papa mit ordentlich Stuhlgang zu überraschen. Daraufhin musste sie erst mal gebadet werden und mein Mann gleich mit. Ich lag schon wieder gut eingepackt im Bett und durfte mit meinem sauberen Neugeborenen kuscheln.
Meine beiden wunderbaren Hebammen verabschiedeten sich gegen 5 Uhr und durften endlich wohlverdienten Schlaf nachholen.
Und wir? Ich beschloss die restliche Nacht im eigenen Bett zu verbringen und ging vorsichtig und langsam die Treppe runter.
Ein langer spannender Tag war vorbei, unsere gesunde kleine Tochter auf der Welt und wir alle glücklich und müde. Wir entschieden uns erst bei Tageslicht einen Namen für unser Baby auszusuchen.

Wie schön, dass ich dich mit auf meine Geburtsreise nehmen durfte! Bald kommen dann noch Teil 1 – Die Schwangerschaft und Teil 3 – Das Wochenbett, versprochen! 🙂

Liebe Grüße
Deine Julia Amelie

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Was darf der Frauenarzt? Unnötige Grenzüberschreitung in der Gynäkologie https://postnatalewelt.de/blog/2020/02/14/was-darf-der-frauenarzt-unnoetige-grenzueberschreitung-in-der-gynaekologie/ https://postnatalewelt.de/blog/2020/02/14/was-darf-der-frauenarzt-unnoetige-grenzueberschreitung-in-der-gynaekologie/#respond Fri, 14 Feb 2020 11:18:16 +0000 https://postnatalewelt.de/?p=630 Triggerwarnung: Ich schreibe über Grenzüberschreitung, alte Muster und aufbrechen alter Wunden (psychisch). Mut zur neuen Schwangerschaft Ganz voran, ich bin schwanger (10. Woche) und bin sehr glücklich darüber. Vor einigen Monaten hatte ich noch gesagt ich will nie wieder Kinder bekommen aufgrund des Geburtstraumas und der folgenden Depressionen. Nachdem ich den Schmerz 2018 bis letztes Jahr sehr gut aufarbeiten und annehmen konnte, habe ich letztendlich doch angefangen an ein zweites Baby zu denken. Vor allem aber mit dem Wissen, dass ich so viel dazugelernt habe: Über Schwangerschaft und Geburt, über die Babyzeit, Bindung und Beziehung. Es geht immer anders und vor allem darf ich über mich und meinen Körper selbst bestimmen. So beschloss ich also: Wenn ich nochmal schwanger werde, dann wird es eine selbstbestimmte Hausgeburt auf die ich mich mit Hypnobirthing vorbereite. Und selbst wenn ich bei einem Notfall ins Krankenhaus muss will ich entsprechende Entspannungsmethoden dabeihaben und mich gegen falsche Behandlungen von Ärzten oder Hebammen durchsetzen können. Denn bei der Geburt geht es um mich und mein Baby und ich darf entscheiden, was mit meinem Körper gemacht werden darf und was nicht. Aus gesundheitlichen und zeitlichen Gründen wird oft ein Programm in der Klinik abgespult – sehr zum Nachteil der Gebärenden. Einleitung, unmögliche Geburtspositionen, tagelange Schmerzen bis zur völligen Erschöpfung, manchmal verbale und körperliche Gewalt durch Klinikpersonal und letztendlich der Notkaiserschnitt, oft mit stundenlanger Trennung vom Baby. Dazu werde ich gesondert einen Artikel verfassen, denn Gewalt in der Geburtshilfe ist leider alltäglich geworden (oder war es schon immer?). Mehr zu meiner ersten Alptraum-Geburt kannst du hier lesen:Meine Traumgeburt, die zum Alptraum wurde Eigentlich lief alles gut… An Silvester machte ich den ersten Schwangerschaftstest, leider zu früh. Er war negativ und ich dachte: “Schade, hat leider nicht geklappt…” und war traurig. Dann blieb meine Periode aus, normalerweise auch nicht ungewöhnlich. Teilweise ist das bei mir bis zu einer Woche so. Meine Brüste waren aber gegenüber dem normalen ziehen sehr berührungsempfindlich und so langsam keimte in mir der Gedanke, dass der erste Test vielleicht falsch gewesen war. Nach 4 Tagen ausbleibender Periode wagte ich den nächsten Versuch und siehe da: Schwanger! So wie ich bei der ersten Schwangerschaft vor Schock und Überraschung weinte, kamen mir dieses Mal pure Freudentränen. “Da wächst wieder ein kleines Wunder in mir!” Ich hatte vorher viele Ängste – “kann ich überhaupt wieder schwanger werden? Was wenn beim Kaiserschnitt doch irgendwas kaputtgegangen ist, ein Eierstock verklebt ist?” und so weiter und so fort… Mein Mann freut sich sehr mit mir; diesmal ist es ein richtiges Wunschbaby. Kurze Zeit später begann auch schon die Übelkeit; ich hatte mich sowieso schon gewundert so wenig Energie zu haben und im Treppenhaus (wir wohnen im 3. Stock ohne Aufzug) immer so schnell aus der Puste zu sein. Zum Glück hing ich nicht wie in der ersten Schwangerschaft über der Kloschüssel und seit letzter Woche ist die Übelkeit bereits verschwunden. Insgesamt fühle ich mich sehr wohl und freue mich sehr auf die Geburt. Nach ein wenig Suche habe ich eine super liebe Hebamme gefunden, die mich vor und während der Hausgeburt begleitet. Ich erkundigte mich bei Freunden und bei ihr wie es denn mit dem Frauenarzt aussieht. Wie viele Untersuchungen muss ich machen und welche sind wirklich wichtig? Mir war von vornherein klar: Nach meiner Erfahrung von stündlichen bis halbstündlichen (teils sehr schmerzhaften) vaginalen Untersuchungen während der Geburt will ich das nicht beim Frauenarzt haben und auch während der Hausgeburt nur so viel untersucht werden wie nötig. Ich möchte mich auf meinen Körper verlassen und keine alten Erinnerungen hochkommen lassen. Tatsächlich herausgefunden habe ich: Nichts muss, alles kann! Keine einzige Untersuchung muss ich über mich ergehen lassen, ich darf auch hier über meinen Körper bestimmen. Also beschloss ich für mich: Blut abnehmen und oberhalb des Bauches schallen ist für mich vollkommen in Ordnung; mehr als die drei Ultraschalluntersuchungen will ich nicht. Für die Hebamme war das völlig in Ordnung, was mir auch nochmal ein gutes Gefühl der Sicherheit gab. Erstens kommt es anders und zweitens als ich fühle… Jetzt komme ich zum eigentlich schmerzlichen Teil des Beitrages. Ja, ich habe eine Frauenarztpraxis gefunden. Nein, ich konnte beim Termin ausmachen nicht fragen welche der vielen Frauenärzte ich bekomme und ob meine Wünsche bezüglich der 3 Untersuchungen berücksichtigt werden. Also fuhr ich mit der Einstellung hin genau das von Anfang an klarzustellen und einzufordern. Meine Tochter war natürlich dabei, da ich sie zu Hause betreue. Im Wartezimmer saßen wir etwa eine halbe Stunde und Emily spielte wunderbar mit dem angebotenen Spielzeug. Dann saßen wir etwa 20 Minuten im Flur vor dem Untersuchungszimmer und ich füllte den Anmeldebogen aus. Emily wurde verständlicherweise langsam ungeduldig und ich vertröstete sie mit Keksen, Gummibärchen und Bücher lesen. Endlich kam ich dran und lernte die Frauenärztin kennen. Im Zimmer wurde mir übel, weil es nach irgendeinem grauenhaft süßlichen Duft roch (Parfüm oder Duftlampe?). Das war schon etwas seltsam, weil ich dachte es sei bekannt, dass Schwangere geruchsempfindlich sind. Sie klärte mit mir noch Krankheitsfälle in der Familie und die üblichen Fragen eben und ging dann den Mutterpass zur ersten Schwangerschaft durch. Ganz sympathisch war sie mir nicht, aber ich dachte mir ich gebe ihr eben eine Chance. Ich erzählte von meinem Geburtstrauma und den Depressionen und fragte ob es nur die drei Ultraschalluntersuchungen wären. Sie bestätigte und meinte, dass ich ja öfter da wäre und bei der ersten Aufnahme auch ein Abstrich zur Krebsvorsorge gemacht wird. Da hakte ich direkt ein und meinte, dass ich so oft während der ersten Geburt vaginal untersucht wurde, dass ich das bei ihr nicht mitmachen möchte. Daraufhin gab es ein Hin und Her, wobei sie hauptsächlich meinte ohne diese vaginale Untersuchungen könne sie den Mutterpass nicht anlegen und es wird nun mal immer so gemacht. Ich war kurz vorm heulen, weil ich nicht genau wusste was ich jetzt machen soll. “Ach das machen wir jetzt gemeinsam, das ist alles in Ordnung!” meinte sie nur. Ich fragte wieder ob es keine andere Möglichkeit gibt und war innerlich schon ziemlich erstarrt. Schon die Vorstellung mich gleich untersuchen lassen zu müssen erzeugten in mir Fluchtgedanken. In meinem Kopf schwirrte alles und dann rastete das alte Muster ein: “Stell dich nicht so an, sonst kriegst du keinen Mutterpass! Gib der Ärztin eine Chance, sie weiß was sie tut und es wird sicher nicht so schlimm wie du es dir einredest!” Die Fluchtgedanken wurden leiser. Dann sagte sie bestimmt zu mir: “Gehen Sie bitte in die Umkleide und machen sich untenrum frei!” Ich folgte, stand mit etwas wackeligen Beinen auf und lief mit Emily in die Umkleidekabine. Beim ausziehen dachte ich für einen lauten Moment: “Jetzt ist die letzte Chance! Geh raus und brech das Ganze ab! Du willst das doch gar nicht!” Aber wie in einer Automation mit einem Klumpen im Magen ging ich zum Untersuchungsstuhl (mir fiel auf, dass es im Raum gar keine Liege gab, nur diesen schrecklichen Stuhl). Ich fühlte mich völlig ausgeliefert. Der Abstrich zur Krebsvorsorge tat richtig weh. Ich biss die Zähne zusammen, unterdrückte erneut die Tränen und versuchte durchzuhalten. Die Frauenärztin versuchte ständig über belangloses Zeug zu reden, abgewechselt von “Ist doch gar nicht schlimm, schon vorbei, alles in Ordnung!” und “Na die Geburt ist ja schon lange rum, das machen wir jetzt!”. Doch für mich war es schlimm und ich sagte ihr auch, dass mir die Untersuchung weh tat. Ich hoffte nur, dass es schnell vorbei sei und ich gehen könne. Sie tat alle meine Beschwerden ab, als sei ich ein kleines Kind, dem man weismachen will, dass ein Beinbruch doch nicht schlimm sei. Gips drauf und alles gut! Die Ultraschalluntersuchung tat wieder schrecklich weh und dieses Mal untersuchte sie länger. Ich konnte mich nicht über das kleine gesunde Baby freuen, das auf dem Bildschirm erschien. In meinem Kopf versuchte ich irgendwie zusammenzukratzen wie ich mit den Schmerzen umgehen soll. Versuchen den Unterleib zu entspannen, atmen, durchbeißen… Es half nichts, die Schmerzen wurden nur schlimmer. Das Ultraschallbild ist völlig verschwommen und im Endeffekt für den Müll. Letztendlich habe ich herausgefunden, dass ich schwanger bin, ein gesundes Baby in genau der richtigen Größe habe und das wars gewesen. Das wusste ich auch vorher schon. Die ganze Untersuchung hätte ich mir wirklich ersparen können! Endlich war es vorbei und ich zog mich leicht zitternd um. Die Brust untersuchte sie noch, das war einigermaßen in Ordnung. Kurze Eintragung, eine Aufklärung über weitere Blutuntersuchungen, die ich selbst bezahlen müsste und Tschüss. War ja alles nicht so schlimm…Im Flur mussten wir wieder warten und mir wurde Blut abgenommen. Ich sagte dazu, dass ich kein Blut sehen kann. Trotzdem wurde ich direkt danach an den Empfang gebeten. Mein Arm tat weh, mein Unterleib schmerzte und ich bekam den nächsten Termin in die Hand gedrückt. Emily hatte Hunger und wir gingen zum Bäcker um die Ecke. Ich kaufte einen großen Milchkaffee und erst als ich saß und kurz Ruhe hatte – da fiel mir auf, dass ich am ganzen Körper zitterte. Mir ging es nicht gut. Wieder war ich kurz vor den Tränen und wollte nur noch nach Hause. Warum hatte ich das zugelassen? Warum habe ich schon wieder jemanden über mich bestimmen lassen?Zu Hause weinte ich mich aus, rollte meinen schmerzenden Körper auf dem Sofa zusammen und kuschelte meine Tochter. Ich schreib mit einer guten Freundin und meinem Mann. Heute habe ich den nächsten Termin in der Praxis abgesagt und die Schwangerschaftsvorsorge abgebrochen. Ich kann dort nie wieder hingehen. Mein altes Muster ist hervorgebrochen (Zähne zusammenbeißen und durchstehen), die Wunden und Erinnerungen von den Untersuchungen während der ersten Geburt sind wieder aufgerissen und meine körperlichen Grenzen wurden weit überschritten. Im Nachhinein fühle ich mich, als hätte ich einer Vergewaltigung zugestimmt. Wie geht es weiter? Letzte Nacht hat sich mein Darm völlig verkrampft und entleert. Mein Körper zeigt mir mit aller Macht, dass ich mit den Eingriffen nicht klarkomme. Es wird noch eine Weile dauern bis ich das verarbeitet habe. Darüber schreiben ist wie immer ein erster Schritt! Und warum habe ich das öffentlich getan? Weil ich damit zeigen möchte, wie leicht hochsensible Menschen beeinflusst und manipuliert werden können. Weil wir unseren Körper beschützen müssen! Weil es so wichtig ist unsere Grenzen zu kennen und zu wahren! Ich habe auf sehr sehr schmerzhafte Weise lernen müssen, das nächste Mal für mich einzustehen. Es ist mein Körper und ich bestimme alleine wer mich anfassen und untersuchen darf! Lass dir von niemandem etwas anderes einreden! Ich werde mit meiner Hebamme reden und mir für die letzten beiden Ultraschalluntersuchungen einen anderen Frauenarzt suchen. Dieses Mal ist mein Vertrauen in Ärzte vollkommen gebrochen. Ich werde mich nur noch auf mich, meinen Körper und meine Wünsche einlassen. Und wenn ich dafür Widerspruchserklärungen unterschreiben oder zehn Mal die Praxis wechseln muss. In meinen Mutterpass wurde übrigens nichts eingetragen; es fühlt sich völlig umsonst an untersucht worden zu sein… Pass auf Dich auf!Deine Julia Amelie

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Triggerwarnung: Ich schreibe über Grenzüberschreitung, alte Muster und aufbrechen alter Wunden (psychisch).

Mut zur neuen Schwangerschaft

Ganz voran, ich bin schwanger (10. Woche) und bin sehr glücklich darüber. Vor einigen Monaten hatte ich noch gesagt ich will nie wieder Kinder bekommen aufgrund des Geburtstraumas und der folgenden Depressionen. Nachdem ich den Schmerz 2018 bis letztes Jahr sehr gut aufarbeiten und annehmen konnte, habe ich letztendlich doch angefangen an ein zweites Baby zu denken. Vor allem aber mit dem Wissen, dass ich so viel dazugelernt habe: Über Schwangerschaft und Geburt, über die Babyzeit, Bindung und Beziehung. Es geht immer anders und vor allem darf ich über mich und meinen Körper selbst bestimmen. So beschloss ich also: Wenn ich nochmal schwanger werde, dann wird es eine selbstbestimmte Hausgeburt auf die ich mich mit Hypnobirthing vorbereite. Und selbst wenn ich bei einem Notfall ins Krankenhaus muss will ich entsprechende Entspannungsmethoden dabeihaben und mich gegen falsche Behandlungen von Ärzten oder Hebammen durchsetzen können. Denn bei der Geburt geht es um mich und mein Baby und ich darf entscheiden, was mit meinem Körper gemacht werden darf und was nicht. Aus gesundheitlichen und zeitlichen Gründen wird oft ein Programm in der Klinik abgespult – sehr zum Nachteil der Gebärenden. Einleitung, unmögliche Geburtspositionen, tagelange Schmerzen bis zur völligen Erschöpfung, manchmal verbale und körperliche Gewalt durch Klinikpersonal und letztendlich der Notkaiserschnitt, oft mit stundenlanger Trennung vom Baby. Dazu werde ich gesondert einen Artikel verfassen, denn Gewalt in der Geburtshilfe ist leider alltäglich geworden (oder war es schon immer?). Mehr zu meiner ersten Alptraum-Geburt kannst du hier lesen:
Meine Traumgeburt, die zum Alptraum wurde

Eigentlich lief alles gut…

An Silvester machte ich den ersten Schwangerschaftstest, leider zu früh. Er war negativ und ich dachte: “Schade, hat leider nicht geklappt…” und war traurig. Dann blieb meine Periode aus, normalerweise auch nicht ungewöhnlich. Teilweise ist das bei mir bis zu einer Woche so. Meine Brüste waren aber gegenüber dem normalen ziehen sehr berührungsempfindlich und so langsam keimte in mir der Gedanke, dass der erste Test vielleicht falsch gewesen war. Nach 4 Tagen ausbleibender Periode wagte ich den nächsten Versuch und siehe da: Schwanger!
So wie ich bei der ersten Schwangerschaft vor Schock und Überraschung weinte, kamen mir dieses Mal pure Freudentränen. “Da wächst wieder ein kleines Wunder in mir!”
Ich hatte vorher viele Ängste – “kann ich überhaupt wieder schwanger werden? Was wenn beim Kaiserschnitt doch irgendwas kaputtgegangen ist, ein Eierstock verklebt ist?” und so weiter und so fort…
Mein Mann freut sich sehr mit mir; diesmal ist es ein richtiges Wunschbaby. Kurze Zeit später begann auch schon die Übelkeit; ich hatte mich sowieso schon gewundert so wenig Energie zu haben und im Treppenhaus (wir wohnen im 3. Stock ohne Aufzug) immer so schnell aus der Puste zu sein.
Zum Glück hing ich nicht wie in der ersten Schwangerschaft über der Kloschüssel und seit letzter Woche ist die Übelkeit bereits verschwunden. Insgesamt fühle ich mich sehr wohl und freue mich sehr auf die Geburt. Nach ein wenig Suche habe ich eine super liebe Hebamme gefunden, die mich vor und während der Hausgeburt begleitet.
Ich erkundigte mich bei Freunden und bei ihr wie es denn mit dem Frauenarzt aussieht. Wie viele Untersuchungen muss ich machen und welche sind wirklich wichtig?
Mir war von vornherein klar: Nach meiner Erfahrung von stündlichen bis halbstündlichen (teils sehr schmerzhaften) vaginalen Untersuchungen während der Geburt will ich das nicht beim Frauenarzt haben und auch während der Hausgeburt nur so viel untersucht werden wie nötig. Ich möchte mich auf meinen Körper verlassen und keine alten Erinnerungen hochkommen lassen.
Tatsächlich herausgefunden habe ich: Nichts muss, alles kann!
Keine einzige Untersuchung muss ich über mich ergehen lassen, ich darf auch hier über meinen Körper bestimmen. Also beschloss ich für mich: Blut abnehmen und oberhalb des Bauches schallen ist für mich vollkommen in Ordnung; mehr als die drei Ultraschalluntersuchungen will ich nicht. Für die Hebamme war das völlig in Ordnung, was mir auch nochmal ein gutes Gefühl der Sicherheit gab.

Erstens kommt es anders und zweitens als ich fühle…

Jetzt komme ich zum eigentlich schmerzlichen Teil des Beitrages. Ja, ich habe eine Frauenarztpraxis gefunden. Nein, ich konnte beim Termin ausmachen nicht fragen welche der vielen Frauenärzte ich bekomme und ob meine Wünsche bezüglich der 3 Untersuchungen berücksichtigt werden. Also fuhr ich mit der Einstellung hin genau das von Anfang an klarzustellen und einzufordern.
Meine Tochter war natürlich dabei, da ich sie zu Hause betreue. Im Wartezimmer saßen wir etwa eine halbe Stunde und Emily spielte wunderbar mit dem angebotenen Spielzeug. Dann saßen wir etwa 20 Minuten im Flur vor dem Untersuchungszimmer und ich füllte den Anmeldebogen aus. Emily wurde verständlicherweise langsam ungeduldig und ich vertröstete sie mit Keksen, Gummibärchen und Bücher lesen. Endlich kam ich dran und lernte die Frauenärztin kennen. Im Zimmer wurde mir übel, weil es nach irgendeinem grauenhaft süßlichen Duft roch (Parfüm oder Duftlampe?). Das war schon etwas seltsam, weil ich dachte es sei bekannt, dass Schwangere geruchsempfindlich sind. Sie klärte mit mir noch Krankheitsfälle in der Familie und die üblichen Fragen eben und ging dann den Mutterpass zur ersten Schwangerschaft durch. Ganz sympathisch war sie mir nicht, aber ich dachte mir ich gebe ihr eben eine Chance. Ich erzählte von meinem Geburtstrauma und den Depressionen und fragte ob es nur die drei Ultraschalluntersuchungen wären. Sie bestätigte und meinte, dass ich ja öfter da wäre und bei der ersten Aufnahme auch ein Abstrich zur Krebsvorsorge gemacht wird. Da hakte ich direkt ein und meinte, dass ich so oft während der ersten Geburt vaginal untersucht wurde, dass ich das bei ihr nicht mitmachen möchte. Daraufhin gab es ein Hin und Her, wobei sie hauptsächlich meinte ohne diese vaginale Untersuchungen könne sie den Mutterpass nicht anlegen und es wird nun mal immer so gemacht. Ich war kurz vorm heulen, weil ich nicht genau wusste was ich jetzt machen soll. “Ach das machen wir jetzt gemeinsam, das ist alles in Ordnung!” meinte sie nur. Ich fragte wieder ob es keine andere Möglichkeit gibt und war innerlich schon ziemlich erstarrt. Schon die Vorstellung mich gleich untersuchen lassen zu müssen erzeugten in mir Fluchtgedanken. In meinem Kopf schwirrte alles und dann rastete das alte Muster ein: “Stell dich nicht so an, sonst kriegst du keinen Mutterpass! Gib der Ärztin eine Chance, sie weiß was sie tut und es wird sicher nicht so schlimm wie du es dir einredest!” Die Fluchtgedanken wurden leiser. Dann sagte sie bestimmt zu mir: “Gehen Sie bitte in die Umkleide und machen sich untenrum frei!” Ich folgte, stand mit etwas wackeligen Beinen auf und lief mit Emily in die Umkleidekabine. Beim ausziehen dachte ich für einen lauten Moment: “Jetzt ist die letzte Chance! Geh raus und brech das Ganze ab! Du willst das doch gar nicht!” Aber wie in einer Automation mit einem Klumpen im Magen ging ich zum Untersuchungsstuhl (mir fiel auf, dass es im Raum gar keine Liege gab, nur diesen schrecklichen Stuhl). Ich fühlte mich völlig ausgeliefert. Der Abstrich zur Krebsvorsorge tat richtig weh. Ich biss die Zähne zusammen, unterdrückte erneut die Tränen und versuchte durchzuhalten. Die Frauenärztin versuchte ständig über belangloses Zeug zu reden, abgewechselt von “Ist doch gar nicht schlimm, schon vorbei, alles in Ordnung!” und “Na die Geburt ist ja schon lange rum, das machen wir jetzt!”. Doch für mich war es schlimm und ich sagte ihr auch, dass mir die Untersuchung weh tat. Ich hoffte nur, dass es schnell vorbei sei und ich gehen könne. Sie tat alle meine Beschwerden ab, als sei ich ein kleines Kind, dem man weismachen will, dass ein Beinbruch doch nicht schlimm sei. Gips drauf und alles gut!
Die Ultraschalluntersuchung tat wieder schrecklich weh und dieses Mal untersuchte sie länger. Ich konnte mich nicht über das kleine gesunde Baby freuen, das auf dem Bildschirm erschien. In meinem Kopf versuchte ich irgendwie zusammenzukratzen wie ich mit den Schmerzen umgehen soll. Versuchen den Unterleib zu entspannen, atmen, durchbeißen… Es half nichts, die Schmerzen wurden nur schlimmer. Das Ultraschallbild ist völlig verschwommen und im Endeffekt für den Müll. Letztendlich habe ich herausgefunden, dass ich schwanger bin, ein gesundes Baby in genau der richtigen Größe habe und das wars gewesen. Das wusste ich auch vorher schon. Die ganze Untersuchung hätte ich mir wirklich ersparen können!
Endlich war es vorbei und ich zog mich leicht zitternd um. Die Brust untersuchte sie noch, das war einigermaßen in Ordnung. Kurze Eintragung, eine Aufklärung über weitere Blutuntersuchungen, die ich selbst bezahlen müsste und Tschüss. War ja alles nicht so schlimm…
Im Flur mussten wir wieder warten und mir wurde Blut abgenommen. Ich sagte dazu, dass ich kein Blut sehen kann. Trotzdem wurde ich direkt danach an den Empfang gebeten. Mein Arm tat weh, mein Unterleib schmerzte und ich bekam den nächsten Termin in die Hand gedrückt.
Emily hatte Hunger und wir gingen zum Bäcker um die Ecke. Ich kaufte einen großen Milchkaffee und erst als ich saß und kurz Ruhe hatte – da fiel mir auf, dass ich am ganzen Körper zitterte. Mir ging es nicht gut. Wieder war ich kurz vor den Tränen und wollte nur noch nach Hause. Warum hatte ich das zugelassen? Warum habe ich schon wieder jemanden über mich bestimmen lassen?
Zu Hause weinte ich mich aus, rollte meinen schmerzenden Körper auf dem Sofa zusammen und kuschelte meine Tochter. Ich schreib mit einer guten Freundin und meinem Mann.
Heute habe ich den nächsten Termin in der Praxis abgesagt und die Schwangerschaftsvorsorge abgebrochen. Ich kann dort nie wieder hingehen. Mein altes Muster ist hervorgebrochen (Zähne zusammenbeißen und durchstehen), die Wunden und Erinnerungen von den Untersuchungen während der ersten Geburt sind wieder aufgerissen und meine körperlichen Grenzen wurden weit überschritten. Im Nachhinein fühle ich mich, als hätte ich einer Vergewaltigung zugestimmt.

Wie geht es weiter?

Letzte Nacht hat sich mein Darm völlig verkrampft und entleert. Mein Körper zeigt mir mit aller Macht, dass ich mit den Eingriffen nicht klarkomme. Es wird noch eine Weile dauern bis ich das verarbeitet habe. Darüber schreiben ist wie immer ein erster Schritt!
Und warum habe ich das öffentlich getan? Weil ich damit zeigen möchte, wie leicht hochsensible Menschen beeinflusst und manipuliert werden können. Weil wir unseren Körper beschützen müssen! Weil es so wichtig ist unsere Grenzen zu kennen und zu wahren!
Ich habe auf sehr sehr schmerzhafte Weise lernen müssen, das nächste Mal für mich einzustehen. Es ist mein Körper und ich bestimme alleine wer mich anfassen und untersuchen darf!
Lass dir von niemandem etwas anderes einreden!

Ich werde mit meiner Hebamme reden und mir für die letzten beiden Ultraschalluntersuchungen einen anderen Frauenarzt suchen. Dieses Mal ist mein Vertrauen in Ärzte vollkommen gebrochen. Ich werde mich nur noch auf mich, meinen Körper und meine Wünsche einlassen. Und wenn ich dafür Widerspruchserklärungen unterschreiben oder zehn Mal die Praxis wechseln muss.

In meinen Mutterpass wurde übrigens nichts eingetragen; es fühlt sich völlig umsonst an untersucht worden zu sein…

Pass auf Dich auf!
Deine Julia Amelie

Der Beitrag Was darf der Frauenarzt? Unnötige Grenzüberschreitung in der Gynäkologie erschien zuerst auf Mama hat AuDHS.

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